Tönnies-Video ins Netz gestellt Kantinen-Mitarbeiterin einigt sich nach Rauswurf auf Vergleich

Angestellte, die ohne Abstand in der Tönnies-Kantine essen: Weil die Mitarbeiterin einer Cateringfirma Aufnahmen davon ins Netz stellte, wurde ihr gekündigt. Nun erstritt sie eine Abfindung.
Firma Tönnies: Frau postete umstrittenes Video von innen (Symbolbild)

Firma Tönnies: Frau postete umstrittenes Video von innen (Symbolbild)

Foto: David Inderlied/dpa

Nachdem eine Mitarbeiterin im Frühjahr ein umstrittenes Video aus dem Schlachtbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück veröffentlicht hatte, setzte ihr Arbeitgeber sie fristlos vor die Tür. Die Cateringfirma beliefert die Tönnies-Kantine mit Essen. Die Frau wollte den Rauswurf nicht hinnehmen und zog vor Gericht, ließ sich an diesem Donnerstag aber auf einen Vergleich ein.

Die Mitarbeiterin und die Cateringfirma einigten sich vor dem Arbeitsgericht Bielefeld darauf, die Kündigung von einer fristlosen in eine ordentliche umzuwandeln, und zwar unter Wahrung aller Fristen und Bezahlungen. Das teilte ein Sprecher des Gerichts mit. Zusätzlich erhält die Frau demnach eine Abfindung in Höhe von 20.000 Euro.

Nach Angaben des Gerichts war die Klägerin zu dem Termin nicht erschienen. "Ob die Frau gegen ihre Pflichten als Arbeitnehmerin verstoßen hat, wurde zwar bei diesem Termin diskutiert. Weil das Gericht aber kein Urteil sprechen musste, gab es auf die Frage, ob die Kündigung rechtens war, keine Entscheidung", sagte der Sprecher.

Videomaterial: Essen ohne Abstand

Die Mitarbeiterin soll Filmmaterial mit mutmaßlichen Verstößen gegen Corona-Präventionsregeln bei Tönnies im Frühjahr im Internet veröffentlicht haben. Das Video war Ende März im Internet aufgetaucht. Die Bilder zeigen Tönnies-Mitarbeiter, die in der Kantine an Tischen zusammensitzen und essen.

Nach einer Verordnung des Landes Nordrhein-Westfalen musste zu diesem Zeitpunkt jedoch auch in Firmenkantinen aus Gründen des Infektionsschutzes ein Mindestabstand von 1,50 Meter eingehalten werden. Ob es Verstöße gab, prüft derzeit die Staatsanwaltschaft Bielefeld nach dem Eingang zahlreicher Anzeigen gegen das Unternehmen.

Die Firma Tönnies hält dagegen, die Arbeiter hätten sich in der Kantine nur mit Kollegen aufgehalten, mit denen sie auch in einer Abteilung zusammen arbeiteten. Dieses sogenannte Clustern sei mit dem Arbeitsschutz abgestimmt gewesen. Zudem habe es in dieser Phase der Pandemie keine vermehrten Positivfälle gegeben. Später seien die Plätze "erheblich" reduziert und eine Mundschutzpflicht in der Kantine eingeführt worden.

Frau bestätigt, dass sie Video ins Netz stellte

Bei einem Gütetermin im Juni hatten sich die Frau und ihr Arbeitgeber bereits auf eine fristgerechte Kündigung und eine Abfindung geeinigt. Nachdem die Mitarbeiterin jedoch ihren Anwalt gewechselt hatte, widerrief sie den Vergleich. Dem Gericht zufolge hatte die Frau im Gütetermin bestätigt, das Video ins Internet gestellt zu haben. Sie bestritt demnach aber, dass negative Kommentare in dem Video von ihr seien.

Im Juni hatte es bei dem Fleischkonzern Tönnies einen größeren Corona-Ausbruch gegeben. Innerhalb kürzester Zeit steckten sich mehr als 1400 Arbeiter an und gleich zwei Landkreise mussten in den erneuten Lockdown. Im Zuge der Berichterstattung gerieten auch die seit Jahren umstrittenen Arbeitsbedingungen in der Fleischfabrik verstärkt in die Kritik.

fok/dpa/AFP
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