Unicef zu Kinderehen "Wir müssen uns wachrütteln"

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen warnt eindringlich vor den fatalen Folgen von Kinderehen. Allein im Niger werden demnach rund drei Viertel aller minderjährigen Mädchen verheiratet.
Verheiratete Minderjährige aus Afghanistan

Verheiratete Minderjährige aus Afghanistan

Foto: Paula Bronstein/ Getty Images

Ohne drastische Fortschritte bei der Bekämpfung von Kinderehen in West- und Zentralafrika wird es Unicef zufolge noch 100 Jahre dauern, bis dort keine Minderjährigen mehr verheiratet werden. "Wir müssen uns wachrütteln", sagte die stellvertretende Direktorin des Uno-Kinderhilfswerks, Fatoumata Ndiaye. Die Welt dürfe nicht zulassen, dass so viele Mädchen deswegen Gesundheitsrisiken ausgesetzt seien und sowohl ihre Kindheit als auch ihre Schulbildung verpassten.

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Die Konsequenzen von Kinderehen könnten verheerend sein, sagte die Chefin der Hilfsorganisation Save the Children, Helle Thorning-Schmidt, zum Auftakt einer internationalen Konferenz im Senegal zum Thema. Eine derart frühe Hochzeit verkürze das Leben der Mädchen. Die Kinder würden wegen der Heirat die Schule verlassen und ihr volles Potenzial nicht ausschöpfen.

Es müsse mehr getan werden, um gegen Kinderehen vorzugehen, sagte die ehemalige dänische Ministerpräsidentin: "Man muss das Tempo beschleunigen, wenn wir bis zum Jahr 2030 Ergebnisse sehen wollen."

Kinderehen: Die Zahlen

In Südasien sowie West- und Zentralafrika werden laut den Organisatoren der Konferenz die meisten Kinderehen geschlossen. Von den zehn Ländern mit der weltweit höchsten Rate an Kinderehen befinden sich demnach sechs in West- und Zentralafrika: Niger, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Mali, Burkina Faso und Guinea.

Im westafrikanischen Niger etwa werden 76 Prozent aller Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Im zentralafrikanischen Tschad werden 30 Prozent demnach bereits vor dem 15. Geburtstag verheiratet.

Insgesamt ist die Zahl der Frauen, die vor dem 18. Lebensjahr verheiratet oder in eheähnlicher Partnerschaft waren, seit 1990 gesunken: von 50 Prozent auf 39 Prozent. Das geht aus einer Unicef-Analyse  hervor, die anlässlich der Konferenz in Dakar veröffentlicht wurde.

Es sei aber weiteres Handeln nötig, sagte Ndiaye. Auch angesichts des raschen Bevölkerungswachstums in der Region sei dringend mehr Fortschritt nötig, um Mädchen länger in der Schule zu halten. "Nicht nur, weil es die Mädchen für das Leben rüstet, sondern auch, weil es dabei hilft, ihre Familien, ihre Dorfgemeinschaften und ihre Länder aus der Armut zu führen."

cop/AFP/dpa
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