Irrtümlich für tot erklärt Inder wacht kurz vor seiner Obduktion auf

In einem indischen Krankenhaus ist ein Obdachloser für tot erklärt worden - und dann auf dem Obduktionstisch wieder zu sich gekommen.

Obdachloser: Hunderte Millionen Inder haben weniger als zwei Dollar am Tag
AP/dpa

Obdachloser: Hunderte Millionen Inder haben weniger als zwei Dollar am Tag


Im indischen Mumbai ist es zu einer haarsträubenden Fehldiagnose gekommen: Forensiker des Lokmanya-Tilak-Krankenhauses wollten gerade mit der Autopsie eines Toten beginnen, da regte sich etwas auf dem Seziertisch. "Gerade, als die Leiche obduziert werden sollte, wachte der Mann auf und stiftete einiges Chaos", berichtete der Vizepolizeichef von Mumbai, Ashok Dudhe.

Bei dem scheintoten Patienten soll es sich um einen 50-jährigen Mann handeln. Polizeibeamte hätten den Obdachlosen auf einer Straße von Mumbai gefunden und dessen Tod von einem Arzt bescheinigen lassen, sagte der Polizeichef. Dann sei der Mann zur Obduktion ins Krankenhaus gebracht worden.

Krankenhausleiter Suleman Merchant berichtete, der 50-Jährige sei bewusstlos in der Nähe einer Bushaltestelle gefunden worden. Der Alkoholkranke habe sich in stark vernachlässigtem Zustand befunden, auf seinem Gesicht und in den Ohren seien Maden gefunden worden. "Maden essen menschliches Gewebe", zitiert die britische BBC den Arzt. "In der Regel haben Leichen Maden. Er muss mindestens sechs oder sieben Tage dort gelegen haben." Merchant zufolge habe der Patient weder Puls noch Herzschlag gehabt. Auch seien die Pupillen starr und geweitet gewesen, was typisch für Tote sei.

Polizei und Krankenhaus machten sich gegenseitig für den fast tödlichen Irrtum verantwortlich. Suleman Merchant berichtete, die Polizisten seien wegen eines anstehenden Besuchs von Regierungschef Narendra Modi in Eile gewesen und hätten deshalb die Ärzte gedrängt, den Bewusstlosen noch auf der Straße zu untersuchen. "Hätten wir ihn im Krankenhaus untersuchen können, wäre uns das nicht passiert", sagte Merchant. Dudhe warf dem Hospital daraufhin vor, seine eigene Nachlässigkeit verschleiern zu wollen.

Laut dem Krankenhausleiter wird der Obdachlose nun wegen starker Unterernährung, Alkoholismus und Drogenmissbrauchs behandelt. Er sei derzeit noch im Delirium, man unternehme aber alles, um ihn zu stabilisieren.

ala/dpa



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