Trennung im Hause Oettinger Ende einer "ergebnisoffenen Ehe"

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger hat heute das Ende seiner Ehe mit Gattin Inken verkündet. Ein schwerer Schlag für das beschauliche Bundesland, in dem Stetigkeit noch eine Kardinaltugend ist .


Hamburg - Die Oettingers waren ein siegreiches Polit-Doppel - doch in Stuttgart wurde schon länger über eine Ehekrise gemunkelt. Der Umgang des Ministerpräsidenten und seiner Frau miteinander war zuletzt merklich unterkühlt. Von einer aus seiner Sicht "ergebnisoffenen Ehe" soll der Ministerpräsident noch kurz vor Bekanntgabe der Trennung im vertrauten Gespräch geredet haben.

Schon bei der traditionellen Stallwächterparty der Baden-Württemberger in Berlin war die First-Lady Beobachtern zufolge scheinbar lustlos hinter Oettinger und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hergetrottet. Vergangene Woche dann hatte die 41-Jährige darauf verzichtet, beim Berliner Adventskaffee mit 170 Gästen dabei zu sein. Nach diesem Faux-Pas musste sie sich sogleich kritische Vergleiche mit ehemaligen Premiers-Gattinnen wie Ursula Späth und Edeltraud Teufel anhören.

Aus dem politischen Tagesgeschäft ihres Gatten hatte sich die Inken Oettinger in der Vergangenheit eher herausgehalten: "Morgens beim Kaffee bereden wir mehr die alltäglichen Fragen und halten Familienrat", sagte sie im vergangenen Jahr der "Bunten", und betonte: "Ich bin in erster Linie Mutter meines Sohnes." Sie legt jedoch großen Wert auf ihr Engagement für die Landesarbeitsgemeinschaft Hilfe für Behinderte Baden-Württemberg.

Harmonisch kam die Ehe der Oettingers in den Homestorys der Boulevardmedien daher. Heute bezeichnet der Ministerpräsident die Beziehung mit der Modedesignerin als "wankelmütig". Er sagte der "Bild"-Zeitung: "Nach eingehender Prüfung haben wir uns heute im Einvernehmen dazu entschieden, getrennte Wege in Freundschaft zu gehen." Die Verantwortung für ihren gemeinsamen Sohn Alexander wollten er und seine Frau gemeinsam wahrnehmen.

Szenen einer "ergebnisoffenen Ehe"

"Es war durchaus zu spüren, dass die angespannte Situation in der letzten Zeit dem Ministerpräsident zugesetzt hat - er ist ja schließlich auch nur ein Mensch", berichtet der Chefreporter der "Stuttgarter Zeitung", Josef-Otto Freudenreich. Oettinger habe, so weit es ihm möglich war, um den Erhalt seiner Familie gekämpft - schon allein, weil ihm der neunjährige Sohn am Herzen liege, sagte der Reporter SPIEGEL ONLINE.

Oettinger selbst betonte in der "Bild"-Zeitung: "Meine Frau war zunehmend unglücklich mit der Belastung, die durch Termine und Öffentlichkeit entstanden ist." Das sah Gattin Inken ähnlich: "Uns fehlt schlicht die Zeit", hatte sie einmal bekannt. In der Tat scheint Oettingers Privatleben stark von den Regierungsgeschäften bestimmt zu sein - und umgekehrt. Der Fraktionschef der Grünen in Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, hat ihm vorgehalten, auf jedes "Heggebeerlesfeschdle" zu gehen, und dabei das Regieren zu vernachlässigen. Oettinger ist dafür bekannt, mit der Dienstkarosse von Termin zu Termin zu hetzen - und trotzdem häufig zu spät zu kommen.

Der Ministerpräsident betonte in der "Bild", er habe sich dennoch in den letzten Monaten viel Zeit für Gespräche genommen. "Wir haben die Bitte, dass die Öffentlichkeit unsere Privatsphäre akzeptiert", sagte der Ministerpräsident.

Das Paar kennt sich "Bild" zufolge seit 24 Jahren. Beide lernten sich in den achtziger Jahren auf einem Faschingsball der Jungen Union in Stuttgart kennen. 1998 wurde Sohn Alexander geboren. Oettinger ist der erste Regierungschef in der Geschichte Baden-Württembergs, der sich während der Amtszeit von seiner Frau trennt.

"Hier wird keiner Igitt rufen"

Ob das Wahlvolk Oettingers Trennung ähnlich unproblematisch findet, wie zuletzt im Fall des niedersächsischen Regierungschefs Christian Wulff, ist noch nicht sicher. Im traditionell christlich geprägten Südwesten dürfte die Trennung auf Skepsis stoßen. "Baden-Württemberg ist nicht Niedersachsen", unkt ein höherer Politiker der Südwest-CDU. Zudem war Oettinger erst im April harsch kritisiert worden für seine Trauerrede für Ex-Regierungschef Hans Filbinger (CDU).

Natürlich müsse man Oettinger immer auch vor dem "Kontrast-Programm" seines streng katholischen und teilweise geradezu verklemmten Amtsvorgängers Erwin Teufel wahrnehmen, erklärt Reporter Freudenreich. Dennoch werde jetzt kein hysterischer Aufschrei durchs Land gehen: "Hier wird keiner Igitt rufen - so aufgeklärt sind wir dann doch in Baden-Württemberg", so der Journalist.

ala/dpa/DDP



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.