Umstrittene Aufklärung Aids-Hilfe fordert Stopp der Hitler-Kampagne

Es sind die Folgen einer gezielten Provokation: Die Deutsche Aids-Hilfe hat den sofortigen Stopp der Kampagne "Aids ist ein Massenmörder" gefordert, in der ein Adolf-Hitler-Darsteller beim Sex gezeigt wird. Das Video setze auf "dumpfe Angst", hieß es.

Regenbogen e.V. / das comitee

Berlin - Die AIDS-Hilfe prüft inzwischen rechtliche Schritte gegen den verantwortlichen Verein Regenbogen. Dieser "widerliche Spot" mit einem Hitler-Imitator verhöhne alle Opfer des Nationalsozialismus und setze HIV-positive Menschen mit Massenmördern gleich, sagte Vorstandsmitglied Carsten Schatz in Berlin. Die Kampagne schade der HIV-Prävention, da sie keine Botschaft habe.

Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) verurteilte die Kampagne scharf. Diese sei "geschmacklos und kontraproduktiv", sagte BZgA-Sprecherin Marita Völker-Albert. Seriöse Prävention arbeite nicht mit Schockeffekten, sondern ziele auf eine langfristig stabile Verhaltensänderung. Dass Deutschland im Vergleich mit den westeuropäischen Staaten die niedrigste Rate an HIV-Neudiagnosen habe, zeige, dass die Prävention hierzulande auf dem richtigen Weg sei.

Die von der Agentur "das comitee" entworfene Kampagne soll nach Angaben ihrer Macher aufrütteln und das Thema Aids in den Mittelpunkt rücken. Neben dem Video mit Hitler beinhaltet die Kampagne unter anderem auch Plakatmotive, die Hitler, Josef Stalin und Saddam Hussein beim Sex zeigen. Der Spot soll auch im Fernsehen und im Kino gezeigt werden.

jdl/AFP



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Despair, 07.09.2009
1. Diskussion
Natürlich ist es heftig derartige "Personen" für eine solche Kampagne zu verwenden und es ist auch klar, dass es entsprechend heftige Reaktionen hervorruft. Aber, anders als bei provozierenden kommerziellen Kampagnen dient dies hier der berechtigten Mahnung vor etwas, was phasenweise wieder aus dem öffentlichen Gedächtnis zu verschwinden scheint. Wenn man sich Umfragen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen anschaut, kann man nur entsetzt sein, wie wenig diese tatsächlich über diese Krankheit und die Folgen wissen. Und um eine breite Masse (gerade bei den Wandlungen des Medienkonsums in den letzten Jahren) zu erreichen sind nun einmal Schockeffekte hilfreich wenn ich sogar notwendig. Nicht umsonst wird in anderen Ländern z. B. gerade auch mit Unfallschickvideos auf die Gefahr von SMS am Steuer aufmerksam gemacht. Und alleine, dass kontrovers darüber diskutiert wird ist schon gut und ein erfolg - denn das bedeutet erhöhte Medienaufmerksamkeit für ein sehr wichtiges Thema. Was die Gegenargumente angeht, so werden natürlich diejenigen die unter Hitler und den anderen gelitten haben sich unter Umständen durch diese Kampagne angegriffen fühlen - wobei, und das finde ich wichtig, sie wirklich nur sinnbildlich und sehr unpolitisch verwendet werden. Es geht hier nicht um eine Herabstufung des Holocaust oder den Greultaten Stalins, usw. (die Poster zeigen ja neben Hitler auch andere Tyrannen), sondern darum, auf eine Art zu zeigen, dass AIDS gefährlich ist, die jedem "unmittelbar" klar wird. Und da ist das Antlitz derartiger Massenmörder sicherlich von der Wirkung genauso mahnend, wie eine Teufelsfratze im Mittelalter gewirkt haben mag (die aber keinen Jugendlichen heute mehr mahnen würde). An der Grenze, aber nachvollziehbar und hoffentlich effektiv - so meine Meinung.
viribus, 07.09.2009
2. Ziel der Kampagne?
Zitat von sysopDer Verein Regenbogen kämpft für die Aids-Prävention. In seinem aktuellen Spot "Aids ist ein Massenmörder" entpuppt sich der männliche Part beim Liebesspiel als Adolf Hitler. Die kalkulierte Provokation stößt auf heftige Kritik. Wie weit darf Werbung für einen guten Zweck gehen?
Nun, wenn Werbung zielführend ist, kann sie ruhig auch sehr drastisch ausfallen. Mich stört einfach ungemein, dass bei heutigen AIDS-Kampagnen m.E. zwei wichtige Themen ausgeklammert werden. 1. viele junge Menschen glauben mittlerweile AIDS/HIV sei "heilbar", sprich wie jede andere Krankheit mit der richtigen Medikation ohne weiteres zu behandeln 2. viele junge Männer, gerade auch aus anderenen Kulturkreisen, sind der festen Überzeugung, ein Kondom beschneide ihre Männlichkeit "mit Gummi ist man(n) weniger Mann" Die angesprochene Kampagne halte ich für grösstenteils recht billiges Schocktheater, nicht sonderlich kreativ. Leider verhalten sich nun auch schon gemeinnützige Vereine wie normale privatwirtschaftliche Unternehmen bei ihrer Werbung: mehr Sex, mehr Gewalt und mehr Skandal = gleich mehr Umsatz- / Spendengelder. Bei Firmen verständlich, ansonsten fragwürdig.
billy pilgrim 07.09.2009
3. geht so
nur ein paar Gedanken: 1) der medialen Reizüberflutung durch Verstärkung der Reize zu begegnen ist eine gewagte Methode. Sich dadurch bestätigt zu fühlen, daß auf Youtube die Klickzahlen hoch sind, ist äußerst naiv! Youtube gehört Selbstdarstellern und urban legends. 2) die Krankheit wird mit Massenmördern gleichgesetzt, also personifiziert und dämonisiert. Das reduziert entweder die Verbrechen der Mörder oder aber es banalisiert die Krankheit und stigmatisiert die Erkrankten. Schlimmstenfall beides. 3) eigentlich was mir als erstes aufgefallen ist: die Werbung ist unglaublich sexistisch! Es werden nur nackte Frauen, Titten und Ärsche in Szene gesetzt. Zudem suggeriert es, daß die Mehrzahl der "Opfer" Frauen sind, was, glaube ich, etwas an der Realität vorbei geht. just food for thought...
Marie Laveau 07.09.2009
4. Mops
Dass sich ausgerechnet die Briten und Amerikaner mopsen, wenn Hitler zu Relkamezwecken verwendet wird, hat schon was komisches. Die nehmen doch jede Gelegenheit wahr, Hitler ins Fernsehen zu bringen. Wir sollten von denen dafür GEMA-Gebühren verlangen.
billy pilgrim 07.09.2009
5.
Zitat von Marie LaveauDass sich ausgerechnet die Briten und Amerikaner mopsen, wenn Hitler zu Relkamezwecken verwendet wird, hat schon was komisches. Die nehmen doch jede Gelegenheit wahr, Hitler ins Fernsehen zu bringen. Wir sollten von denen dafür GEMA-Gebühren verlangen.
geniale Idee! Oder sie schicken gleich die Inglorious Basterds vorbei...
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