Umfrage Jeder zweite Deutsche will Sterbehilfe gegen Geld erlauben

Niemand soll den Todeswunsch eines Menschen zu Geld machen. Deshalb will das Justizministerium kommerzielle Sterbehilfe in Deutschland unter Strafe stellen. Das sieht nicht jeder so kritisch: Fast jeder zweite Bürger will einer Umfrage zufolge gewerbliche Sterbehilfe erlauben.
Ein Pfleger hält die Hand einer alten Frau: "Niemand soll unter Schmerzen sterben müssen"

Ein Pfleger hält die Hand einer alten Frau: "Niemand soll unter Schmerzen sterben müssen"

Foto: Oliver Berg/ picture-alliance/ dpa

Berlin - Bereits 2009 hat die Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag  beschlossen, dass sie "die gewerbsmäßige Vermittlung von Gelegenheiten zur Selbsttötung" unter Strafe stellen will. Das hat das Justizministerium nun in einen Gesetzentwurf geschrieben. Darin steht, dass die gewerbsmäßige Förderung von Selbsttötung mit bis zu drei Jahren Haft oder Geldstrafe sanktioniert werden soll.

Weil darüber in der Koalition nicht gestritten wird, ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage umso überraschender: 49 Prozent der Bundesbürger befürworten die Legalisierung der gewerblichen Sterbehilfe, 41 Prozent lehnen sie ab. Das Meinungsforschungsinstitut Emnid befragte im Auftrag der "Bild am Sonntag" 501 Personen.

Ein weiterer Punkt in dem Gesetzentwurf ist viel umstrittener: Ärzte und Pfleger sollen unter Umständen straffrei bleiben, wenn sie Beihilfe zum Suizid leisten. Bedingung ist, dass das medizinische Personal den Betroffenen nahesteht. Solch eine Hilfestellung wollen laut der Umfrage 47 Prozent der Deutschen den Ärzten und Pflegern erlauben, 45 Prozent wollen dies nicht.

Die Union lehnt den Entwurf aus dem FDP-geführten Ministerium wegen ebendieser Präzisierung ab. Sie öffne dem Missbrauch Tür und Tor, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn. "Niemand in Deutschland soll unter Schmerzen sterben müssen", sagte er der "Bild am Sonntag". "Darum sollen und wollen sich Ärzte kümmern und nicht um die Hilfe zum Tod." Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger solle die missverständlichen Passagen im Entwurf schnellstens klarstellen.

Auch die Deutsche Bischofskonferenz hatte den Entwurf wiederholt kritisiert. Der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe, Karl Jüsten, sagte: "Die Unterscheidung in kommerzielle und nicht kommerzielle Suizidhilfe im Gesetzesentwurf ist irreführend. Sie wird den in Deutschland existierenden Sterbehilfeorganisationen Aufwind geben und einen neuen Markt für die Dienstleistung Tod befördern." Das Kommissariat wird im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz gegenüber dem Bund in politischen Fragen tätig.

son
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