Kinder in Deutschland Gut dran, aber unzufrieden

Kindern und Jugendlichen in Deutschland geht es relativ gut - doch sie empfinden dies nicht so: Einer Studie zufolge steigt ihre innere Unzufriedenheit. Jeder siebte Teenager beurteilt seine Situation als mäßig bis negativ. Besonders gut geht es den Altersgenossen in den Niederlanden.
Kinder im Regen: Äußere Lebensumstände gut, innere Befindlichkeit nicht

Kinder im Regen: Äußere Lebensumstände gut, innere Befindlichkeit nicht

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Köln - Sie leben besser als die Kinder und Jugendlichen in den meisten anderen Ländern der Welt - und trotzdem sind viele Mädchen und Jungen in Deutschland unglücklich. Das hat eine Studie des Uno-Kinderhilfswerks Unicef zur Situation von Kinder in Industrieländern ergeben. Demnach hat sich die allgemeine Situation der jungen Generation in der Bundesrepublik weiter verbessert.

Allerdings bewertet jeder siebte Jugendliche seine aktuelle Lebenssituation als mäßig bis negativ. Im Vergleich mit 29 Industrienationen liegt die Bundesrepublik damit auf Platz 22. Vor mehreren Jahren erreichte das Land noch Rang zwölf.

"Die deutschen Mädchen und Jungen stellen damit sich und ihrer Umgebung ein erschreckendes Zeugnis aus, das uns nachdenklich machen muss", sagte Hans Bertram, Mitglied des Deutschen Unicef-Komitees und Professor an der Berliner Humboldt-Universität. Die einseitige Konzentration auf Leistung führe dazu, dass sich viele Kinder und Jugendliche ausgeschlossen fühlten.

Die besten Lebensbedingungen - auch nach subjektiver Einschätzung der Befragten - haben der Studie zufolge Kinder in den Niederlanden. Schlusslicht in beiden erhobenen Bereichen ist Rumänien.

Große Kluft zwischen äußeren Lebensumständen und individueller Bewertung

Objektiv betrachtet steht die junge Generation in Deutschland der aktuellen Erhebung zufolge besser da als noch bei der vorigen Unicef-Studie von 2010: Die Situation der Minderjährigen wurde in den fünf Bereichen Materielles Wohlbefinden, Gesundheit und Sicherheit, Bildung, Verhalten und Risiken sowie Wohnen und Umwelt erhoben. Vor drei Jahren belegte Deutschland zusammengefasst Rang acht, nun Rang sechs von insgesamt 29 Staaten.

Die Schüler hätten unter anderem bessere Werte bei den Pisa-Tests erzielt und rauchten seltener. Die bereits niedrige Zahl von Teenager-Schwangerschaften sei ebenfalls weiter gesunken. Was die relative Armut angehe, befinde sich Deutschland mit Platz elf im oberen Mittelfeld der Industrieländer. Dies sei aber kein Rang, um sich auszuruhen, warnte Unicef.

In deutlichem Gegensatz zu den äußeren Lebensumständen steht die Einschätzung der Kinder und Jugendlichen zu ihrer Lebenszufriedenheit. Hier liegt Deutschland auf Rang 22. Laut Unicef gibt es in keinem anderen Industrieland eine größere Kluft.

Um die Einschätzung zu erfragen, wurden für die Studie in den 29 Ländern mehr als 176.000 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren befragt, davon rund 5000 in Deutschland. Die Befragten sollten ihre subjektive Lebenszufriedenheit auf einer Skala von null (völlig unzufrieden) bis zehn (völlig zufrieden) angeben.

Weniger als 85 Prozent der Befragten in Deutschland beurteilten ihre Situation als positiv - ein Wert von sechs oder höher. In den Niederlanden lag dieser Anteil bei fast 95 Prozent, bei Schlusslicht Rumänien bei etwa 77 Prozent.

ulz/dpa

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