Tiergesetz Peking führt die Ein-Hund-Politik ein

Künftig ist in Peking pro Haushalt nur noch ein Hund erlaubt. Nach der schon seit Jahrzehnten praktizierten Ein-Kind-Politik haben die Behörden nun die neue Maßnahme eingeführt, um die Anzahl der Tiere und Tollwut eindämmen. Wer sich nicht an die Regelung hält, wird hart bestraft.


Peking - Vorausgegangen ist den Restriktionen eine Kampagne zur Bekämpfung von Tollwut, bei der im August sowie auch in den Vorjahren mehrere tausend Hunde getötet wurden. Jetzt versuchen Chinas Behörden, der sich rapide ausbreitenden Krankheit mittels der Ein-Hund-Politik Herr zu werden. Sie greift zunächst in neun Gebieten Pekings, wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtet.

Kampf um das Haustier: Eine Bewohnerin aus Hangzhou will ihren unregistrierten Hund nicht hergeben
REUTERS

Kampf um das Haustier: Eine Bewohnerin aus Hangzhou will ihren unregistrierten Hund nicht hergeben

Hunde ab einer Höhe von 35 Zentimetern seien, ebenso wie Kampfhunde und Zucht, verboten. Jeder Einwohner, der einen nicht registrierten Hund halte, müsse mit einer Geldstrafe von umgerechnet bis zu tausend Euro rechnen, hieß es. Xinhua zufolge haben sich zahlreiche Chinesen für die Politik ausgesprochen, da sie der einzige Weg sei, Tollwut einzudämmen. Nur etwa drei Prozent der registrierten Hunde in China sind gegen die heimtückische Krankheit geimpft.

Tollwut befällt das Nervensystem, kann tödlich verlaufen und durch Bisse auf Tiere und Menschen übertragen werden. Allein im September dieses Jahres sollen mehr als 300 Menschen landesweit an den Folgen einer Tollwutinfektion gestorben sein, heißt es bei Xinhua. 2004 waren es mehr als 2600. Mehr als 70.000 der 14 Millionen Einwohner Pekings meldeten sich einem Bericht der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zufolge mit Hundebissen in den Krankenhäusern der Stadt.

Als Delikatesse gelten Hunde in China schon lange. Seit sie in den Städten gehalten werden dürfen, sind sie allerdings vor allem als Haustiere beliebt. Ihre Anzahl explodiert: Mehr als eine halbe Million registrierte Exemplare soll es allein in Peking geben, jährlich kommen rund 90.000 und eine hohe Dunkelziffer an nicht registrierten Tieren dazu. Zwar investieren die Halter eine große Summe - einen Hund zu melden, kostet umgerechnet um die hundert Euro - jedoch schrecken laut Presseberichten die meisten davor zurück, noch einmal bis zu 50 Euro für eine Tollwut-Impfung auszugeben.

Seit mehr als 20 Jahren wird in China bereits die Ein-Kind-Politik praktiziert, nach der Paare in Städten nur ein Baby, auf dem Land zwei Kinder haben dürfen - vorausgesetzt, das erstgeborene ist ein Mädchen. Das soll Presseberichten zufolge zu zahlreichen Zwangsabtreibungen, Sterilisationen und Kindstötungen geführt haben.

Zwischen 1952 und 2000 hat sich die Bevölkerungszahl Chinas auf 1,3 Milliarden mehr als verdoppelt. Während 1970 das jährliche Wachstum noch bei etwa 2,6 Prozent lag, liegt es heute bei etwa 0,6 Prozent.

tos/AP



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