Gewalt gegen Frauen Studentin in Istanbul wegen kurzer Hose geschlagen

In Istanbul hat ein Mann einer Studentin ins Gesicht geschlagen, weil sie kurze Hosen getragen hat. Dieser erneute Fall von Gewalt gegen Frauen sorgt für Wut in der Türkei.

Busstation in Istanbul
imago/ Lars Berg

Busstation in Istanbul


Weil sie während des Fastenmonates Ramadan kurze Hosen trug, hat ein Mann einer 21-jährigen Frau während einer Busfahrt in Istanbul ins Gesicht geschlagen. "Schämst du dich nicht, dich während des Ramadan so anzuziehen", soll er gefragt haben, bevor er die junge Frau schlug, berichtet "Hürriyet Daily News". Der Angreifer versuchte zu fliehen, konnte aber festgenommen werden. Nach einer Befragung wurde er jedoch wieder freigelassen.

Berichten türkischer Medien zufolge gab der Mann an, sich von der Kleidung der Frau provoziert gefühlt zu haben. Dass der Angreifer wieder freigelassen wurde, sorgte für Kritik von Frauenrechtlern. Seine Freilassung sei eine Gefahr für alle Frauen, twitterte die Plattform gegen Gewalt an Frauen. "Wir werden in der Öffentlichkeit anziehen, was immer wir wollen. Wir werden unsere Freiheiten nicht aufgeben."

Ein Überwachungsvideo aus dem Bus zeigt, wie der Mann die Studentin beim Aussteigen ins Gesicht schlägt. Sie folgt ihm, wird aber noch im Bus von ihm zu Boden geworfen. Die junge Frau klagt seitdem über Angstzustände. Sie sei nicht mehr in der Lage, ohne ihre Mutter rauszugehen. "Ich wünsche mir eine abschreckende und gerechte Strafe", sagte die 21-Jährige der Zeitung "Hürriyet".

Erst im vergangenen Jahr hatte ein Mann bei einem Vorfall in Istanbul eine Frau getreten, weil sie kurze Hosen trug. Gegen den Täter läuft derzeit ein Gerichtsverfahren, ihm drohen neun Jahre Haft.

Die Gewalt gegen Frauen ist unter der Regierung Erdogan gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden in der Türkei 397 Frauen ermordet, in diesem Jahr sind es bereits 173. Frauenorganisationen wie "Yeryüzü Kadinlar" (Deutsch: Frauen der Welt) kritisieren die wachsende Gewalt gegen Frauen und engagieren sich dagegen. "Yeryüzü Kadinlar" veranstaltet Demonstrationen, bietet Workshops für Frauen zur Selbstverteidigung oder zum Reden vor Publikum an.

asz/afp

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