Antonio Aragón Renuncio ausgezeichnet Das ist das Unicef-"Foto des Jahres"

Ein kleiner Junge mit Beinprothesen sitzt in einem Zentrum für behinderte Kinder in Togo: Dieses Bild hat der Fotograf Antonio Aragón Renuncio gemacht. Es ist das Unicef-"Foto des Jahres".

Antonio Aragon Renuncio

Der kleine Junge mit den Beinprothesen hat Glück. Er hat Zuflucht gefunden im "Saint Louis Orione-Zentrum" in Bombouaka, im Norden Togos. Hier leben etwa 70 Jungen und Mädchen mit Behinderung. Sie werden medizinisch versorgt, können spielen - Kind sein.

Das ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit in einem Land, das im "Human Development Report" der Vereinten Nationen Platz 165 von 189 erfassten Ländern belegt. Der spanische Fotograf Antonio Aragón Renuncio hat das Hilfszentrum immer wieder besucht. Er hielt die Situation des Jungen in einem eindrücklichen Bild fest. Die Aufnahme ist nun als Unicef-"Foto des Jahres" ausgezeichnet worden.

"Kinder haben oft die Kraft, auch in schwierigsten Situationen nach vorne zu schauen, dem Leben weiter zu vertrauen," sagt Elke Büdenbender, Schirmherrin von Unicef Deutschland. "Das Foto des kleinen Jungen mit den Beinprothesen erzählt von der Selbstverständlichkeit und der Hoffnung, mit der er sein Leben lebt - trotz Armut und Diskriminierung. Sein Blick fordert uns regelrecht auf: Helft mit, damit jedes Kind eine faire Chance im Leben bekommt."

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Unicef-Fotopreis: Kinder in Not

Weltweit gibt es laut Unicef rund 93 Millionen Kinder mit mittlerer oder schwerer Behinderung. In Westafrika haben sie es besonders schwer, weil sich über sie abstruse - und gefährliche - Irrglauben halten. Immer wieder werden diese Kinder von ihren Familien verstoßen oder misshandelt.

Behinderungen gelten als Strafe Gottes für Sünden der Eltern, die Kinder werden als "Übernatürliche" oder "Dämonen" angesehen. Wenn Kinder mit infantiler Zerebralparese auf dem Boden liegen und unkontrollierte Zuckungen haben, gelten sie als "Schlangen". Sie werden in Flüssen ertränkt, um die "Schlange zu vertreiben".

Platz zwei in dem Foto-Wettbewerb ging an Turjoy Chowdhury, der aus Bangladesch stammt. Er beschäftigte sich mit dem Schicksal Neugeborener der ethnischen Minderheit der Rohingya. Geboren auf der Flucht, haben sie keine Geburtsurkunde - weder Myanmar noch Bangladesch erkennen sie als Staatsbürger an.

"Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren"

Den dritten Preis gewann ein Foto, das den inzwischen neunjährigen Mohammed zeigt. Er leidet an einer seltenen Autoimmunkrankheit. Mohammed kam im Gazastreifen zur Welt, dort kann er aber nicht behandelt werden. Als er ein Säugling war, mussten seine Eltern ihn in medizinische Obhut nach Israel geben. Wegen einer Infektion verlor er Unterarme und Unterschenkel. Die israelische Fotografin Rina Castelnuovo begleitet seit 2013 Mohammed und seine Familie - die Arbeit zeigt eindrucksvoll eine schwierige Kindheit im Zeichen des Nahostkonflikts.

Zehn weitere Fotografinnen und Fotografen erhielten lobende Erwähnungen, unter anderem für Projekte über ehemalige Kindersklaven, Trostsuche mit Babys aus Vinyl oder die Vertreibung alteingesessener Fischer in Nigeria. (Zu den Fotos aus allen ausgezeichneten Projekten geht es hier.)

Unicef verleiht den Fotopreis seit dem Jahr 2000. Die Auszeichnung geht an professionelle Fotografen, "die die Persönlichkeit und Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren". Teilnehmer an dem Wettbewerb müssen von anderen Fotografen oder Fotografie-Experten nominiert werden. Eine Jury aus Fotojournalisten, Publizisten und Kulturwissenschaftlern kürt die Sieger.

Im vergangenen Jahr hatte der Fotograf Muhammad Muheisen den ersten Platz belegt. Sein Foto zeigte das Mädchen Zahra aus Syrien, das in seinen fünf Lebensjahren nichts anderes als Krieg und Flucht erlebt hatte.

Hier geht es zu den Gewinnerfotos der Jahre 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011 und 2010.

ulz



insgesamt 6 Beiträge
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Papazaca 20.12.2018
1. Arme Kinder
Diese Fotos können nur traurig machen. Ob Kriege, Armut oder Krankheiten, diese Kinder hatten nie das Glück, zum Beispiel bei uns zu leben. Wir sollten nicht nur betroffen sein, sondern helfen. Über entsprechende Organisationen oder vor Ort (wie für mich möglich). Zivilisatorische Fragen, ob ein neues i phone, teure Fressalien oder was auch immer wirken bei soviel geballtem Unglück wie ein Sündenfall.
Br.Ko. 20.12.2018
2. Berührend und beeindruckend - und Beinschienen
Das sind beeindruckende und berührende Bilder. Allerdings frage ich mich bei dem Jungen auf dem Siegerfoto, ob er nicht Beinschienen trägt, d.h. er hat seine Beine noch, aber diese müssen gestützt werden.
physiogirl 20.12.2018
3.
Also das was auf dem Bild zu sehen sind , sind Orthesen. So wie sie üblich sind . Bei uns sind sie etwas schicker aber was zu sehen ist ist sicherlich funktionell.
Claas Störtebeker 20.12.2018
4. Geshopped und kein Original/RAW
Als Hobbyfotograf gehen für mich das Wählen eines Ausschnitts und eine Korrektur von Licht/Schatten/Farbe in Ordnung. Das Weichspülen der rechten Bildseite, um die Aufmerksamkeit auf das Zentrum zu legen ist nicht Okay - schon gar nicht für einen Profi. Wenn es um ein "Photo des Jahres" geht, dann sollte Photoshop Tabu sein!
Papazaca 20.12.2018
5. Wissen viel, verstehen nix!
Zitat von Claas StörtebekerAls Hobbyfotograf gehen für mich das Wählen eines Ausschnitts und eine Korrektur von Licht/Schatten/Farbe in Ordnung. Das Weichspülen der rechten Bildseite, um die Aufmerksamkeit auf das Zentrum zu legen ist nicht Okay - schon gar nicht für einen Profi. Wenn es um ein "Photo des Jahres" geht, dann sollte Photoshop Tabu sein!
Das kann ja alles sein. Aber es geht hier um das Unglück von Kindern. Vielleicht verstehen Sie ja einiges, Photoshop etc. Verstanden haben Sie NIX!
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