Trauerfeier für Opfer des Zugunglücks "Spanien und Galicien tragen euch im Herzen"

Kerzen, Glockenläuten, Umarmungen: Mit einer bewegenden Trauerfeier haben Hunderte Menschen der Opfer des Zugunglücks von Spanien gedacht. "Es war ein harter Schlag, wir haben alle gelitten", sagte der Erzbischof.

Getty Images

Santiago de Compostela - Zum Zeichen der Trauer läuteten die Glocken schon lange, bevor die Trauerfeier in der Kathedrale des Wallfahrtsorts Santiago de Compostela begonnen hatte. Dort haben Hunderte Menschen am Montagabend der Opfer des schweren Zugunglücks in Spanien gedacht. Unter den Gästen waren auch Regierungschef Mariano Rajoy und Kronprinz Felipe mit seiner Frau Letizia.

In bewegenden Worten sprach Erzbischof Julián Barrio den Hinterbliebenen Trost zu: "Familien, die ihr eure Liebsten verloren habt, wir haben euch vom ersten Augenblick an in unsere Herzen geschlossen", sagte der Geistliche. "Spanien und Galicien tragen euch im Herzen." Der von Chorgesang begleitete Gottesdienst wurde auf eine Großleinwand auf einem nahen Platz übertragen, wo zahlreiche Menschen ihn verfolgten.

"Es war ein harter Schlag, wir haben alle gelitten", sagte Barrio. Viele hatten den Tag über an der Kathedrale Trauerbotschaften niedergelegt und Kerzen angezündet. Noch immer befinden sich 22 Menschen in kritischem Zustand. Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Toten auf mehr als 79 steigen könnte.

Fahrtenschreiber soll analysiert werden

Der Lokführer Francisco José Garzón Amo soll wegen fahrlässiger Tötung in 79 Fällen vor Gericht gestellt werden. Er wurde nach einer Vernehmung am Sonntagabend unter Auflagen freigelassen, wie die Justiz mitteilte. Gegen den 52-Jährigen sei ein formelles Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung sowie weiterer Vergehen, die zu "Verletzungen" geführt hätten, eingeleitet worden, teilte das Regionalgericht von Galicien mit.

Der Lokführer muss sich nun wöchentlich bei Gericht melden, darf das Land sechs Monate lang nicht verlassen und musste für die Dauer seine Fahrerlaubnis für Züge abgeben. Zu der Anhörung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, war Garzón Amo in Handschellen erschienen. Presseberichten zufolge räumte er dabei ein, zum Zeitpunkt des Unfalls abgelenkt gewesen zu sein.

Die Ermittler vermuten, dass der Lokführer, der bei dem Unfall leicht verletzt wurde, für die deutlich zu hohe Geschwindigkeit des Zuges verantwortlich war. Der Schnellzug soll statt der erlaubten 80 rund 190 Stundenkilometer gefahren sein, als er am Mittwochabend in einer Kurve nahe Santiago de Compostela entgleiste. Vor seiner Einlieferung ins Krankenhaus sagte der Lokführer nach Angaben eines Helfers, dass er den Zug nicht rechtzeitig habe bremsen können, weil er zu schnell gewesen sei.

Wie Medien unter Berufung auf Behörden berichteten, soll der Fahrtenschreiber des Zuges am Dienstag von einem Experten analysiert werden. Außerdem begann die Polizei damit, Überlebende zu befragen. Vorwürfe von Gewerkschaften, Medien und Kollegen des Lokführers, die Sicherheitssysteme an der engen Unglückskurve seien unzureichend, wies Verkehrsministerin Ana Pastor zurück. Das System erfülle alle spanischen und europäischen Vorschriften, sagte sie.

vks/AFP/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.