Unicef-Bericht über Kinder in Krisengebieten "Die Welt hat sie im Stich gelassen"

Weltweit gehören Kinder zu den ersten Opfern bewaffneter Konflikte. Unicef hat nun einen alarmierenden Jahresbericht veröffentlicht - in dem das Hilfswerk auch die Situation in Europa thematisiert.

Syrische Flüchtlingskinder in al-Hol in al-Hasakeh
AFP

Syrische Flüchtlingskinder in al-Hol in al-Hasakeh


Kinder sind 2018 nach Einschätzung des Uno-Kinderhilfswerks Unicef nicht ausreichend vor Konflikten geschützt worden. "Kinder in Konfliktgebieten rund um die Welt mussten in den vergangenen zwölf Monaten weiter extreme Gewalt erleiden", sagte Unicef-Nothilfedirektor Manuel Fontaine in New York, "und die Welt hat sie weiter im Stich gelassen."

In Krisengebieten wie Syrien, dem Jemen und Kongo, Nigeria, Südsudan und Myanmar seien Vergewaltigungen, Zwangshochzeiten und Entführungen von Kindern an der Tagesordnung. In Afghanistan seien alleine in den ersten neun Monaten des Jahres 2018 rund 5000 Kinder getötet oder verstümmelt worden. In der Zentralafrikanischen Republik bräuchten zwei von drei Kindern humanitäre Hilfe. In Somalia seien mehr als 1800 Kinder zu Soldaten gemacht worden.

In den Palästinensergebieten und Israel litten viele Kinder unter Angst, Traumata und Verletzungen, heißt es in dem Bericht. Menschenrechtsverletzungen gebe es auch weiterhin gegen die Minderheit der Rohingya im asiatischen Myanmar. "Schon viel zu lang begehen Konfliktparteien schreckliche Gräueltaten und werden in den meisten Fällen dafür nicht bestraft", sagte Fontaine.

"Kämpfe, Minen, Blindgänger"

In Europa sieht Unicef die Lage in der Ostukraine kritisch: Mehr als vier Jahre Konflikt hätten "schwere Auswirkungen auf das Bildungssystem", heißt es in der Jahresbilanz. "700.000 Mädchen und Jungen lernen in einem Umfeld, das wegen unregelmäßiger Kämpfe, Minen oder Blindgängern nicht sicher ist." Am schlimmsten sei die Situation der rund 400.000 Kinder, die in unmittelbarer Nähe der Frontlinie lebten.

Auch in Afrika sind laut Unicef tausende Schulen aus Sorge vor Angriffen geschlossen. Kinder seien zudem auf dem Weg zur Schule Gewalt ausgesetzt oder würden - wie in Nigeria und Kamerun geschehen - aus Schulen entführt. In Nigeria nehme die Miliz Boko Haram gezielt Mädchen ins Visier. Diese würden mit Kämpfern zwangsverheiratet, vergewaltigt oder für Attentate missbraucht. Nach wie vor werden laut Unicef in vielen Konfliktstaaten Kindersoldaten rekrutiert.

Unicef rief alle Konfliktparteien dazu auf, Gewalttaten gegen Kinder zu beenden sowie Angriffe auf zivile Infrastruktur zu unterlassen. "Es muss dringend mehr passieren, um Kriege zu vermeiden und die vielen verheerenden bewaffneten Konflikte zu beenden", sagte Fontaine. "Aber auch wenn Kriege weitergehen, dürfen wir Angriffe gegen Kinder niemals akzeptieren."

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Unicef-Fotopreis: Kinder in Not

Erst vor Kurzem hatte das Kinderhilfswerk das Unicef-"Foto des Jahres" ausgezeichnet, um auf die Not behinderter Kinder in Entwicklungsländern aufmerksam zu machen. Weltweit gibt es demzufolge etwa 93 Millionen Kinder mit mittlerer oder schwerer Behinderung. (Hier geht es zu den Gewinnerfotos der Jahre 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011 und 2010).

Besonders dramatisch ist die Situation derzeit für Kinder im Jemen, wie Unicef erst kürzlich bekannt gegeben hatte. Demzufolge stirbt in dem Bürgerkriegsland alle zehn Minuten ein Kind an den Folgen von vermeidbaren Krankheiten und Mangelernährung. 400.000 Minderjährige seien lebensbedrohlich mangelernährt, mehr als elf Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen.

mxw/dpa/AFP

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