Armut, ungleiche Bildungschancen, Gewalt Unicef beklagt große Defizite bei Kinderrechten in Deutschland

Deutschland schützt seine Kinder laut Hilfswerk Unicef bislang unzureichend vor Armut oder Gewalt. Die Politik müsse deren Wohl »endlich in den Mittelpunkt stellen« – und auch Bildungschancen verbessern.
Demonstration für Kinderrechte in Frankfurt am Main

Demonstration für Kinderrechte in Frankfurt am Main

Foto: Boris Roessler / picture alliance / dpa

In Deutschland gibt es nach Ansicht des Uno-Kinderhilfswerks Unicef gravierende Defizite bei der Umsetzung von Kinderrechten. Zwar seien hierzulande seit Inkrafttreten der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen vor 30 Jahren viele Fortschritte erreicht worden, teilte die Organisation mit . »Für zu viele Kinder bleiben aber zahlreiche Kinderrechte weiter außer Reichweite.«

»Schwerwiegend wirken sich insbesondere Kinderarmut, ungleiche Bildungschancen und die Erfahrung von Gewalt auf die Lebenssituation und das Wohlbefinden von Kindern aus«, erklärte Unicef Deutschland. Die Organisation bemängelte auch, dass die Kinderrechte bis heute nicht im Grundgesetz stehen.

Mehr Prävention und Ausbau an Betreuungsangeboten gefordert

Eine entsprechende Initiative war in der vergangenen Legislaturperiode gescheitert; die Ampel-Koalition will einen neuen Anlauf starten. Auch die Einführung einer Kindergrundsicherung, wie sie Unicef ebenfalls verlangt, ist im Koalitionsvertrag vorgesehen.

Unicef forderte zudem, »umfassendere Daten zur Situation von Kindern« zu erheben und »zusätzliche Kinderbeauftragte sowie Beschwerdestellen für Kinder« einzurichten. Dies sei nötig, um »die Perspektive von Kindern und Jugendlichen in Politik und Verwaltung zu verankern«. Hierfür fehlten bislang die Strukturen.

Zu den weiteren Forderungen der Organisation gehören der Ausbau des Angebots an Ganztagsbetreuung für Kinder sowie »nachhaltige Aufklärungskampagnen und gezielte Prävention« gegen Gewalt an Kindern. Junge Menschen sollten zudem stärker als Experten und Expertinnen in eigener Sache anerkannt werden.

Die Politik müsse »das Wohl von Kindern endlich in den Mittelpunkt stellen«, erklärte der Vorstandsvorsitzende von Unicef Deutschland, Georg Graf Waldersee. Im Koalitionsvertrag seien »wichtige Ansätze« formuliert – nun müssten diese Vorhaben »schnell und umfassend umgesetzt werden«.

Die Uno-Kinderrechtskonvention war am 5. April 1992 in Deutschland in Kraft getreten. Seit 2010 gilt sie uneingeschränkt, nachdem die damalige Bundesregierung eine Reihe von Vorbehalten zurücknahm. Die Konvention schreibt unter anderem die Rechte von Kindern auf Gesundheit, Bildung, Spiel und gewaltfreie Erziehung fest.

apr/AFP