Unicef-Foto des Jahres Der Kindheit beraubt

Ein Mädchen auf einer Müllkippe, auf der Suche nach Brauchbarem - in einem Moment der Unbeschwertheit: Dieses Bild ist das Unicef-Foto des Jahres. Es steht zugleich für das Elend der Kinder wie für ihre Widerstandskraft.

Ariz Ghaderi

Ein Nomadenmädchen steht auf einer iranischen Müllkippe, lächelt, wirkt fast ein wenig entrückt: Die Aufnahme stammt von Arez Ghaderi. Für das Foto hat Unicef, das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, den iranischen Fotografen nun mit dem "Foto des Jahres"-Preis ausgezeichnet.

Ghaderi habe einen Moment des Trotzdem eingefangen, sagte Schauspielerin Jasmin Tabatabai über das Foto. "In unserer Welt voller Katastrophen vermittelt sein Foto die Hoffnung, dass selbst elende Lebensumstände die Fröhlichkeit und spielerische Leichtigkeit von Kindern nicht völlig zerstören können."

Die Familie des Mädchens lebt in einer Zeltstadt; während die Erwachsenen nach Arbeit suchen, durchstöbern Kinder den Müll nach Brauchbarem. Unicef schreibt, Kinder in ähnlichen Situationen verteidigten ihr Lächeln gegen die erdrückende Macht von Armut und Not.

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Unicef-Fotopreis: Kinder in Not

Das zeigt sich auch in anderen Bildern, etwa einer Aufnahme des Fotografen Ali Nouraldin. Er fotografierte Kinder im Flüchtlingslager Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze in einem Moment, als alle Not vergessen zu sein schien: Freiwillige Helfer hatten ein provisorisches Kino aufgebaut. Und für die Dauer des Filmes waren die Kinder wie gebannt - und dem Elend ihres Alltags entflohen.

Den dritten Platz belegte der Fotojournalist Mohammed Badra mit einer Aufnahme aus Duma in Syrien. In der vom Krieg gezeichneten Stadt fotografierte er zwei festlich gekleidete Mädchen inmitten eines zerstörten Hauses. Unicef schreibt, das Foto habe einen "fast surrealen Moment im Waffengetöse" festgehalten.

Unicef verleiht den Fotopreis seit dem Jahr 2000. Die Auszeichnung geht an professionelle Fotografen, "die die Persönlichkeit und Lebensumstände von Kindern auf herausragende Weise dokumentieren". Teilnehmer an dem Wettbewerb müssen von anderen Fotografen nominiert werden; in diesem Jahr wurden laut Unicef mehr als 1100 Fotos von 90 Fotografen eingeschickt. Die Arbeiten zeigen die Situation von Kindern in 29 Ländern. Eine Jury aus Fotojournalisten und Unicef-Mitarbeitern kürte die Sieger.

Im vergangenen Jahr hatte der Mazedonier Georgi Licovski den Wettbewerb gewonnen. Er hatte festgehalten, wie zwei Kinder an der griechisch-mazedonischen Grenze zwischen drängenden Menschen und Grenzsoldaten von ihren Angehörigen getrennt wurden.

ulz



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