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20. Dezember 2018, 11:18 Uhr

Antonio Aragón Renuncio ausgezeichnet

Das ist das Unicef-"Foto des Jahres"

Ein kleiner Junge mit Beinprothesen sitzt in einem Zentrum für behinderte Kinder in Togo: Dieses Bild hat der Fotograf Antonio Aragón Renuncio gemacht. Es ist das Unicef-"Foto des Jahres".

Der kleine Junge mit den Beinprothesen hat Glück. Er hat Zuflucht gefunden im "Saint Louis Orione-Zentrum" in Bombouaka, im Norden Togos. Hier leben etwa 70 Jungen und Mädchen mit Behinderung. Sie werden medizinisch versorgt, können spielen - Kind sein.

Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit in einem Land, das im "Human Development Report" der Vereinten Nationen Platz 165 von 189 erfassten Ländern belegt. Der spanische Fotograf Antonio Aragón Renuncio hat das Hilfszentrum immer wieder besucht. Er hielt die Situation des Jungen in einem eindrücklichen Bild fest. Die Aufnahme ist nun als Unicef-"Foto des Jahres" ausgezeichnet worden.

"Kinder haben oft die Kraft, auch in schwierigsten Situationen nach vorne zu schauen, dem Leben weiter zu vertrauen," sagt Elke Büdenbender, Schirmherrin von Unicef Deutschland. "Das Foto des kleinen Jungen mit den Beinprothesen erzählt von der Selbstverständlichkeit und der Hoffnung, mit der er sein Leben lebt - trotz Armut und Diskriminierung. Sein Blick fordert uns regelrecht auf: Helft mit, damit jedes Kind eine faire Chance im Leben bekommt."

Weltweit gibt es laut Unicef rund 93 Millionen Kinder mit mittlerer oder schwerer Behinderung. In Westafrika haben sie es besonders schwer, weil sich über sie abstruse - und gefährliche - Irrglauben halten. Immer wieder werden diese Kinder von ihren Familien verstoßen oder misshandelt.

Behinderungen gelten als Strafe Gottes für Sünden der Eltern, die Kinder werden als "Übernatürliche" oder "Dämonen" angesehen. Wenn Kinder mit infantiler Zerebralparese auf dem Boden liegen und unkontrollierte Zuckungen haben, gelten sie als "Schlangen". Sie werden in Flüssen ertränkt, um die "Schlange zu vertreiben".

Platz zwei in dem Foto-Wettbewerb ging an Turjoy Chowdhury, der aus Bangladesch stammt. Er beschäftigte sich mit dem Schicksal Neugeborener der ethnischen Minderheit der Rohingya. Geboren auf der Flucht, haben sie keine Geburtsurkunde - weder Myanmar noch Bangladesch erkennen sie als Staatsbürger an.

"Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren"

Den dritten Preis gewann ein Foto, das den inzwischen neunjährigen Mohammed zeigt. Er leidet an einer seltenen Autoimmunkrankheit. Mohammed kam im Gazastreifen zur Welt, dort kann er aber nicht behandelt werden. Als er ein Säugling war, mussten seine Eltern ihn in medizinische Obhut nach Israel geben. Wegen einer Infektion verlor er Unterarme und Unterschenkel. Die israelische Fotografin Rina Castelnuovo begleitet seit 2013 Mohammed und seine Familie - die Arbeit zeigt eindrucksvoll eine schwierige Kindheit im Zeichen des Nahostkonflikts.

Zehn weitere Fotografinnen und Fotografen erhielten lobende Erwähnungen, unter anderem für Projekte über ehemalige Kindersklaven, Trostsuche mit Babys aus Vinyl oder die Vertreibung alteingesessener Fischer in Nigeria. (Zu den Fotos aus allen ausgezeichneten Projekten geht es hier.)

Unicef verleiht den Fotopreis seit dem Jahr 2000. Die Auszeichnung geht an professionelle Fotografen, "die die Persönlichkeit und Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren". Teilnehmer an dem Wettbewerb müssen von anderen Fotografen oder Fotografie-Experten nominiert werden. Eine Jury aus Fotojournalisten, Publizisten und Kulturwissenschaftlern kürt die Sieger.

Im vergangenen Jahr hatte der Fotograf Muhammad Muheisen den ersten Platz belegt. Sein Foto zeigte das Mädchen Zahra aus Syrien, das in seinen fünf Lebensjahren nichts anderes als Krieg und Flucht erlebt hatte.

Hier geht es zu den Gewinnerfotos der Jahre 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011 und 2010.

ulz

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