Unicef-Studie zu Deutschland Kinder im Süden sind am glücklichsten

Auf dem Land leben sie besser als in der Stadt, im Süden besser als im Rest der Republik: Unicef hat die Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht - und erhebliche regionale Unterschiede festgestellt.

Junge in bayerischer Tracht: Aus Kindersicht besonders lebenswerte Region
Corbis

Junge in bayerischer Tracht: Aus Kindersicht besonders lebenswerte Region


Hamburg - Deutschland belegt in internationalen Vergleichsstudien regelmäßig einen Mittelfeldplatz unter den Industrieländern, wenn es um gute Lebensumstände für Kinder und Jugendliche geht. Der aktuelle Bericht des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) zur Lage in der Bundesrepublik zeigt allerdings, dass sich hinter diesen Durchschnittswerten große Unterschiede verbergen. "Die Lebenssituation der Kinder und Jugendlichen, ihre Schulleistungen, Hoffnungen und Ängste unterscheiden sich gravierend - je nachdem, wo in Deutschland sie aufwachsen, wovon ihre Familie lebt und welche Unterstützung sie in ihrem konkreten Lebensumfeld, durch die Politik und ihre Gemeinden erfahren", heißt es in der am Freitag vorgestellten Studie.

Forscher der Berliner Humboldt-Universität haben dazu alle aktuell verfügbaren empirischen Daten zum Wohlbefinden von Kindern für die einzelnen Bundesländer ausgewertet. Ihr Fazit: Die Lebenssituation der Kinder unterscheidet sich innerhalb Deutschlands stark. Die Wissenschaftler legten bei ihrer Untersuchung die von Unicef definierten sechs Dimensionen zugrunde: die materielle Situation, Gesundheit und Sicherheit, Verhalten und Risiken, Bildung und Ausbildung, Beziehungen zu Familie und Gleichaltrigen sowie subjektives Wohlbefinden.

Von zentraler Bedeutung für dieses Wohlbefinden sei die aktive Teilhabe der Eltern am Arbeitsleben, so die Studie. Für Jugendliche seien zudem die Perspektiven, einen Ausbildungsplatz in ihrer Region zu finden, von großer Bedeutung.

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Unicef-Bericht: Lage der Kinder in Deutschland
Die wichtigsten Ergebnisse des Unicef-Berichts im Überblick:

  • Grundsätzlich ist das Wohlbefinden von Kindern in großen urbanen Zentren tendenziell schlechter als in Flächenländern. Die vier südwestdeutschen Länder Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und das Saarland scheinen aus Kindersicht besonders lebenswerte Länder zu sein.
  • Demgegenüber liegen Mecklenburg-Vorpommern, Berlin, Sachsen-Anhalt und Bremen nicht nur beim materiellen Wohlbefinden, sondern auch bei der Bildung und - mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern - auch bei den Beziehungen zur Familie und zu Gleichaltrigen im unteren Drittel.
  • Die Platzierungen ergeben aber insgesamt kein Ost-West-Gefälle. Brandenburg liegt beispielsweise im Gesamt-Ranking auf Platz sechs - vor Nordrhein-Westfalen oder Hessen. Auch sind die Platzierungen in einzelnen Dimensionen sehr unterschiedlich - so liegt Thüringen im Vergleich der Schulleistungen auf Platz fünf und Brandenburg bei der Gesundheit und Sicherheit sogar auf Platz eins.
  • Die Stadtstaaten schneiden auch nicht in allen Dimensionen ungünstig ab. Bremen und Berlin liegen zum Beispiel bei den Beziehungen zu Gleichaltrigen und zur Familie auf den letzten Plätzen, während in dieser Dimension ein anderer Stadtstaat - Hamburg - vorn liegt.
  • In Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern verlassen doppelt so viele Schüler die Schule ohne Abschluss wie in Bayern, Baden-Württemberg und dem Saarland. Die gemessenen Schulleistungen sind insgesamt aber gestiegen. Gleichzeitig dokumentiert die Studie jedoch einen starken negativen Einfluss von Arbeitslosigkeit der Eltern, mangelnden Ausbildungsplätzen sowie relativer Armut auf den Schulerfolg. In Bundesländern mit einem hohen Anteil von arbeitslosen Eltern und Alleinerziehenden sind auch die Schulleistungen der Kinder eher schlecht.
  • Legt man die regionalen Einkommensunterschiede und Lebenshaltungskosten zugrunde, wird die Kinderarmut in den westdeutschen Bundesländern unterschätzt und in den ostdeutschen überschätzt.
  • Alleinerziehende Frauen mit kleinen Kindern sind wirtschaftlich trotz leichter Verbesserungen weiter stark benachteiligt. Ihr Einkommen liegt rund 40 Prozent niedriger als das aller anderen Familien.

Im Vergleich zu früheren Studien kommen die Forscher zu einem erstaunlichen Schluss: "Die Unterschiede sind in einzelnen Dimensionen zwischen den Bundesländern sogar größer als die zwischen einzelnen OECD-Staaten." Nationale Durchschnittswerte - etwa zu Kinderarmut - seien daher nur begrenzt aussagekräftig. "Für eine wirksame Kinder- und Jugendpolitik müssen diese um regionale und kommunale Analysen ergänzt werden", fordern die Autoren der Studie. Laut Unicef wachsen 14 Prozent der Kinder in Deutschland in "relativer Armut" auf.

wit



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leser_81 16.12.2011
1. Statistiken !
Zitat von sysopAuf dem Land leben sie besser als in der Stadt, im Süden besser als im Rest der Republik: Unicef hat die Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht - und erhebliche regionale Unterschiede festgestellt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,804112,00.html
traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast ! Untersuchung der Führenden US - Statistiker hat vor kurzem nach intensiven Untersuchungen heraus gefunden, dass sterben die häufigste Todesursache unter Menschen ist :-) Eine bahnbrechende Erkentniss !
xzz 16.12.2011
2. .
Zitat von sysopAuf dem Land leben sie besser als in der Stadt, im Süden besser als im Rest der Republik: Unicef hat die Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht - und erhebliche regionale Unterschiede festgestellt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,804112,00.html
Keine Überraschung. Ich war auch ein glückliches Kind, ein glücklicher Jugendlicher im Süden. Auch das die traditionsbewussten Hamburger gut abschneiden wundert mich nicht.
Rooo 16.12.2011
3.
Zitat von sysopAuf dem Land leben sie besser als in der Stadt, im Süden besser als im Rest der Republik: Unicef hat die Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht - und erhebliche regionale Unterschiede festgestellt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,804112,00.html
Spiegel Online muss endlich anfangen die Methoden der Datenerhebung zu beleuchten. Sehr interessant finde ich das subjektive Wohlbefinden der Kinder, das teilweise erheblich von den vermeintlichen Fakten abweicht. Spiegel suggeriert hier leider, dass das materielle Wohlbefinden automatisch glückliche Kinder hervorbringt. Das subjektive empfinden zeigt aber, dass dies nicht unbedingt der Fall ist. Wie könnte Thüringen sonst auf Platz 2 beim subjektiven Wohlbefinden stehen. Auch Rheinland Pfalz, Niedersachsen und Mecklenburg Vorpommern stehen besser da, als es die materiellen Voraussetzungen erahnen lassen. Mich verwundert das aber überhaupt nicht. Es gibt so viele ärmere Länder (nicht bettelarme...), in denen die Kinder glücklicher sind, als hierzulande. Vermutlich waren auch heute 40 Jährige früher glücklicher, als die Kinder heute. Zumindest habe ich diesen Eindruck, wenn ich mit entsprechenden Personen rede. Ich betone das subjektive Wohlempfinden deshalb so stark, weil Empfindungen immer subjektiv sind. Objektive Parameter sind da eigentlich völlig lächerlich. Glück ist immer subjektiv.
Rooo 16.12.2011
4.
Zitat von xzzKeine Überraschung. Ich war auch ein glückliches Kind, ein glücklicher Jugendlicher im Süden. Auch das die traditionsbewussten Hamburger gut abschneiden wundert mich nicht.
Aus dem Einzelfall lässt sich nie auf die Masse schließen.
der bärliner 16.12.2011
5. Falsche Überschrift?
Zitat von sysopAuf dem Land leben sie besser als in der Stadt, im Süden besser als im Rest der Republik: Unicef hat die Situation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht - und erhebliche regionale Unterschiede festgestellt. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,804112,00.html
Für gewöhnlich überspitzt SPON solche statistischen Erhebungen und verfolgt reißerische Schlagzeilen, jedoch ausgerechnet hier wird moderat auf "die Glücklichen" hingewiesen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe nichts gegen gute Nachrichten und ich weiß in Dtl. wird gerne alles zerredet, aber warum stehen in dem Artikel nicht folgende Ergebnisse im Vordergrund? -"kein Ost-West-Gefälle" -"...starken negativen Einfluss von Arbeitslosigkeit der Eltern, mangelnden Ausbildungsplätzen sowie relativer Armut auf den Schulerfolg" -"Alleinerziehende Frauen mit kleinen Kindern sind wirtschaftlich trotz leichter Verbesserungen weiter stark benachteiligt" Und mal ehrlich: Welcher auch nur halbwegs normal begabte Mensch mit Gewissen "über-/unterschätzt" Kinderarmut? Soetwas nimmt man ernst und betrachtet man realistisch! Die (mE eindeutige) Einschätzung sollte dann Konsequenzen/Taten nach sich ziehen. Um Antwort wird gebeten.
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