Katholische Kirche Keine spontane Austrittswelle nach Bischofsskandal

In Hessen häufen sich die Kirchenaustritte wegen des Skandals um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst. Doch in anderen katholischen Hochburgen wie Köln und München ist dieser Trend zumindest momentan nicht feststellbar, wie Anfragen bei Standesämtern und Amtsgerichten ergaben.

Die Reihen lichten sich: Im Limburger Dom bleibt wohl manche Kirchenbank leer
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Die Reihen lichten sich: Im Limburger Dom bleibt wohl manche Kirchenbank leer

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Der Limburger Bischof Franz-Peter Tebarzt-van Elst bringt Gläubige im ganzen Land dazu, ihre Zugehörigkeit zur katholischen Kirche in Frage zu stellen. Die Antworten, die sie sich geben, sind offensichtlich regional bedingt: Während in Limburg selbst und in Frankfurt am Main und Wiesbaden viele zum Amtsgericht gehen und ihre Mitgliedschaft kündigen, halten die Katholiken in weiter entfernten katholischen Hochburgen wie Köln, München und Trier zu ihrer Kirche.

SPIEGEL ONLINE hat sich an Amtsgerichten und Standesämtern im ganzen Land umgehört.

In Frankfurt am Main hat der Bischof die Kirchensteuer womöglich als Austrittsgrund abgelöst. Die Gläubigen kamen vor allem am vergangenen Freitag und am Montag, um ihre Zugehörigkeit zur Kirche zu quittieren. Am Freitag waren es gleich 31 Gläubige, 23 davon Katholiken. Am Montag habe sich der Anstieg fortgesetzt, so ein Sprecher des Amtsgerichtes. Normalerweise treten in Frankfurt 10 bis 15 Leute am Tag aus.

Auch in Wiesbaden beschäftigt der Skandalbischof das Amtsgericht: "Allein am Montag gab es 25 Austritte nur aus der katholischen Kirche", sagte eine Sprecherin des Amtsgerichts, normal seien zwei bis drei pro Tag. Während 2012 rund 1200 Menschen aus der katholischen und evangelischen Kirche ausgetreten seien, liege die Zahl für dieses Jahr schon jetzt bei 1240.

Gerade in den katholischen Hochburgen aber bleibt ein Anstieg der Austrittszahl aus. Eine Sprecherin des Kölner Amtsgerichts mutmaßt mit Blick auf das womögliche entscheidende Treffen zwischen Papst Franziskus und dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch: "De Kölner guckt wat de Papst säht." Es gebe zwar keine aktuellen Zahlen zu vergangenem Freitag und Montag, aber generell sei derzeit keine Austrittswelle in Köln feststellbar, lautet die knappe Mitteilung.

In Berlin sieht es ähnlich aus: "Wir haben keine Kenntnisse von einer Austrittswelle", sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Justiz. Die Zahlen der Kirchenaustritte seien schon im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal rückläufig gewesen, der Trend scheine sich fortzusetzen.

Im Standesamt in Regensburg spricht auch der Leiter Wilhelm Weinmann nicht von einem sprunghaften Ansteig. Am vergangenen Freitag traten neun Menschen aus ihrer Kirche aus, davon gehörten sieben der katholischen Kirche an. Am Montag habe es zehn Austritte gegeben, von denen die Hälfte die katholische Kirche betraf. Normalerweise treten laut Weinmann pro Tag drei bis fünf Menschen aus der Kirche aus. "Ich glaube, die große Austrittswelle kommt erst noch."

Von Schlangen, wie sie sich vor dem Amtsgericht Limburg bildeten war auch in München nichts zu sehen. "Bei uns regt sich überhaupt nichts", sagte eine Sprecherin des Kreisverwaltungsreferats. Im Gegenteil, im Oktober seien in diesem Jahr weniger Menschen aus der Kirche ausgetreten, als im vergangenen Jahr. In den ersten beiden Oktoberwochen 2012 verzeichneten die Beamten 295 Austritte aus der evangelischen und katholischen Kirche, im gleichen Zeitraum in diesem Jahr nur 258. "Der Skandal um den Limburger Bischof spielt bei uns keine Rolle." Dieses Jahr werde man wahrscheinlich insgesamt auch weniger Austritte registrieren als im vergangenen Jahr: 2012 traten in München rund 8000 Gläubige aus der Kirche aus, bislang sind es dieses Jahr 7300.

Auch die Trierer Katholiken bleiben vom Wirbel in Limburg unbeeindruckt. "Wir haben keine merklichen Auffälligkeiten in Bezug auf den Limburger Bischof feststellen können", heißt es bei der Stadt. Seit Freitag habe es acht Kirchenaustritte gegeben, aber das sei der Normalfall. Bis heute habe es in diesem Jahr 400 Austritte aus der Kirche gegeben, das sei eine leichte Steigerung im Vergleich zu 2012.

In Aachen ist die Lage ähnlich: "Wir haben nichts bemerkt", heißt es aus dem Amtsgericht. Normalerweise wäre gerade ein Brückentag wie der vergangene Freitag eine beliebte Gelegenheit, am Gericht seine Mitgliedschaft zu kündigen. Selbst das sei aber in diesem Jahr ausgeblieben. Treten pro Woche in Aachen rund 30 bis 50 Gläubige aus der Kirche aus, seien es in den ersten beiden Oktoberwochen weniger als 80 gewesen. "Alles wie immer also", heißt es.

Im Bistum Limburg haben nach Informationen des SPIEGEL seit dem Amtsantritt des umstrittenen Bischofs Tebartz-van Elst rund 25.000 Katholiken die Kirche verlassen. Er ist seit Anfang 2008 im Amt. So war im Jahr 2012 die Zahl der Austritte beim Amtsgericht Limburg mehr als doppelt so hoch wie 2004, als Tebartz-van Elst noch nicht im Amt war. Die katholische Kirche in ganz Deutschland verliert Mitglieder. Nach einer Kirchenstatistik der katholischen Bischofskonferenz treten jährlich Zehntausende Menschen aus der Kirche aus, im Jahr 2012 waren es 118.288 - nach gut 126.000 im Jahr 2011 und 180.000 im Zuge des Missbrauchsskandals 2010. Insgesamt sind 30,3 Prozent aller Deutschen Katholiken.

Anm. d. Red: In einer früheren Version des Beitrags hieß es unter Bezugnahme auf das Bistum Limburg missverständlich, dass die Zahl der Austritte 2012 mehr als doppelt so hoch wie 2004 gewesen seien. Tatsächlich waren aber nur die Austritte beim Amtsgericht Limburg gemeint. Wie bitten den Fehler zu entschuldigen.

kbl

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Seite 1
albus_severus 15.10.2013
1. Wer ...
... soll denn noch austreten? Sind doch eh schon alle weg.
stefan_sts 15.10.2013
2. Wer heute noch ein Kirchenmitglied ist ,
den kann offensichtlich nichts mehr erschüttern , möchte gar nicht die ganzen unappetitlichen Dinge aufzählen , daher braucht niemand von denen Angst vor der ausbleibenden Kirchensteuer zu haben und solange der Staat noch einen Großteil der Gehälter zahlt , ist alles bestens .
Steuerzahler0815 15.10.2013
3.
Zitat von Steuerzahler0815Exakt Wenn die Medien mit ihrer sinnlosen Hetze weitermachen wird die katholische Kirche beschädigt und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit bis es Islamische Republik Deutschland heißt. Die katholische Kirche ist ein Garant für Wachstum und Fortschritt und der hauptsächliche Grund warum die westliche Welt viel erfolgreicher als Asien + Afrika ist. Ich finde es unverantwortlich wenn dies wegen ein paar Klickzahlen riskiert wird
Traurig aber es scheint als hätte die Gier nach ein paar Klickzahlen den Schaden angerichtet
rolarndt 15.10.2013
4.
Den Kirchen laufen doch schon seit Jahren die Mitglieder weg. Gäbe es die Zwangsrekrutierung per Kinder-Taufe nicht, dann wäre diese Vereine längst Mitgliederfrei.
nachseehin 15.10.2013
5. Komisch, keine Austrittswelle...
Vielleicht war es doch ein Einzelfall, trotz des Baubooms bei Bischofssitzen derzeit.
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