Unicef-"Foto des Jahres" Das Grauen im Blick

Zahra ist fünf, ihr kurzes Leben ist geprägt von Krieg und Flucht. Der Fotograf Muhammad Muheisen hat das syrische Mädchen fotografiert - das Bild ist das Unicef-"Foto des Jahres".

Muhammed Muheisen

Das Mädchen blickt in die Kamera, der Mund ist geschlossen, die Augen sind gerötet, die Haare vom Wind zerzaust. Es ist der Blick eines Kindes, das nichts anderes kennt als Krieg in seiner Heimat Syrien und Flucht vor dem Konflikt. Die Fünfjährige heißt Zahra, sie wächst in Notunterkünften und Flüchtlingslagern auf. Der Blick des Mädchens lässt erahnen, was es durchgemacht hat.

Zahras Foto ist Gewinner beim diesjährigen Unicef-Wettbewerb "Foto des Jahres". Gemacht hat es der Fotograf Muhammad Muheisen. "Man muss dieses Gesicht immer wieder anschauen", sagte Unicef-Schirmherrin Elke Büdenbender, Ehefrau von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. "Es steht für das Schicksal von Millionen Kindern." Dem Kinderhilfswerk zufolge traf Muheisen Zahra in einem Flüchtlingslager in Jordanien. 2015 war die Familie des Mädchens - Eltern und sieben Geschwister - dorthin geflohen.

Der Wettbewerb will mit Fotos auf das Leid von Millionen Kindern in der Welt aufmerksam machen - Kindern wie auf dem Bild von Fotojournalist K.M. Asad, das Platz zwei belegte. Er nahm es am 17. September auf. Es zeigt eine geflüchtete Frau, die ihr Kleinkind auf dem Arm hat, am Strand von Cox's Bazar in Bangladesch. Die Frau gehört zur ethnischen Minderheit der Rohingya, die zu Hunderttausenden vor der Gewalt und Verfolgung in ihrer Heimat Burma fliehen. 320.000 Kinder sind davon betroffen, schätzt Unicef.

Fotostrecke

13  Bilder
Unicef-Fotowettbewerb: Kinder, der Kindheit beraubt

Auch das Bild auf Platz drei beschäftigt sich mit dem Schicksal der Rohingya. Kevin Frayer fotografierte in einem Flüchtlingslager am Golf von Bengalen am 20. September einen Jungen bei der Ankunft von Lebensmitteltransporten. Der Junge weint, streckt dem Personal auf dem Lkw seine Hand entgegen.

Unicef verleiht den Fotopreis seit dem Jahr 2000. Die Auszeichnung geht an professionelle Fotografen, "die die Persönlichkeit und Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren". Teilnehmer an dem Wettbewerb müssen von anderen Fotografen nominiert werden. Eine Jury aus Fotojournalisten und Unicef-Mitarbeitern kürt die Sieger. In diesem Jahr waren 115 Foto-Reportagen eingereicht worden. 2016 hatte der iranische Fotograf Arez Ghaderi den Wettbewerb gewonnen. Sein Bild zeigte ein Nomadenmädchen auf einer Müllkippe.

Hier geht es zu den Gewinner-Fotos der Jahre 2015, 2014, 2013, 2012, 2011 und 2010.

ulz

insgesamt 22 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
TedRuler 21.12.2017
1. Gänsehaut
Ein unglaublich intensives Bild das berührt und bei dem einem ein Schauer über den Rücken läuft, weil man die Angst und das Leid spüren kann.
Ottokar 21.12.2017
2. Dieses Bild treibt mir die Tränen in die Augen
und ich verspüre eine unbändige Wut auf die Politiker die das zu verantworten haben.
cindy2009 21.12.2017
3. Liebe Anhänger
Liebe Anhänger der AfD. Seht Euch dieses Symbol mal ganz genau an.
schüttelkugel 21.12.2017
4. Daneben geschossen?
Wenn man die Geschichten hinter den Bildern nicht kennt (und wer kennt die schon, wenn sie nicht explizit erzählt werden), dann haben einige der hier gezeigten Fotos kaum Aussagekraft. Ein Bild muss aber auch ohne große Erklärung wirken und ausdrücken, was es meint. Das Siegerbild beispielsweise wird so zu einem beliebigen Porträt eines Kindes, in dessen Augen sich nichts als das Blitzlicht des Fotografen spiegelt. Auch das zweite Bild zeigt nicht annähernd, was es zeigen will, sondern ist in seiner Darstellung ja fast schon romantisierend. Manche Jury-Entscheidungen kann ich wirklich nicht teilen.
hdwinkel 21.12.2017
5. Sprachlosigkeit
Wohl niemanden, der eigene Kinder großgezogen hat, lässt es kalt, wenn andere Kinder Not leiden. Aber richtig sprachlos macht die Hoffnungslosigkeit der Situation: - Den syrischen Konfliktparteien ist die eigene Bevölkerung vollkommen egal. Sie werden beschossen und es werden Bomben auf sie geworfen, Flüchtlinge werden als Verräter gebrandmarkt, weil sie nicht mitkämpfen - Die globalen Mächte sind zunehmend empathielos. Amerika zieht sich aus der Finanzierung von UNICEF zurück, Russland als auch die USA lassen keine Flüchtlinge ins Land. Die kleine Zahra könnte ja eine Terroristin sein. - Die Anreiner sind überfordert mit der Größenordnung oder ignorieren, wie alle Golfstaaten, die eigene Verantwortung für die entstandene Situation obwohl grade sie genau das leisten müssten und könnten. - Unsere eigene Regierung lässt sich von einer Partei vor sich hertreiben, die sich selbst als Alternative anpreist und letztendlich sogar schon den Schußwaffeneinsatz gegen Flüchtlinge wie Zahra empfohlen hat, sollten diese an unserer Grenze auftauchen. In manchen Gegenden unserer Republik mit Mehrheitsunterstützung. Mit anderen Worten, viel zu viele Interessenten an allem möglichen, an Macht, Einfluß, Waffenverkäufen usw. aber wenig Unterstützung für das Notwendigste der Not leidenden friedvollen Familien. Nichts neues also.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.