Unwetter-News am Donnerstag WDR gibt Fehler bei Unwetter-Berichterstattung zu

Als sich die Unwetterlage in Westdeutschland dramatisch zuspitzte, war das WDR-Fernsehen kaum präsent – nach scharfer Kritik räumt der Sender nun Fehler ein. Und: Die Zahl der Todesopfer steigt in Belgien auf 37. Der Überblick.
Der bayerische Umweltminister sprach am Montag vor Journalisten

Der bayerische Umweltminister sprach am Montag vor Journalisten

Foto: Armin Weigel / dpa

Das waren die Unwetter-News am 22. Juli.

Das Wichtigste im Überblick
  • Bei der Hochwasser-Katastrophe sind mindestens 175 Menschen ums Leben gekommen. In Rheinland-Pfalz starben 128 Menschen, in Nordrhein-Westfalen weitere 47. Straßen, Bahngleise, Brücken, Mobilfunkmasten, Strom-, Gas- und Wasserleitungen sind vielerorts zerstört.

  • Im besonders betroffenen Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz werden weiterhin mehr als 150 Menschen vermisst, das Technische Hilfswerk THW rechnet nicht mehr mit Überlebenden.

  • Am Wochenende drohen in den Katastrophengebieten erneut Gewitter und Starkregen. Wo genau es zu erhöhten Niederschlagsmengen kommt, lässt sich derzeit aber noch nicht genau vorhersagen.

  • Der Bund und die Länder stellen gemeinsam bis zu 400 Millionen Euro als Soforthilfe zur Verfügung. In Rheinland-Pfalz sollen Betroffene »unbürokratisch und schnell« finanziell unterstützt werden, mit bis zu 3500 Euro pro Haushalt, wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) mitteilte.

  • Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) rechnet mit Schäden in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro.

»Eine Katastrophe kann jeden Tag passieren«

Leichlingen nach der Flut: »Alle Brücken waren gesperrt, ich musste Schleichwege nehmen«

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Foto: Roberto Pfeil / dpa

20.01 Uhr: Die Unwetterwarnungen seien angekommen – aber nicht bei allen: Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul sagt dem SPIEGEL, welche Lehren er aus der Flut zieht und warum flächendeckende Evakuierungen nicht geholfen hätten. Erfahren Sie hier mehr. 

WDR: Hätte in Unwetternacht ›engmaschiger‹ berichten müssen

19.30 Uhr: Der Westdeutsche Rundfunk hat Lücken in seiner Berichterstattung in der Unwetternacht  der vergangenen Woche eingeräumt. In seinen Programmen habe der WDR deutlich und wiederholt über die Gefahren und Auswirkungen des Hochwassers informiert, teilte der Sender am Donnerstag mit. Dazu seien lokale Warnmeldungen der Behörden aufgegriffen und redaktionell verarbeitet worden. »Nach sorgfältiger Prüfung hätte dies in der Nacht engmaschiger passieren müssen, zum Beispiel mit einer durchgehenden Sondersendung bei WDR 2«, heißt es in der Mitteilung.

In Nordrhein-Westfalen sind 47 Menschen im Zusammenhang mit der Unwetterkatastrophe gestorben.

Der WDR prüfe derzeit mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und dem nordrhein-westfälischen Innenministerium, wie die Bevölkerung mit Warnungen vor Gefahren besser erreicht werden könne. Vertreter des Senders und der Behörden hätten die Abläufe rund um die Bevölkerungswarnung bei der Unwetterlage in der vergangenen Woche erörtert. Es sei verabredet worden, gemeinsam die Analyse fortzusetzen und abgestimmte Empfehlungen zu erarbeiten.

NRW-Innenminister Reul zur Flut: »Eine Katastrophe kann jeden Tag passieren«

19.23 Uhr: Die Unwetterwarnungen seien angekommen – aber nicht bei allen: Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul sagt, welche Lehren er aus der Flut zieht und warum flächendeckende Evakuierungen nicht geholfen hätten.

Zahl der Hochwasseropfer in Belgien steigt auf 37

18.15 Uhr: In Belgien ist die Zahl der Hochwasseropfer gestiegen. Nach Angaben des Krisenzentrums starben mindestens 37 Menschen infolge der Überschwemmungen. Sechs Personen werden weiterhin vermisst. Am Mittwoch war die Zahl der Todesopfer noch mit 32 angegeben worden.

Bereits am Dienstag hatte es in Belgien einen Staatstrauertag wegen der Hochwasserkatastrophe gegeben. Um 12.01 Uhr legten Menschen im ganzen Land eine Schweigeminute ein. Im Anschluss hielt König Philippe eine Ansprache und dankte den Rettungskräften und zahlreichen freiwilligen Helfern für ihr Engagement. »Viele verloren alles. Die Arbeit eines ganzen Lebens, in wenigen Stunden dahin«, sagte der Monarch mit Blick auf die immensen Schäden in Städten und Dörfern.

Naturkatastrophen kosten R+V Versicherung 387 Millionen Euro

18.11 Uhr: Naturkatastrophen wie das Hochwasser in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen kosten die R+V Versicherung 387 Millionen Euro. Allein nach dem Unwettertief »Bernd« seien bislang 9545 Schäden in Höhe von 167 Millionen Euro gemeldet worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Wiesbaden mit. »Vor allem regional auftretende kräftige Unwetter mit Starkregen, Sturm und Hagel richteten bei unseren Kunden besonders in den letzten Wochen verheerende Schäden an, die uns sehr betroffen machen«, sagte R+V-Chef Norbert Rollinger. Insgesamt habe man in diesem Jahr schon 82.000 Schäden in Höhe von knapp 387 Millionen Euro verbucht.

Für das gesamte laufende Jahr geht die Versicherung davon aus, dass die Elementarschäden »eine Größenordnung erreichen werden, wie sie die R+V in ihrer fast 100-jährigen Geschichte noch nicht erlebt hat«. Alle verfügbaren Beschäftigten aus dem gesamten Bundesgebiet seien derzeit in den Krisengebieten im Einsatz. R+V zählt zu den größten Versicherungen in Deutschland. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt die Versicherungsschäden nach dem Hochwasser in Westdeutschland auf bis zu fünf Milliarden Euro, wie er am Mittwoch bekannt gegeben hatte.

Im ersten Halbjahr sind die Beitragseinnahmen von R+V im deutschen Erstversicherungsgeschäft um 4,4 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf mehr als 9 Milliarden Euro gestiegen. Grund sei die gute Konjunktur. Für das Gesamtjahr gab sich Rollinger vorsichtig optimistisch.

Ahrweiler: Wie rechte Aktivisten die Flutkatastrophe ausnutzen

18.01 Uhr: Sie zeigen Präsenz, packen mit an – und verbreiten Desinformation. In den Wirren nach der Flut proben »Querdenker« und andere eine neue Strategie: Sie tarnen sich als harmlose Helfer.

Hessen sagt finanzielle Unterstützung nach Hochwasserkatastrophe zu

17.27 Uhr: Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) hat finanzielle Unterstützung von Hessen zur Bewältigung der Hochwasserkatastrophe zugesichert. Hessen sei selbstverständlich bereit, sich an einem Wiederaufbaufonds nach dieser Krise zu beteiligen, so Boddenberg bei einem Treffen mit seinem Amtskollegen Lutz Lienenkämper (CDU) aus Nordrhein-Westfalen.

»Diese Solidarität ist guter Brauch zwischen Bund und Ländern und war auch bei der Bewältigung vergangener Naturkatastrophen der Fall.« Nordrhein-Westfalen könne sich, wie alle anderen von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Länder auch, auf Hessen verlassen, so der Finanzminister. »Die konkreten Fragen der Umsetzung werden wir klären, sobald wir den gesamten Schaden vernünftig abschätzen können.«

Trainer des Fußballvereins Ahrweiler BC obdachlos

16.07 Uhr: Auch die lokalen Fußballklubs sind von den Überflutungen schwer betroffen. Beim Amateurverein Ahrweiler BC sind nach dem Hochwasser offenbar 40 bis 50 Prozent der Trainer obdachlos. Das sagte der Jugendleiter des Vereins, Gerd Treffer, dem Magazin »11 Freunde «. »So wie es aussieht, sind zumindest alle unsere Spieler den Fluten lebend entkommen. Das ist das Wichtigste. Aber ungefähr 40 bis 50 Prozent unserer Trainer sind jetzt obdachlos. Die haben gar nichts mehr. Die sind froh, wenn sie noch ein Paar Turnschuhe an den Füßen haben.«

Über die Schäden am Vereinsgelände sagte Treffer: »Wir haben zwei Spielstätten. Die sind beide nachhaltig zerstört. Da ist es nicht damit getan, mal eben den Schlamm runterzuholen«. Auf dem Ascheplatz lägen unter anderem Autos und Lastwagen.

Evangelische Gemeinden lassen Glocken läuten

15.54 Uhr: Aus Solidarität mit den Betroffenen der Flutkatastrophe lassen viele evangelische Kirchen am Freitag ihre Glocken läuten. Damit solle auch zu Andachten und Gebeten eingeladen werden, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit. Die Initiative kam demnach von den am schlimmsten betroffenen Landeskirchen im Rheinland und in Westfalen.

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm warb in einem Schreiben an die Kirchenkonferenz dafür, sich der Initiative anzuschließen: »Wir alle nehmen fassungslos und voller Anteilnahme die dramatischen Ereignisse der vergangenen Tage wahr und können das Ausmaß der Zerstörung und des Leides, das die Unwetter der letzten Woche nach sich gezogen haben, noch gar nicht abschätzen.« Evangelische Kirche und Diakonie hatten zuletzt bereits vier Millionen Euro zur Verfügung gestellt, am Sonntag soll es zu den Gottesdiensten auch eine Sonderkollekte geben.

Katastrophengebiete sollen zusätzlichen Impfstoff bekommen

15.40 Uhr: In die von der Hochwasserkatastrophe gezeichneten Gebiete sollen Zehntausende Corona-Impfdosen geliefert werden. Das Bundesgesundheitsministerium habe den betroffenen Ländern zusätzlichen Impfstoff angeboten, teilte eine Sprecherin mit. Damit könnten niedrigschwellige Impfangebote vor Ort gemacht werden.

Rheinland-Pfalz habe dieses Angebot bereits angenommen und erhalte 23.400 zusätzliche Impfdosen Biontech. Sie sollen durch mobile Teams zum Beispiel dort verimpft werden, wo die Arztpraxen aufgrund des Hochwassers schließen mussten, hieß es. Neben Impfstoff sollten bei Bedarf auch Masken, Tests und Medikamente geliefert werden.

Laschet fordert Aufstellung der Solidarbeiträge aus anderen Bundesländern

15.24 Uhr: CDU-Chef Armin Laschet möchte in einer Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) klären, welchen Anteil jedes Bundesland an den Folgekosten der Flutkatastrophe übernehmen wird. Auch nicht direkt von dem Unwetter betroffene Länder müssten dort die Größenordnung ihres Beitrags benennen, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident nach einer Sondersitzung seines Kabinetts. Dazu werde die MPK in den nächsten Wochen zusammenkommen.

Einige Bundesländer hätten bereits einen Hilfsbeitrag benannt. Das müsse nun aber in einer MPK mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zusammengetragen werden, »dass wir wirklich zu dieser großen nationalen Solidaritätsaktion kommen«. »Wenn eine Notsituation da ist, darf man die, die das alles ertragen müssen, nicht alleine lassen«, sagte Laschet. »Da muss das ganze Land und die gesamte Bundesrepublik Deutschland denen helfen, die in Not geraten sind.« Unterstützung soll es laut Laschet auch aus einem Europäischen Solidaritätsfond geben.

»Viele unserer Wälder sind grüne Wüsten«

Deutschlands bekanntester Förster Peter Wohlleben wohnt in der Eifel und erlebte die Flutkatastrophe aus nächster Nähe. Er sagt: Ein intakter Wald könnte auch große Wassermassen wegstecken.

Hochwasserabfall aus NRW soll auch andernorts entsorgt werden

13.54 Uhr: Sperrmüll und andere Abfälle aus den nordrhein-westfälischen Hochwassergebieten sollen auch in anderen Bundesländern entsorgt werden. »Die Abfallbeseitigung vor Ort ist an ihre Grenzen gekommen. Es braucht hier überregionale Hilfen«, sagte Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Donnerstag nach einer Kabinettssitzung in Düsseldorf.

Um für eine Entspannung der Lage zu sorgen, werde die Abfallbeseitigung rechtlich erleichtert. »Es können Zwischenlager eingerichtet werden«, sagte Laschet. Mit dem Bundesverband der Entsorgungswirtschaft und dem Verband kommunalen Unternehmen sei eine überregionale Entsorgung vereinbart worden.

Polizei warnt vor Internet-Betrügern

13.44 Uhr: Die Polizei hat vor Internet-Betrügern gewarnt, die sich mit »Fake-Shops« oder auf Privatverkauf-Plattformen die Notlage in den Katastrophengebieten zunutze machen wollen. »Bezahlen Sie nicht im Voraus«, warnte die Polizei Heinsberg . »Bei Angeboten, bei denen nur ›Vorkasse‹ möglich ist, sollten Sie misstrauisch werden«, appellierte die Polizei.

Anlass waren zwei Bestellungen von Bautrocknern im Internet durch Bürger aus Erkelenz und Wassenberg. Sie hatten die Geräte vorab bezahlt und dann vergeblich auf die Lieferung gewartet. Als die Geschädigten die angeblichen Unternehmen für Nachfragen nicht mehr erreichen konnten, erstatteten sie Anzeige.

Video: Aufräumarbeiten im Ahrtal

Stück für Stück rückt Hilfe vor, nur langsam begreifen die Menschen, was im Ahrtal passiert ist. Währenddessen zeigt sich ein neues Problem, das zur Gesundheitsgefahr werden könnte: Haushaltsmüll.

DER SPIEGEL

Anwohner und Helfer nach Flutkatastrophe traumatisiert

13.12 Uhr: Nach den schweren Überschwemmungen im Norden von Rheinland-Pfalz sind viele Menschen traumatisiert. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sei mit Kriseninterventionskräften unterwegs, um psychologische Hilfe zu leisten, sagte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt bei einem Besuch im schwer betroffenen Bad Neuenahr-Ahrweiler. Betroffen seien nicht nur Bürger, sondern auch Helfer.

Lewentz: Chance, Überlebende zu finden, nimmt ab

13.05 Uhr: In Rheinland-Pfalz schwinden die Hoffnungen, dass man in den Hochwassergebieten weitere Überlebende findet. »Eine Woche nach einem solchen Ereignis nehmen die Chancen, dass Vermisste noch leben können, ab«, sagte Landesinnenminister Roger Lewentz (SPD) in einer Sondersitzung von drei Landtagsausschüssen in Mainz.

»Ich kann Ihnen heute nicht sagen, dass wir alle 155 Vermissten-Schicksale aufklären können«, sagte Lewentz. Von den 128 Toten in Rheinland-Pfalz seien bisher 62 identifiziert. »Wir planen keine Massenbeerdigung. Wir wollen, dass die Menschen in Würde von ihren Lieben bestattet werden können«, sagte Lewentz. Zu den Toten und Vermissten kämen noch 766 Verletzte in Rheinland-Pfalz, die in den Krankenhäusern behandelt worden seien.

Bericht: NINA-App warnte nicht im Kreis Ahrweiler

12.54 Uhr: Bei den amtlichen Gefahrenwarnungen über die Smartphone-App NINA hat es offenbar ein Problem gegeben. Wie das ZDF  berichtet, ging im besonders schwer vom Hochwasser betroffenen Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz keine Benachrichtigung an die Nutzer heraus. Dies geht dem Sender zufolge aus einer Durchsicht sämtlicher Warnmeldungen zwischen dem 14. und 15. Juli hervor.

Im Kreis Ahrweiler waren die Überschwemmungen besonders schlimm, 128 Menschen kamen allein dort in den Wassermassen ums Leben. Wie das ZDF unter Berufung auf Insider berichtet, ist bislang unklar, warum die NINA-App nicht vor der Gefahr warnte. Unklar sei noch, ob der Kreis keine Informationen in das Warnsystem eingespielt habe oder ob die Behörden dieses einfach nicht genutzt hätten. In der ebenfalls für Katastrophenwarnungen genutzten App Katwarn seien alle Warnungen korrekt ausgespielt worden.

NRW: Sondersitzung des Innenausschusses

12.28 Uhr: Wegen der Flutkatastrophe kommt der Innenausschuss des nordrhein-westfälischen Parlaments am kommenden Mittwoch zu einer Sondersitzung zusammen. Die Oppositionsfraktionen von SPD und Grünen hatten die Sondersitzung in der Sommerpause des Parlaments beantragt, weil sie eine erste Zwischenbilanz der Landesregierung zu den Auswirkungen der Katastrophe hören wollen.

Die Grünen wollen vor allem wissen, »warum die sehr eindeutigen Warnungen des Deutschen Wetterdienstes offenbar nicht zu entsprechenden Maßnahmen geführt haben«. Die SPD fragt nach unbürokratischen Hilfen. Der Landtag müsse dazu beitragen, »dass die Menschen nicht das Vertrauen in die Landespolitik verlieren«, sagte der SPD-Innenexperte Hartmut Ganzke. »Sie müssen die Gewissheit haben, dass alles Menschenmögliche unternommen wird, um ihnen in ihrer Notlage zu helfen. Sie dürfen jetzt nicht im Stich gelassen werden.«

Deutscher Anwaltverein bietet kostenlose Rechtsberatung

11.59 Uhr: Der Deutsche Anwaltverein (DAV) hat angekündigt, den Opfern der Hochwasserkatastrophe wie auch den Helferinnen und Helfern mit kostenlosem rechtlichem Rat zur Seite zu stehen. Es seien eine Telefon- und Mail-Hotline eingerichtet worden, teilte die Organisation mit.

»Wir waren sehr dankbar, dass sich so viele unserer Mitglieder gemeldet haben, um eine kostenlose Orientierungsberatung für Betroffene anzubieten,« erklärte DAV-Hauptgeschäftsführerin Sylvia Ruge. Niemand solle sich in solch einer Ausnahmesituation Sorgen um die Kosten für anwaltliche Beratung machen müssen.

Auf die Menschen in den Flutgebieten kämen derzeit zahlreiche rechtliche Fragen zu, hieß es in der Mitteilung. Es gehe dabei beispielsweise um die Übernahme von Sanierungskosten, die Absicherung von Helfern und um berufliche Verpflichtungen.

Zu viel Geröll und Schlamm: Hagen warnt vor erneuten Hochwasser

11.38 Uhr: Die Stadt Hagen warnt vor einer erneuten Hochwassergefahr. Rund 100.000 Tonnen Geröll, Schutt und Schlamm behinderten die Fluss- und Bachläufe, warnt die Stadt auf Twitter – und bittet die Bürgerinnen und Bürger darum, die Warn-App NINA auf ihren Mobiltelefonen zu installieren, um rechtzeitig über Wetterwarnungen wie Hochwasser informiert zu sein.

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Merkel spricht von »schrecklichen Verwüstungen«

11.10 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich bei ihrer voraussichtlich letzten Sommer-Pressekonferenz zu den Überflutungen in Teilen Deutschlands geäußert. Die Kanzlerin sprach von »schrecklichen Verwüstungen«. Man trauere um die Toten, sagte Merkel. Eine genaue Schadenssumme gebe es zwar noch nicht, klar sei aber schon jetzt, dass er »immens« sei, so Merkel.

Versicherer R+V zahlt für Unwetterschäden fast 400 Millionen Euro

10.55 Uhr: Die Unwetter in Deutschland kosten die R+V Versicherung in diesem Jahr schon jetzt fast 400 Millionen Euro. Allein nach dem Tief »Bernd«, das vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz zu schweren Überschwemmungen führte, hätten die R+V-Kunden mehr als 9500 Schäden über 167 Millionen Euro gemeldet, teilte der genossenschaftliche Versicherer mit.

Insgesamt seien nach Naturereignissen in diesem Jahr bereits 82.000 Schäden mit einem Volumen von 387 Millionen Euro registriert worden. Elementarschäden erreichten damit 2021 eine Größenordnung, wie sie die R+V in ihrer fast 100-jährigen Geschichte noch nicht erlebt habe. »Wir beobachten seit Jahren, dass Unwetter an Häufigkeit und Stärke zunehmen«, sagte Vorstandschef Norbert Rollinger.

Die R+V Versicherung, die zum genossenschaftlichen DZ-Bank-Konzern gehört, ist einer der fünf größten Versicherer in Deutschland. Der Branchenverband GDV schätzt die Schäden aus der Hochwasser-Katastrophe im Rheinland und in der Eifel auf bis zu fünf Milliarden Euro. Insgesamt könnten die Elementarschäden in diesem Jahr zehn Milliarden Euro erreichen.

»Mit dem Wissen von heute hätten wir evakuieren müssen«

Die Flut nahm den Menschen in Mayschoß an der Ahr die Straßen, den Strom, das Trinkwasser – und brachte vermutlich fünf von ihnen den Tod. Der Bürgermeister erhielt Warnungen, glaubte ihnen aber nicht.

CDU-Politiker Linnemann plädiert für zentralen Krisenstab in Berlin

10.38 Uhr: Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann hat nach den verheerenden Unwettern im Westen Deutschlands eine bessere Krisenkoordinierung gefordert. »Ich wäre für einen disziplinübergreifenden Krisenstab in Berlin«, sagte der CDU-Politiker gegenüber RTL/ntv.

Unions-Fraktionsvize Linnemann: »Es braucht eine koordinierende Funktion«

Unions-Fraktionsvize Linnemann: »Es braucht eine koordinierende Funktion«

Foto: Christian Spicker/ imago images/Christian Spicker

Damit es zu einer schnellstmöglichen Koordinierung kommen könne, sollte dieser Stab mit direkter Weisungsbefugnis ausgestattet werden, sagte Linnemann weiter. »Das hat aber nichts mit Zentralismus zu tun, sondern mit Koordinierung – weil die fehlt.« Linnemann betonte, er wolle die drei bislang koordinierenden Ebenen Kommunen, Länder und Bund nicht infrage stellen. »Aber es braucht eine koordinierende Funktion.«

Auch das Technische Hilfswerk (THW) sprach sich für eine zentrale Lagesteuerung aus. »Wir brauchen eine Lagekoordinierung auf Bundes- und Landesebene bei Katastrophenfällen«, sagte der THW-Bundesverbandschef und CDU-Bundestagsabgeordnete Marian Wendt der »Bild«-Zeitung. Landkreistagspräsident Reinhard Sager hatte die geltende Kompetenzverteilung zuvor verteidigt. »Wir halten die Dezentralität in Deutschland auch im Katastrophenschutz für richtig«, sagte der CDU-Politiker bei NDR Info. »Ich bin dort ganz und gar bei den Aussagen des Bundesinnenministers von vor wenigen Tagen: Mit mehr Zentralität ist hier niemandem geholfen.«

Amt in Rheinland-Pfalz schließt »Querdenken«-Zentrum im Hochwassergebiet

10.33 Uhr: Das rheinland-pfälzische Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung hat ein offenbar von Anhängern der »Querdenken«-Bewegung betriebenes Familienzentrum im vom Hochwasser betroffenen Bad Neuenahr-Ahrweiler verboten. »Zur Vermeidung einer im Raum stehenden Kindeswohlgefährdung« sei das »Angebot durch den Verein Initiative ›Eltern stehen auf e. V.‹ ab sofort zu unterbinden«, bestätigte Landesamt-Präsident Detlef Placzek der Nachrichtenagentur AFP.

Das Landesamt nehme die »schlechten Bedingungen« wahr, unter denen Kinder ab drei Jahren in diesem Zentrum in einer Grundschule betreut würden, erklärte er. So gebe es weder Strom noch Wasser. Zudem befinde sich öliger Schlamm auf den Fluren. Grund für die Schließung sei insbesondere die Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Zudem seien die Kinder ohne Erlaubnis dort betreut worden.

Der Verein »Eltern stehen auf« spricht sich gegen die Corona-Maßnahmen aus. Er warnt auf seiner Homepage vor der Impfung gegen das Virus und spricht von einem »medizinischen Experiment«, vor dem Kinder geschützt werden sollen.

Afrikanische Kirchen spenden mehr als 20.000 Euro für betroffene Gemeinden in Deutschland

10.20 Uhr: Die vom Hochwasser betroffenen Kirchengemeinden der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) und der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) erhalten finanzielle Unterstützung aus Afrika. Wie die Vereinte Evangelische Mission (VEM) mitteilte, seien nach einem Spendenaufruf vom 19. Juli mehr als 45.000 Euro zusammengekommen, die nun als diakonische Soforthilfe an die Landeskirchen gehen sollen.

Hochwasserschäden in der Evangelischen Kirche in Hagen-Dahl

Hochwasserschäden in der Evangelischen Kirche in Hagen-Dahl

Foto: Friedrich Stark / imago images/epd

»Zu den größten Spendern mit über 20.000 Euro gehören 14 afrikanische VEM-Mitgliedskirchen aus Botswana, der Demokratischen Republik Kongo, Kamerun, Ruanda, Südafrika und Tansania«, teilte die VEM mit. Bereits kurz nach der Katastrophe hätten zahlreiche afrikanische und asiatische Mitglieder der internationalen Kirchengemeinschaft ihre Solidaritätsbotschaften  nach Deutschland gesandt.

VEM-Generalsekretär Volker Martin Dally zitierte in einer Mitteilung das Sprichwort eines Bischofs aus Tansania: »Keine Kirche ist zu arm, um Hilfe zu geben und keine Kirche ist zu reich, um Hilfe zu empfangen.«

Weil fordert schnellere Planungsverfahren beim Hochwasserschutz

9.57 Uhr: Gut eine Woche nach Beginn der verheerenden Unwetter in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hat sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) dafür ausgesprochen, die Planungsverfahren für Hochwasserschutz-Maßnahmen in Deutschland zu beschleunigen. »Wir haben es mit äußerst umständlichen Planfeststellungsverfahren zu tun, die durchlaufen werden müssen, bis am Ende des Tages die Hochwasser-Schutzmaßnahmen tatsächlich stehen und funktionieren«, sagte Weil der Nachrichtenagentur dpa. Das sorge dafür, dass sich viele Maßnahmen, die unter Hochwasserschutz-Gesichtspunkten notwendig sind, viel zu lange hinzögen.

»Ich wünsche mir nach den Bundestagswahlen – nicht nur beim Hochwasserschutz, auch beim Ausbau erneuerbarer Energien und in vielen anderen Fragen – ein Planungsrecht in Deutschland, das endlich schnell und ergebnisorientiert durchgeführt werden kann«, sagte Weil. Es könne nicht sein, dass sich jede größere, mittlere oder auch teilweise kleinere Maßnahme zu einer »Generationenaufgabe« auswachse.

Niedersachsen sei sich auch aufgrund zahlreicher Unwetter im eigenen Land in den vergangenen Jahren des Risikos bewusst. Ereignisse wie in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen gäben »noch einmal Anlass, alle Systeme zu überprüfen«.

Rheinland-Pfalz legt Förderprogramm für Leitungswiederaufbau auf

9.40 Uhr: Die Fluten haben in einigen Ortschaften in Rheinland-Pfalz auch die Wasserversorgung unterbrochen, Zu- und Ableitungen wurden zerstört. Nun will das Land den Wiederaufbau mit einem Sonderförderprogramm unterstützen. Wie der SWR  unter Berufung auf Klimaschutzministerin Anne Spiegel (Grüne) berichtet, stelle das Land für entsprechende Investitionen 20 Millionen Euro bereit.

Damit könnten die betroffenen Regionen sofort mit dem Wiederaufbau beginnen, hieß es. Bis Ende des Jahres gelte dabei auch ein vereinfachtes Antragsverfahren.

Mehrere Ausschuss-Sondersitzungen im Bundestag terminiert

9.20 Uhr: Die Grünen-Bundestagsfraktion hat mehrere Sondersitzungen verschiedener Bundestagsausschüsse beantragt. Wie die Fraktion mitteilte, soll es bis kommenden Dienstag demnach fünf Sondersitzungen geben. Thema der Beratungen soll die aktuelle Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und anderen Teilen Deutschlands sein.

Beteiligt sein sollen die Ausschüsse für Verkehr und digitale Infrastruktur, für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, für Wirtschaft und Energie, für Inneres und Heimat und für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) hatte zuletzt bereits seine Teilnahme an der Sitzung des Innenausschusses angekündigt. Dabei wird es wohl auch um die Frage gehen, ob bei der Flutkatastrophe seitens des Innenministeriums Fehler gemacht wurden.

Geologischer Dienst prüft Standsicherheit von Häusern in Erftstadt-Blessem

8.51 Uhr: Im Katastrophengebiet Erftstadt-Blessem in Nordrhein-Westfalen dürfen einige Anwohner voraussichtlich schon von diesem Donnerstag an dauerhaft in ihre Häuser zurück. Voraussetzung sei, dass die Standsicherheit der Gebäude gewährleistet ist, teilte Landrat Frank Rock mit. Dies werde ab dem Vormittag durch den geologischen Dienst überprüft.

Ist dies geschehen, müsse »den Blessemer Bürgern auch die Möglichkeit eröffnet werden, ihre Häuser und Wohnungen wieder dauerhaft zu betreten, insbesondere um Aufräumarbeiten zu leisten«, sagte Rock. Dies könne noch am Donnerstag geschehen.

DER SPIEGEL

Der Einlass in das Gebiet nach der Flut in der vergangenen Woche werde zunächst nur Blessemer Bürgern erlaubt. Für sie werde ein Shuttleservice eingerichtet. Teams von Feuerwehr, Polizei und Psychologen stünden bereit.

Zuvor hatte der Krisenstab bereits beschlossen, dass viele Anwohner am Donnerstag zumindest kurz in ihre Wohnungen und Häuser dürfen, um persönliche Gegenstände zu holen. Dabei sollten sie von Einsatzkräften begleitet werden.

Versicherungsverband gegen Pflicht-Elementarversicherung

8.45 Uhr: Der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft, Jörg Asmussen, hat sich gegen eine verpflichtende Elementarversicherung ausgesprochen. »Eine Pflichtversicherung als einzelnes Instrument ist nicht zielführend«, sagte er im ARD-»Morgenmagazin«. Vielmehr werde ein Gesamtkonzept gebraucht, das dem Klimawandel Rechnung trage und mehr auf Prävention ausgerichtet sei.

Asmussen zufolge versichern zu wenige Menschen ihr Haus gegen Sturm, Hagel und Hochwasser. »Wir gehen davon aus, dass in Deutschland 99 Prozent der Gebäude versicherbar sind gegen Elementarschäden. Erreicht haben wir heute 46 Prozent.« Das müsse erweitert werden.

Wieder Gewitter und Starkregen in NRW möglich

8.35 Uhr: Nach einigen Tagen Sonnenschein drohen in Nordrhein-Westfalen am Wochenende wieder Schauer und Gewitter mit Starkregen. »Es kann theoretisch und punktuell in den Unwetterbereich gehen«, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdiensts (DWD). Wo und ob die Unwetter stattfinden, könne noch nicht abgeschätzt werden. Am Freitag scheine zunächst noch die Sonne, vor allem im Südwesten.

Am Samstag soll nach Angaben des DWD von Südwesten dann Bewölkung aufziehen. Zunächst regne es in der Eifel, im Laufe des Nachmittags breiten sich die Niederschläge aus, so die Meteorologin. Die Temperaturen steigen voraussichtlich von maximal 28 Grad am Freitag auf bis zu 29 Grad am Samstag. Das unbeständige Wetter setze sich am Sonntag und Montag fort. An beiden Tagen müsse man mit Gewittern rechnen, berichtete die Meteorologin.

Gewittergefahr am Wochenende in Rheinland-Pfalz und im Saarland

8.22 Uhr: Schauerartiger Regen und Gewitter erwarten auch Rheinland-Pfalz und das Saarland am Wochenende. Es könne erneut Starkregen geben, sagte eine Meteorologin des Deutschen Wetterdiensts (DWD). Wo und ob es zu Unwettern komme, könne derzeit noch nicht genau vorhergesagt werden .

Am Freitag bleibe es zunächst trocken bei Sonnenschein und bis zu 30 Grad. Die Bewölkung ziehe am Samstag auf, so die Meteorologin. Am Mittag gebe es zunächst im Westen schauerartigen Regen, am Nachmittag sei dann das ganze Gebiet betroffen. Auch am Sonntag können sich im Laufe des Tages örtlich Gewitter bilden. Die Temperaturen fallen voraussichtlich etwas, auf bis zu 28 Grad am Samstag und maximal 27 Grad am Sonntag.

BBK-Präsident zum Katastrophenschutz: »Das ist nicht optimal gelaufen«

8.12 Uhr: Der Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, hat nach der verheerenden Flutkatastrophe im Westen Deutschlands Fehler im System eingeräumt. »Die Tragödie ist nicht mit Worten zu greifen«, sagte Schuster im ARD-»Morgenmagazin«. »Das ist nicht optimal gelaufen.«

Aber beim Thema Warnung spielten »unglaublich viele« in einer Meldekette eine Rolle. »Mein Amt hat viel Know-how und wenig Zuständigkeit. Wir drücken auf den Warnknopf erst im Kriegsfall«, betonte Schuster mit Blick darauf, dass der Bund nur für den Bevölkerungsschutz im Verteidigungsfall zuständig ist. »Ansonsten stellen wir unser System den Ländern und Kommunen zur Verfügung und die benutzen es. Das klappt auch.«

Die Frage sei jetzt, wie das Warnsystem verbessert werden könne, zum Beispiel mit mehr Sirenen und Warnungen per SMS. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) habe im Prinzip schon entschieden, dass die Warnung per Cell Broadcasting komme. »Das Thema Sirene, Cell Broadcast, wird in den nächsten zwei, drei Jahren garantiert Wirkung erzielen«, so Schuster.

Beim Cell Broadcasting wird ähnlich wie bei einer SMS eine Nachricht an Handy-Nutzer verschickt – und zwar an alle Empfänger, die sich zu dem Zeitpunkt in der betreffenden Funkzelle aufhalten.

Göring-Eckardt fordert Stärkung des Ehrenamtes

6.44 Uhr: Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt fordert mehr Unterstützung für ehrenamtliche Helfer bei den Rettungs- und Katastrophendiensten nach der Flutkatastrophe. Sowohl die Helfenden als auch das Ehrenamt an sich müssten »materiell und strukturell gestärkt werden«, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Dafür braucht es akut einen unbürokratischen Sonderfonds für die Rettungs- und Katastrophendienste, wenn Ausrüstung im Einsatz verschleißt oder Material fehlt.« Nach dieser Krise müsse »massiv in die Nachwuchsförderung investiert werden«, so Göring-Eckardt.

Anwohner von Erftstadt-Blessem dürfen kurz in ihre Häuser

6.29 Uhr: In Nordrhein-Westfalen dürfen viele Anwohner des von einem Erdrutsch betroffenen Ortsteils Erftstadt-Blessem am Donnerstag zeitweise in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren. Mit Bauzäunen richteten Einsatzkräfte bereits eine Sicherheitszone von 100 Metern rund um die Abbruchkante der Kiesgrube ein.

Für die Straßenzüge außerhalb dieses Bereichs hatte die Stadt geplant, Bewohner einzeln und kurz in ihre Wohnungen zu lassen, um persönliche Gegenstände zu sichern. Aus Sicherheitsgründen sollen Einsatzkräfte die jeweiligen Anwohner aber begleiten.

Das nordrhein-westfälische Kabinett berät am Vormittag über Folgen der Unwetterkatastrophe und Soforthilfen. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte bereits angekündigt, dass NRW 200 Millionen Euro Soforthilfe für die Opfer bereitstellen werde und eine schnelle Abwicklung der Auszahlungen zugesagt. Weitere Hilfen kommen vom Bund.

Bundeswehr fliegt mit einem Airbus über das Ahrtal

6.10 Uhr: Am Morgen fliegt die Bundeswehr mit einem Airbus tief über das Ahrtal. Das im nordrhein-westfälischen Geilenkirchen stationierte Flugzeug soll mithilfe von Wärme- und Infrarotkameras neue Erkenntnisse und Daten über das Flussbett nach dem Hochwasser liefern. Die Luftwaffe hatte bereits am Mittwoch mit einem Spezialflugzeug bei einer genaueren Bewertung der Unwetterschäden im Westen Deutschlands geholfen.

Auf dem Fuhrpark des Nürburgrings ist währenddessen das Basislager für den Einsatz von Technischem Hilfswerk, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Bundeswehr für das Hochwasserkatstrophengebiet im Ahrtal entstanden. Mit 4500 bis 4700 Helfern werde in der Nacht auf dem Gelände gerechnet, sagte Einsatzleiter Heinz Wolschendorf bei einem Besuch von Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD).

DRK zieht erste Bilanz des Flut-Einsatzes

3.48 Uhr: Nach der Unwetterkatastrophe will sich an diesem Donnerstag die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) ein Bild von der Lage in Rheinland-Pfalz machen. Gerda Hasselfeldt wird in Bad Neuenahr-Ahrweiler eine ambulante Arztpraxis des DRK besuchen. Sie will zudem ein erstes Fazit des bisherigen Einsatzes ziehen, auf die kommenden Wochen blicken und sich dazu äußern, wie gut Deutschland auf solche Katastrophen vorbereitet ist. Kürzlich hatte Hasselfeldt bereits eine bessere Prävention gefordert und darauf verwiesen, dass Wetterextreme in den nächsten Jahren zunehmen werden.

Bei der Hochwasserkatastrophe kamen nach bisherigen Erkenntnissen mindestens 172 Menschen ums Leben. Noch immer werden Menschen vermisst – die meisten im besonders betroffenen Kreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz. Teile der Region haben noch immer weder Wasser noch Strom.

Spenden für die Betroffenen der Flutkatastrophe

Die Flutkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat eine enorme Hilfsbereitschaft ausgelöst. In den sozialen Netzwerken werden zahlreiche Spendenaufrufe geteilt – längst nicht alle sind seriös. Die Polizei Köln etwa warnte in einer Mitteilung  vor Betrugsdelikten in Zusammenhang mit dem Hochwasser. Man solle beim Spenden auf Einrichtungen und Organisationen setzen, die man persönlich kenne oder über die man sich ausreichend informiert habe.

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) hat für die »Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands« eine Liste mit Adressen und Kontonummern von Organisationen zusammengestellt, die das DZI-Spendensiegel tragen.

Zudem gibt es in den betroffenen Landkreisen Ansprechpartner zum Thema Spenden. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) hat auf seiner Website eine Liste der Landkreise mit weiteren Informationen und Telefonnummern aufgelistet.

(Mit Material der dpa)

Arbeitsminister Heil sagt Unterstützung zu

2.02 Uhr: Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sichert Unternehmen und Arbeitnehmern in den von der Flutkatastrophe betroffenen Regionen mehr Unterstützung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA) zu. »In dieser dramatischen Krise geht es um einen Dreiklang: erstens den Menschen akut zu helfen, zweitens eine finanzielle Soforthilfe zu schaffen und drittens nach dem Wiederaufbau der Infrastruktur die längerfristige Unterstützung für Unternehmen und Arbeitsplätze sicherzustellen«, sagte Heil der »Rheinische Post«.

»Wir werden verstärkt mithilfe der Mittel der Bundesagentur für Arbeit Arbeitsplätze in den betroffenen Regionen sichern.« Das Kurzarbeitergeld sei ja nicht nur ein Instrument für eine kurzfristige Konjunkturkrise, sondern es könne den Beschäftigten und Unternehmen in den betroffenen Regionen in ihrer Not auch helfen, so Heil. »Wenn es notwendig ist, werde ich nicht zögern, die in der Coronakrise verbesserten Kurzarbeitergeld-Regeln über Ende September hinaus zu verlängern.«

Grünen-Politiker: Auftreten von »Querdenkern« im Hochwassergebiet ist schamlos

0.20 Uhr: Als dreist und möglicherweise strafbar bezeichnet der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Konstantin von Notz, das Auftreten von Anhängern der »Querdenker«-Bewegung im Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz. »Dass Querdenker, Reichsbürger, Holocaustleugner und andere Rechtsextremisten vor dem Leid der Menschen und der Tragödie des Hochwassers versuchen, ihren persönlichen Tag X zu zelebrieren, ist einfach schamlos«, sagte von Notz dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Eine Behinderung der Einsatzkräfte und bewusste Schwächung staatlicher Infrastrukturen sei nicht nur kontraproduktiv, sondern unter Umständen auch strafbar. Die Polizei Koblenz warnt vor Fahrzeugen mit Lautsprechern, die Polizeifahrzeugen ähneln und durch die im Katastrophengebiet Falschmeldungen verbreitet würden. So sei behauptet worden, Polizei- und Rettungskräfte würden die Zahl ihrer Einsatzkräfte reduzieren.

wit/fek/olb/ptz/mjm/dpa/Reuters/AFP