+++ Unwetter-Update +++ Hunderte Polizisten im Einsatz gegen Plünderer und Gaffer

Die Rettungskräfte suchen weiter nach Vermissten, stehen aber immer wieder vor Problemen: Schaulustige behindern die Katastrophenhilfe, Fake News werden verbreitet – und Betrüger täuschen Unterstützung vor. Der Überblick.
In Kirchheim in Nordrhein-Westfalen versucht die Polizei, Plünderungen zu verhindern

In Kirchheim in Nordrhein-Westfalen versucht die Polizei, Plünderungen zu verhindern

Foto: Jonas Güttler / dpa
+++ Hunderte Polizisten im Einsatz gegen Plünderer und Gaffer +++

21:41 Uhr: Rund 300 Polizisten der Polizei Köln suchen weiter nach Vermissten. Dabei werden sie von Rettungs- und Einsatzkräfte der Feuerwehr, der Bundeswehr und mehrerer Hilfsorganisationen unterstützen.

Gleichzeitig sind weitere knapp 200 Polizisten im Einsatz, um vor Plünderungen zu schützen und Katastrophentourismus zu verhindern. Bereits am Vormittag hatte die Polizei in Rheinland-Pfalz über Twitter dazu aufgerufen, keine »Touren« in die Katastrophengebiete zu unternehmen.

Welche Orte sind betroffen?

Scholz kündigt 300 Millionen Euro für Flutopfer an

00:03 Uhr: Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat eine Soforthilfe von mehr als 300 Millionen Euro für die Opfer der Flutkatastrophe angekündigt. Am Mittwoch wolle er dem Bundeskabinett den Plan für die Soforthilfe vorlegen, sagte Scholz der »Bild am Sonntag«. Beim vorherigen Flutdesaster sei eine Soforthilfe des Bundes von »deutlich mehr als 300 Millionen Euro« nötig gewesen: »Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht.«

Scholz will dem Kabinett am Mittwoch zudem ein milliardenschweres Aufbauprogramm für die betroffenen Regionen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vorschlagen. Die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken müssten zügig repariert werden. »Wie wir von der vorherigen Katastrophe wissen, geht es um Milliarden Euro«, sagte der Finanzminister. Neue Kredite muss der Bund laut Scholz für die Fluthilfen erst einmal nicht aufnehmen.

Niederländer lehnen Schleusen-Öffnung ab

23:33 Uhr: Die niederländischen Behörden haben die Bitte des Bürgermeisters des nordrhein-westfälischen Wassenberg zum Öffnen der Schleusen der Rur in Roermond abgewiesen. Der niederländische Deichverband sehe keinen Zusammenhang zwischen einem Dammbruch an der Rur, wegen dem 700 Menschen in Wassenberg ihre Wohnungen verlassen mussten, und dem Schließen der Schleusen auf niederländischer Seite, berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP am Samstagabend.

Burgermeister Marcel Maurer hatte am Freitagabend als Ursache für den Dammbruch im Stadtteil Ophoven das Schließen der Schleusen in Roermond genannt. Dies habe zu einem Rückstau geführt und den Druck auf den deutschen Deich erhöht. Er hatte die niederländischen Behörden gebeten, die Schleusen wieder zu öffnen.

Nach starkem Regen: Katastrophenfall in Oberbayern ausgerufen

23:24 Uhr: Der Landkreis Berchtesgadener Land hat wegen Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen. Es gebe sehr viele Murenabgänge, die Feuerwehr sei überlastet, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Traunstein am späten Samstagabend. Betroffen seien vor allem die Orte Berchtesgaden und Bischofswiesen im Südosten Bayerns.

Bahnstrecke in Sächsischer Schweiz gesperrt

23:09 Uhr: Nach starken Regenfällen ist die Bahnstrecke zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Decin gesperrt. Nach Angaben der Deutschen Bahn enden und beginnen die Züge des Fernverkehrs im Dresdener Hauptbahnhof. Betroffen sei die Verbindung Hamburg-Berlin-Dresden-Prag. Es seien keine Reisenden mehr auf freier Strecke. Die Störung werde voraussichtlich bis Sonntagnachmittag dauern.

Wegen der Sperrung kam es auch im Nahverkehr zu Zugausfällen. Wegen der witterungsbedingt schwierigen Straßenverhältnisse habe Ersatzverkehr durch Busse nicht eingerichtet werden können.

Hochwasser auch in Berchtesgaden und Salzburg

22:39 Uhr: In der Tennengauer Bezirkshauptstadt Hallein wurde nach Angaben des Österreichischen Rundfunks der Zivilschutzalarm ausgelöst. Zuvor war der Kothbach über die Ufer getreten und hatte Teile des Stadtzentrums überschwemmt und verwüstet. Die Bevölkerung werde dazu aufgerufen, in den Häusern zu bleiben.

Wie die Passauer Neue Presse berichtet, mehren sich auch im Berchtesgadener Land die Einsätze. Nach Angaben der Polizei würden Keller volllaufen und Straßen überschwemmt werden. Wie sich die Situation dort weiter entwickele, sei nicht absehbar.

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Überflutungen nach Regenmassen in der Sächsischen Schweiz

22:09 Uhr: Extreme Regenfälle von teils mehr als 100 Litern pro Quadratmeter haben am Samstag in der Sächsischen Schweiz zu Überflutungen geführt. Nach Angaben des Landratsamts Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sind einzelne Ortslagen nicht mehr erreichbar. Besonders betroffen seien Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf-Schöna und Gohrisch. Die Behörde mahnte, Keller, Tiefgaragen und Unterführungen zu meiden. Zudem könnten überflutete Straßen und Wege große Gefahren darstellen.

Nach Angaben des Landeshochwasserzentrums wurde am Abend am Pegel Neustadt 1 an der Polenz die Alarmstufe 4 überschritten. In den Unterläufen der Kirnitzsch, der Sebnitz und des Lachsbaches habe es einen »extremen Wasserstandsanstieg« gegeben. »Es sind starke Überschwemmungen zu erwarten«, warnte das Hochwasserzentrum.

Zahl der Toten nach Überschwemmungen in Belgien auf 27 gestiegen

20.57 Uhr: Nach den schweren Überschwemmungen im Osten Belgiens hat sich die Zahl der Todesopfer auf mindestens 27 erhöht. Von 103 weiteren Menschen sei der Verbleib nicht geklärt, wie die Behörden am Samstagabend mitteilten. Er hoffe jedoch, dass die meisten der potenziell Vermissten bisher einfach noch nicht erreicht werden konnten, sagte ein Sprecher des belgischen Krisenzentrums der Nachrichtenagentur AFP.

Das Krisenzentrum hatte die Zahl der infolge der Unwetter vermissten Menschen zuletzt am Freitag auf 20 beziffert. Von den Überschwemmungen seit Donnerstag betroffen waren rund 120 Gemeinden besonders im Osten des Landes. Inzwischen besserte sich das Wetter, und das ganze Ausmaß der Zerstörung wurde sichtbar. Die Regierung rief für Dienstag einen nationalen Trauertag aus.

Berliner Polizistinnen und Polizisten auf dem Weg ins Krisengebiet

20.55 Uhr: Auch die Polizei Berlin unterstützt die Rettungsarbeiten in den Hochwassergebieten. Nach einem Unterstützungsersuchen des Landes Rheinland-Pfalz befinde sich die 36. Einsatzhundertschaft auf dem Weg ins Krisengebiet, teilte die Senatsverwaltung für Inneres und Sport mit. Dort solle sie insbesondere bei der Suche nach Vermissten unterstützen.

Rettungswagen mit Demenzkranken aus Hochwassergebiet fängt Feuer

20.45 Uhr: Dramatische Sekunden in einem Rettungswagen, der zwei demenzkranke Senioren aus dem Ahrweiler Hochwassergebiet in Rheinland-Pfalz ins Krankenhaus nach Linz bringen sollte. Der Notarzt stoppte nach Angaben der Polizei das Fahrzeug, als starker Rauch aus dem Motorraum kam.

Wenig später begann der Rettungswagen zu brennen. Dem Notarzt und einer 24 Jahre alten Rettungssanitäterin gelang es jedoch, die Senioren aus dem völlig verrauchten Wagen zu retten. »Hierbei hob die Rettungssanitäterin die nicht gehfähige Seniorin kurzerhand hoch und trug sie aus dem Fahrzeug«, teilte die Polizei mit.

Die Rettungssanitäterin wurde mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Die beiden Senioren wurden nicht verletzt. Die Polizei vermutet einen technischen Defekt als Ursache für den Brand. Wegen der enormen Hitze seien zahlreiche Sauerstoffflaschen im Wagen explodiert – die Löscharbeiten gestalteten sich deshalb schwierig. »Durch die enorme Hitzeeinwirkung verschmolz der Rettungswagen teilweise mit der Fahrbahn, sodass der Abschlepper weiteres schweres Gerät nachordern musste, um den Rettungswagen zu befreien«, hieß es.

Laschet bittet um Entschuldigung

20.30 Uhr: CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat um Entschuldigung gebeten, weil er im Hintergrund lachte, während Bundespräsident Steinmeier den Flutopfern sein Beileid aussprach. Er bedaure den Eindruck, dieser sei durch eine »Gesprächssituation« entstanden, schrieb Laschet auf Twitter . »Dies war unpassend und es tut mir leid.« Das Schicksal der Betroffenen liege ihm am Herzen.

Allein in NRW 23.000 Einsatzkräfte im Einsatz

19.19 Uhr: In den betroffenen Gebieten sind Tausende Einsatzkräfte im Einsatz, noch immer versuchen sie Menschen aus gefährlichen Situationen zu retten oder helfen bei den Aufräumarbeiten. In Nordrhein-Westfalen halfen mehr als 23.000 Menschen aus. Dazu zählten neben Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) auch Beamte der Landespolizei, der Bundespolizei, der Bundeswehr sowie Einsatzkräfte aus Hessen, Niedersachsen und Hamburg. Auch der Einsatz in der Eifel ist komplex. Dieses Foto zeigt die Fahrzeuge der Helfer am Nürburgring.

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Merkel reist nach Schuld

19.17 Uhr: Bundeskanzlerin Merkel besucht morgen zusammen mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer das schwer getroffene Eifeldorf Schuld. Dort hatten die Wassermassen mehrere Häuser komplett fortgerissen, zahlreiche weitere wurden stark beschädigt. Der Ort mit 660 Einwohnern liegt im Ahrtal; im Kreis Ahrweiler kamen in der Hochwasserkatastrophe nach Angaben der Polizei vom Samstagnachmittag 98 Menschen ums Leben. Eine Reportage aus Schuld lesen Sie hier.

Großteil der betroffenen Häuser in Trier leergepumpt

19.12 Uhr: In dem vom Hochwasser massiv betroffenen Trierer Stadtteil Ehrang sind die Aufräumarbeiten ein gutes Stück vorangekommen. »Den Feuerwehren und dem THW gelang es, rund 650 von 700 betroffenen Häuser leer zu pumpen«, teilte die Stadt am Samstagabend mit. Derzeit werde davon ausgegangen, dass keines der Häuser einsturzgefährdet sei, diese Einschätzung könne sich aber noch ändern.

In Trier-Ehrang war am Donnerstag die Kyll über die Ufer getreten und hatte große Teile des Stadtteils überschwemmt. Etwa 1000 Einwohner wurden nach Angaben der Stadt Trier in Sicherheit gebracht. Zudem mussten ein Altenheim und ein Krankenhaus evakuiert werden. Am Samstag konnten die ersten Bewohner wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.

Klingbeil und Kühnert kritisieren Laschet

18.32 Uhr: Die Szene dauert nur wenige Sekunden: Bundespräsident Steinmeier spricht gerade den Opfern der Flutkatastrophe sein Beileid aus, Laschet steht im Hintergrund – und witzelt. Die Situation wurde gefilmt, tausendfach wird sie derzeit auf Twitter geteilt, auch von der SPD. Generalsekretär Klingbeil und Vize Kühnert kritisieren Laschet. Eine Frage des Charakters sei das, meint Kühnert. Klingbeil schrieb, er sei sprachlos.

Zahl der Toten steigt auf mindestens 143

18.28 Uhr: Die Zahl der Menschen, die in Deutschland bei der Flutkatastrophe ums Leben gekommen sind, ist auf mindestens 143 gestiegen. Im rheinland-pfälzischen Kreis Ahrweiler seien 98 Tote bestätigt, teilte die Polizei Koblenz am Samstagnachmittag mit. Aus Nordrhein-Westfalen wurden bislang 45 Opfer gemeldet.

Es wird befürchtet, dass noch weitere hinzukommen, weil einige Autowracks und vollgelaufene Keller noch nicht kontrolliert werden konnten. Hunderte Menschen wurden laut Polizei verletzt. Während sich das verheerende Hochwasser aus vielen Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz langsam zurückzieht, wird in den Trümmern weiterhin nach Todesopfern und Verletzten gesucht.

Mindestens vier Feuerwehrleute in NRW gestorben

17.29 Uhr: Bei den Hochwassereinsätzen in Nordrhein-Westfalen sind mindestens vier Feuerwehrleute ums Leben gekommen. Das teilte der Verband der Feuerwehren mit. Neben zwei in Altena und Werdohl verstorbenen Männern seien zwei weitere Todesfälle gemeldet worden. In Nettersheim (Kreis Euskirchen) sei ein Feuerwehrangehöriger bei einem Rettungseinsatz ums Leben gekommen. Ein weiterer Feuerwehrmann sei bei einem Einsatz in Rheinbach (Rhein-Sieg-Kreis) leblos aufgefunden worden und später im Krankenhaus verstorben.

»Die Betroffenheit in den Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus ist riesig. Wir alle werden das nach Ende der Einsätze erst verarbeiten müssen«, sagte der stellvertretende Verbandsvorsitzende Bernd Schneider.

Kuh wird 100 Kilometer von Hochwasser mitgetrieben

17.19 Uhr: Eine in den Niederlanden vom Hochwasser mitgerissene Kuh ist rund 100 Kilometer weiter aus der Maas gerettet worden. »Es ist für uns sehr überraschend, dass die Kuh so eine Strecke überstanden hat«, sagte ein Feuerwehrmann dem Sender Omroep Brabant am Samstag. »Ob das Tier die ganze Zeit mitgetrieben wurde, oder ob es auch Abschnitte gab, wo es mit den Füßen den Boden berührte, wissen wir nicht.«

Die schließlich im Uferbereich der Maas feststeckende Kuh wurde am Samstag in Escharen südlich der Grenzstadt Nimwegen gerettet, nachdem Anwohner die Hilfsdienste alarmiert hatten. Wie sich herausstellte, stammt die Kuh aus dem Ort Echt im Süden der Niederlande, rund 100 Kilometer entfernt. Ein Tierarzt untersuchte die Kuh vor Ort. Der Landwirt, dem das Tier gehört, machte sich auf den Weg, um seine Kuh abzuholen.

Behörden im Kreis Ahrweiler warnen vor Falschmeldung

16.51 Uhr: Im besonders schwer betroffenen Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz gibt es offenbar ein massives Problem mit Falschmeldungen, laut denen ein Damm gebrochen sei. Unbekannte würden mit Megafonen durch die Straßen fahren und das Gerücht verbreiten, teilte der Kreis laut SWR mit. Anwohner würden teilweise panisch aus ihren Häusern flüchten. Es handele sich aber um eine Falschinformation, ein Dammbruch könne nicht bestätigt werden. Auch die Polizei Koblenz warnt vor Falschmeldungen.

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Laschet besucht Notunterkunft

16.47 Uhr: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat am Samstag in Erftstadt eine Notunterkunft für Hochwasseropfer besucht. In der zum Aufenthaltsraum umfunktionierten Kantine eines Gymnasiums traf der CDU-Chef und Unions-Kanzlerkandidat mit etwa 20 Bewohnern zusammen. Dort waren Frauen mit Kindern, Paare und Alleinstehende versammelt.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) besucht mit Erftstadts Bürgermeisterin Carolin Weitzel eine Notunterkunft

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) besucht mit Erftstadts Bürgermeisterin Carolin Weitzel eine Notunterkunft

Foto: POOL / REUTERS

Nach Auskunft der Bürgermeisterin von Erftstadt, Carolin Weitzel, sind derzeit mehrere hundert Menschen in Notquartieren untergebracht. Nach seinem Besuch sah sich Laschet die Sammlung von Kleiderspenden für Betroffene in der Region an. Zuvor hatte er zusammen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Hochwasser-Retter von Feuerwehr und anderen Hilfsorganisationen getroffen.

Gefängnis wegen Hochwasser evakuiert

16.32 Uhr: Wegen der Unwetterkatastrophe muss auch die Justizvollzugsanstalt Euskirchen in Nordrhein-Westfalen weitgehend geräumt werden. Das bestätigte ein Sprecher der Landesjustizvollzugsdirektion dem SPIEGEL. Derzeit sei die Versorgung mit Strom und Wasser gestört, etliche Keller auf dem Gelände stünden unter Wasser. Betroffen sein sollen etwa 360 Insassen.

Ein Teil der Gefangenen sei in andere Anstalten in Nordrhein-Westfalen verlegt worden, für andere gebe es Vollzugslockerungen wie kurzfristig verlängerten Ausgang. Allerdings sei eine niedrige zweistellige Zahl von Häftlingen weiterhin in Euskirchen untergebracht, da bislang nicht die gesamte Anstalt von den Folgen des Hochwassers betroffen sei.

Kohlekraftwerk Weisweiler muss Leistung reduzieren

15.34 Uhr: Die Flutkatastrophe hat auch das Kohlekraftwerk Weisweiler und andere Standorte des Energiekonzerns RWE getroffen. Das Unternehmen rechnet mit Schäden im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Das Kraftwerk in Nordrhein-Westfalen sei durch die Überflutung des benachbarten Tagebaus Inden »massiv« beeinträchtigt worden, teilte der Konzern mit. Derzeitig arbeite man nur noch mit reduzierter Leistung. Ziel sei es, die Kohleförderung ab Ende kommender Woche schrittweise wieder aufnehmen zu können.

Auch die RWE-Wasserkraftwerke in der Eifel, an Mosel, Saar und Ruhr kämpften mit den Folgen des Hochwassers. Bis auf zwei Anlagen seien derzeit alle außer Betrieb, teilte das Unternehmen mit.

Nach dem Eindringen von Wasser in den nahegelegenen Tagebau ist die Arbeit im Kohlekraftwerk Weisweiler laut RWE »massiv beeinträchtigt«

Nach dem Eindringen von Wasser in den nahegelegenen Tagebau ist die Arbeit im Kohlekraftwerk Weisweiler laut RWE »massiv beeinträchtigt«

Foto: Alexander Forstreuter / dpa

Polizeihubschrauber und Hilfe aus Hessen

15.28 Uhr: Nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz will die Polizei mit Hubschraubern nach weiteren Opfern suchen. Das schwer zugängliche Gebiet im Kreis Ahrweiler werde dafür in Sektoren eingeteilt. Anhand von Luftaufnahmen könnte die Einsatzkräfte dann systematisch nach Personen suchen. Die Suche solle vorerst bis Sonntagabend andauern, hieß es.

Unterdessen schickt das Land Hessen rund 150 zusätzliche Helferinnen und Helfer in das Katastrophengebiet. »Aufgrund der nach wie vor katastrophalen Lage in verschiedenen Landkreisen hat der Krisenstab des Landes Rheinland-Pfalz die Bundesländer um Unterstützung gebeten«, teilte das Innenministerium in Wiesbaden mit. Sanitätseinheiten sollten mit 48 Fahrzeugen bei der Verlegung von Patientinnen und Patienten helfen. Nach Angaben wurden bislang insgesamt rund 900 hessische Einsatzkräfte nach Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen entsandt.

Zahl der Toten im Kreis Ahrweiler steigt auf 100

15.21 Uhr: Im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz gehen die Behörden nach SWR-Angaben inzwischen von mehr als 100 Toten aus. Dies hätten Landrat Jürgen Pföhler (CDU) und Landesfeuerwehrinspekteur Heinz Wolschendorf auf einer Pressekonferenz am Samstagmittag mitgeteilt. Die Einsatzkräfte gingen demnach davon aus, weitere Personen bei den Bergungsarbeiten zu entdecken. Bislang habe man mehr als 600 Verletzte geborgen, zudem gebe es 3.000 bis 3.500 Vermisstenmeldungen. Etwa 350 Bundeswehr-Soldaten unterstützten die Helfer vor Ort, so der Landrat.

Polizei warnt vor Betrügern

15.13 Uhr: Die Polizei in Koblenz hat im Internet davor gewarnt, sich im Zuge der Hochwasserkatastrophe von vermeintlichen Hilfsaktionen täuschen zu lassen. »Bitte fallt dabei nicht auf Betrüger rein und spendet nur an seriöse Organisationen«, hieß es in einer Kurzmitteilung. Als sicheres Angebot wird beispielsweise das kurzfristig eingerichtete Spendenkonto des Landes Rheinland-Pfalz empfohlen.

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Mindestens 27 Tote in Belgien, Evakuierungen in den Niederlanden

14.59 Uhr: Die Hochwasserkatastrophe hat in Belgien bislang mindestens 27 Tote gefordert. »Leider müssen wir damit rechnen, dass diese Zahl in den nächsten Stunden und Tagen weiter ansteigen wird«, hatte das nationale Krisenzentrum des Landes bereits am Vormittag mitgeteilt. Regierungschef Alexander De Croo rief für Dienstag einen nationalen Trauertag aus. Er besuchte gemeinsam mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Orte Rochefort und Pepinster, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Foto: JULIEN WARNAND / EPA

Unterdessen mussten auch in den Niederlanden tausende Menschen ihre Häuser verlassen. Davon betroffen ist unter anderem die Stadt Venlo im Süden des Landes mit 100.000 Einwohnern. Dort war bereits am Freitag ein Krankenhaus mit 200 Patienten vorsorglich evakuiert worden.

Evakuierungen an Steinbachtalsperre geplant

14.28 Uhr: Zeitweise schien es, als habe sich die Lage an der Steinbachtalsperre etwas entspannt. Doch die Bezirksregierung Köln weist solche Berichte jetzt zurück. Derzeit würden weitere Evakuierungen geplant. »Es droht weiterhin akute Überflutungsgefahr unterhalb der Steinbachtalsperre durch Versagen des Absperrdammes. Große Teile des Dammes sind durch Überströmung weggebrochen«, heißt es in einer aktuellen Mitteilung. Parallel laste durch den hohen Wasserstand weiterhin hoher Druck auf dem Damm.

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Eine Entwarnung kann nach Angabe der Bezirksregierung allerdings erst gegeben werden, wenn das Wasser des Sees zu zwei Dritteln entleert sei. Dies könne nach vorsichtiger Schätzung am Sonntagnachmittag gegen 15:00 Uhr erreicht sein. Bis dahin bestehe daher weiterhin akute Dammbruchgefahr.

Steinmeier und Laschet loben Zusammenhalt

14.26 Uhr: Bei seinem Besuch im besonders betroffenen Erftstadt sprach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Angehörigen und Bekannten von Todesopfern seine Anteilnahme aus. »Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz«, sagte Steinmeier. Viele hätten alles verloren, was sie sich ihr Leben lang aufgebaut hätten. »Den größten Verlust haben diejenigen zu tragen, die Angehörige verloren haben in den Fluten«, so Steinmeier weiter.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bezeichnete bei dem Besuch das Hochwasser als »Jahrhundertkatastrophe«. Es sei eine »nationale Aufgabe«, der betroffenen Region zu helfen. Land und Kommunen könnten diese Aufgabe nicht allein stemmen.

Foto: MARIUS BECKER / POOL / EPA

Ein Dorf versinkt im Schlamm

14.11 Uhr: Schuld in der Eifel war einmal ein idyllischer Ort. Doch nach dem Hochwasser ist das kleine Dorf in Rheinland-Pfalz nicht wiederzuerkennen. Mehrere Häuser fielen einfach in sich zusammen, andere wurden teilweise weggespült, wieder andere sehen nur noch aus wie ein Skelett. Der Verkaufsraum des ehemaligen »Frischemarkt Theissen« ist nur noch eine Schlammhalde:

Dort, wo früher der Gehweg war, ist heute ein Acker: Eines der vielen zerstörten Gebäude in Schuld in der Eifel

Dort, wo früher der Gehweg war, ist heute ein Acker: Eines der vielen zerstörten Gebäude in Schuld in der Eifel

Foto: Lukas Eberle / DER SPIEGEL

Nebenan, im früheren Hotel und Restaurant »Zum Ahrtal« drückte sich das Wasser auf der einen Seite durch die Scheiben des Speisesaals und brach auf der anderen Seite mit einem großen Stück Mauer wieder heraus. Wie lange die Aufräumarbeiten einmal dauern werden, lässt sich kaum sagen. SPIEGEL-Reporter Matthias Bartsch besuchte den Ort, der längst zu einem Symbol für die Wucht der Hochwasser-Katastrophe geworden ist. Hier lesen Sie seine Reportage:

Merkel und Seehofer kündigen Besuch in Katastrophengebiet an

13.37 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am Sonntag die vom Hochwasser betroffenen Gebiete in Rheinland-Pfalz besuchen. Dies bestätigte die Staatskanzlei in Mainz. Die Details würden noch geklärt.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will die Katastrophengebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz voraussichtlich am Montag besuchen. Geplant sind unter anderem Gespräche mit Verantwortlichen des Technischen Hilfswerks (THW) in Euskirchen und Ahrweiler, sowie ein Besuch in Einrichtungen des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Bürgermeister berichtet von Rettungsaktion

13.25 Uhr: Der Damm brach mitten in der Nacht, kurz darauf begann die Evakuierung von rund 700 Menschen in Ophoven in Nordrhein-Westfalen. Im SPIEGEL-Interview berichtet Bürgermeister Marcel Maurer jetzt von Schwierigkeiten bei der Rettungsaktion: »Viele sind nicht begeistert, dass sie ihre Häuser verlassen sollen. Vor allem, wenn die Situation noch nicht so dramatisch erscheint.«

Die Region sei sehr ländlich geprägt, gerade Landwirte hätten ihre Tiere nicht zurücklassen wollen, so der CDU-Politiker. »Viele Häuser wurden komplett überflutet, ein großer Teil der Ernte hier aus der Region ist vernichtet.«

Im Interview erklärt Maurer auch, welche Rolle geschlossene Schleusen in den Niederlanden gespielt haben könnten. Sie können das ganze Gespräch hier nachlesen:

Helfende schildern dramatische Szenen

13.05 Uhr: Beim Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in Erftstadt haben Hilfskräfte der DLRG von dramatischen Szenen berichtet. Zeitweise sei die Strömung so stark gewesen, dass selbst Boote nicht mehr sicher eingesetzt werden konnten.

Bei einem Rettungseinsatz in den vergangenen Tagen sei ein Boot »komplett gekentert und verloren gegangen«, berichtete ein Helfer. »Einige Personen waren noch nach fünf Stunden im Wasser.« Die Betroffenen seien schließlich mit dem Hubschrauber gerettet worden.

Steinmeier und Laschet in Erftstadt eingetroffen

12.43 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sind inzwischen zu ihrem angekündigten Besuch in Erftstadt eingetroffen. Die Stadt im Süden von Köln ist besonders stark von der Flut betroffen. Hier können Sie die Statements und Szenen des Besuchs im Livestream verfolgen:

Hilfsbereitschaft überfordert Einsatzkräfte

12.07 Uhr: Die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung überfordert zunehmend die Einsatzkräfte vor Ort. Die Kreisverwaltung im rheinland-pfälzischen Kreis Ahrweiler bat am Morgen via Twitter: »Bitte keine Hilfsangebote mehr an Feuerwehreinsatzzentrale Adenau melden«. Die Gemeindeverwaltung könne bereits jetzt »keine Sachspenden mehr annehmen«. Um die Hilfe besser organisieren zu können, habe man die örtliche Hotline bereits abgeschaltet, so der Kreis.

Auch in Nordrhein-Westfalen sorgt das Interesse der Öffentlichkeit inzwischen für Probleme. In Bonn bat die Polizei vorerst um Zurückhaltung: »Auch wenn es schwer zu ertragen ist: Die Hilfe der Bevölkerung direkt vor Ort muss noch warten.« Für Unterstützung in Form von Kleider- oder Möbelspenden sei es derzeit noch zu früh, hieß es auf Twitter. »Es geht jetzt um Wasser, Strom und Lebensmittel.«

Bundeswehr räumt zurückgelassene Fahrzeuge

11.41 Uhr: Auf der Bundesstraße 265 bei Erftstadt in Nordrhein-Westfalen haben Rettungskräfte mit Unterstützung der Bundeswehr damit begonnen, die von den Fluten eingeschlossenen Fahrzeuge mit Radpanzern zu bergen. »Wir versuchen Autos zu bergen, die bis zu zwölf Meter unter Wasser standen«, erklärte ein Feuerwehrsprecher SPIEGEL-Reporter Lukas Eberle vor Ort. »Die Bundeswehr ist mit einem Rettungspanzer im Einsatz, der hat eine Seilwinde, die 50 Tonnen schafft.«

Auf der B265 waren zahlreiche Fahrzeuge überspült worden. Eine Sprecherin des Rhein-Erft-Kreises hatte am Freitag gesagt, es sei unklar, ob alle Insassen es rechtzeitig aus ihren Wagen geschafft hätten, als sie von den Wassermassen überrascht wurden. Nun hieß es, Menschen seien in den Lastwagen und Autos bisher nicht entdeckt worden.

Der von der Unwetterkatastrophe besonders schwer getroffene Erftstadter Ortsteil Blessem wird unterdessen von einer Hundertschaft der Polizei gesichert. In Blessem waren mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg eingestürzt. Die Lage sei weiterhin angespannt, sagte ein Sprecher des Kreises.

Schneise der Verwüstung: Auf der B265 türmen sich Lkw und Autos im Wasser auf, wie dieses Bild von SPIEGEL-Reporter Lukas Eberle zeigt. Die Bundeswehr räumt jetzt mit schwerem Gerät.

Schneise der Verwüstung: Auf der B265 türmen sich Lkw und Autos im Wasser auf, wie dieses Bild von SPIEGEL-Reporter Lukas Eberle zeigt. Die Bundeswehr räumt jetzt mit schwerem Gerät.

Foto: Lukas Eberle / DER SPIEGEL

Rhein bei Köln erreicht Höchststand mit 8,06 Metern

11.13 Uhr: Das Rhein-Hochwasser hat bei Köln in der Nacht zum Samstag seinen Höchststand mit 8,06 Metern erreicht. Danach fiel laut städtischen Entwässerungsbetrieben der Wasserstand wieder. Für die kommenden Tage seien keine »abflusswirksamen Niederschläge« vorhergesagt, sodass der Pegel des Rheins in Köln voraussichtlich weiterhin fallen werde, hieß es.

Warnung vor freiliegenden Stromleitungen

10.50 Uhr: Nach der Hochwasserkatastrophe hat die Polizei in Rheinland-Pfalz wegen der zerstörten Infrastruktur vor den Gefahren freiliegender Stromleitungen gewarnt. »Unter Umständen können Stromleitungen auch noch aus mehreren Metern auch ohne direkten Kontakt lebensgefährlich sein«, teilte die Polizei am Samstag in Koblenz mit. Menschen in der betroffenen Region sollten großen Abstand halten und sich nicht in Gefahr bringen.

Ein Hubschrauber mit Fachleuten an Bord solle die Gefahr nun prüfen, sagte ein Sprecher.

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Polen bietet Hilfe an

10.45 Uhr: Polen hat sich angesichts der Hochwasserkatastrophe in Deutschland und anderen Ländern zur Unterstützung bereit erklärt. »Ich habe Kanzlerin Angela Merkel Hilfe angeboten. Sie hat mir sehr gedankt«, sagte Morawiecki am Samstag dem Sender Radio Olsztyn. Auch Belgien, das vom Hochwasser ebenfalls stark betroffen ist, habe man ein entsprechendes Angebot gemacht. Präsident Andrzej Duda hatte bereits am Freitag in einem Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Familien der Todesopfer und den vom Hochwasser Betroffenen seine Anteilnahme ausgesprochen.

Polizei warnt vor Gaffern

10.32 Uhr: Mit einem eindringlichen Appell hat sich die Polizei in Rheinland-Pfalz zum Start ins Wochenende über Twitter an potenzielle Hochwassertouristen und Gaffer gewandt. »Es ist nicht an der Zeit für Touren in einem Katastrophengebiet«, hieß es am Samstag von der Polizei in Mainz. Denn viele Menschen hätten dort gerade erst »großes Leid und Verluste erfahren«. In Koblenz warnte die Polizei zudem vor möglichen Risiken: »Ihr bringt Euch sonst selbst in Gefahr und blockiert Rettungswege«.

Während des Katastropheneinsatzes seit Donnerstag war es bereits zu Behinderungen durch Schaulustige gekommen.

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Bislang keine Toten in Erftstadt

10.11 Uhr: Im schwer vom Hochwasser betroffenen nordrhein-westfälischen Erftstadt-Blessem südlich von Köln ist die Rettungsaktion für Anwohner abgeschlossen. Das sagte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises. 170 Menschen seien teils mithilfe von Hubschraubern aus dem überfluteten Gebiet gerettet worden, über Schwerverletzte oder Tote sei bislang nichts bekannt. Es sei aber nicht auszuschließen, dass die Retter bei den Aufräumarbeiten noch Opfer finden könnten. Die Bundeswehr sei mit Bergungspanzern im Einsatz. Die Lage im Kreis habe sich insgesamt etwas entspannt, so der Sprecher. Der Pegel der Erft sei zuletzt wieder leicht gesunken.

Im Stadtteil Blessem waren mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg eingestürzt. »Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht«, hatte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag in Düsseldorf gesagt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet wollen Erftstadt am Samstagmittag einen Besuch abstatten.

Umweltministerin Schulze rechnet mit schnellen Hilfen

9.31 Uhr: Bundesumweltministerin Svenja Schulze rechnet mit schneller finanzieller Unterstützung für die vom Hochwasser Betroffenen. Ein Datum könne sie aber nicht nennen, sagte die SPD-Politikerin im Gespräch mit dem Sender WDR 5. Finanzminister Olaf Scholz sei in der Abstimmung mit den Ländern. »Wir werden eine Lösung finden«, so Schulze.

Es müsse geschaut werden, was noch mehr für die Vorsorge getan werden könne, so die Ministerin. In der Vergangenheit habe es auch viel Kritik an Hochwasserschutzmaßnahmen gegeben. »Jetzt sieht man, wie wichtig solche Investitionen sind.«

Zuvor hatte bereits Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) eine bessere Zusammenarbeit von Bund, Ländern, Kommunen und Hilfsorganisationen angekündigt. »Wir wissen, dass solche Extremwetterereignisse zunehmen werden. Daher brauchen wir entsprechende Anstrengungen beim Klimaschutz – in Deutschland, aber auch weltweit«, sagte Klöckner der Neuen Osnabrücker Zeitung. »Für bundesweite Krisenszenarien brauchen wir einen verlässlichen Rahmen.«

Kreis Ahrweiler startet Hotline für Notfallbetreuung und Hilfe

9.17 Uhr: Die Kreisverwaltung Ahrweiler hat für Hilfsangebote zwei eigene Telefonhotlines eingerichtet, die ab heute erreichbar sind. Der Landkreis in Rheinland-Pfalz ist mit bislang mindestens 90 Toten der vermutlich am schwersten von der Wetterkatastrophe betroffene.

Die Hotline »Beratung und Betreuung« vermittelt Hilfsangebote zur Betreuung von Kindern, Jugendlichen und Senioren. Sie ist unter der Rufnummer 02641 975 950 erreichbar. Die zweite Hotline »Hilfsangebote« vermittelt Sachspenden, Transport- und Logistikhilfen in die Region und kann unter der Rufnummer 02641 975 900 oder per E-Mail unter hochwasserhilfe@kreis-ahrweiler.de kontaktiert werden. Die beiden Hotlines sollen vorerst täglich von 9.00 bis 20.00 Uhr erreichbar sein.

Landesregierung von Rheinland-Pfalz sammelt Spenden

9.03 Uhr: Angesichts der Lage in den von der Unwetterkatastrophe betroffenen Gebieten hat die Landesregierung von Rheinland-Pfalz ein eigenes Spendenkonto eingerichtet. Die Spenden sollen beim Innenministerium gesammelt werden. »Aktuell erreichen uns zahlreiche Anfragen, wie die von der Unwetterkatastrophe in Rheinland-Pfalz betroffenen Menschen unterstützt werden können«, so Innenminister Roger Lewentz und Finanzministerin Doris Ahnen (beide SPD) in einer gemeinsamen Erklärung. »Das zeigt, dass die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung wirklich groß ist.«

Unter dem Kennwort »Katastrophenhilfe Hochwasser« können Spenden auf folgendes Konto bei der Sparkasse Mainz überwiesen werden:

Empfänger: Landeshauptkasse Mainz
IBAN: DE78 5505 0120 0200 3006 06
BIC: MALADE51MNZ

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Lage in Wassenberg weiter angespannt

7.57 Uhr: Nach dem Bruch eines Deichs der Rur ist im nordrhein-westfälischen Wassenberg (Kreis Heinsberg) der Stadtteil Ophoven evakuiert worden. Die Lage war am frühen Morgen laut Mitteilung der Stadt weiter angespannt. Der zuständigen Kreispolizei Heinsberg und der Bezirksregierung Köln waren am Morgen aber keine besonderen Vorkommnisse aus der Nacht bekannt.

Wie die Bezirksregierung am Freitagabend mitgeteilt hatte, waren rund 700 Anwohner von der Evakuierung betroffen. Für zwei weitere Stadtteile – Effeld und Steinkirchen – gab es in der Nacht weiter eine Vorwarnung, dass es zur Evakuierung kommen könnte. »Insgesamt stagnieren die dortigen Wasserpegel derzeit«, teilte die Stadt Wassenberg am frühen Samstagmorgen mit.

Wie groß der Schaden durch den Dammbruch ist, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Rur hat ihre Quelle in der Eifel und mündet bei Roermond in den Niederlanden in die Maas. Laut WDR sieht Wassenbergs Bürgermeister Marcel Maurer (CDU) einen möglichen Grund für den Dammbruch auf niederländischer Seite: Dort seien Schleusenklappen geschlossen worden, sodass es zum Rückstau der Wassermassen gekommen sei.

Bundespräsident auf dem Weg in den Rhein-Erft-Kreis

7.51 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt am Samstag in den von der Flutkatastrophe besonders hart getroffenen Rhein-Erft-Kreis (Nordrhein-Westfalen). Nach Angaben des Bundespräsidialamtes besucht Steinmeier am Mittag (12.30 Uhr) zusammen mit Ministerpräsident Laschet Erftstadt, wo in den vergangenen Tagen zahlreiche Häuser und Autos weggespült worden waren. Er will sich in der Feuerwehrleitzentrale ein Bild von der aktuellen Lage machen und mit Rettungskräften sprechen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel plant einen baldigen Besuch in der schwer verwüsteten Region in Rheinland-Pfalz. Bei einer Videokonferenz mit der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen hatte sie am Freitag kurz- und langfristige Unterstützung durch den Bund für die betroffenen Menschen zugesichert.

Aufnahme aus Erftstadt-Blessem: In dem Stadtteil hat es einen massiven Erdrutsch gegeben. Die Behörden sprechen von mehreren Todesopfern.

Aufnahme aus Erftstadt-Blessem: In dem Stadtteil hat es einen massiven Erdrutsch gegeben. Die Behörden sprechen von mehreren Todesopfern.

Foto: Christoph Reichwein (crei) / imago images/Reichwein

Zahl der Toten steigt auf über 130

7.39 Uhr: Die Zahl der Toten nach der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands steigt weiter an und liegt mittlerweile bei über 130. Allein im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz sind nach Angaben der Polizei über 90 Menschen ums Leben gekommen. Es sei zu befürchten, dass noch weitere Todesopfer hinzukommen könnten, teilte die Polizei Koblenz am Samstag mit. In Nordrhein-Westfalen gab es nach Angaben des NRW-Innenministeriums landesweit mindestens 43 Todesopfer und viele Verletzte.

Hotline zur Vermisstensuche

7.16 Uhr: Weil in etlichen Ortschaften weiterhin das Strom- und Telefonnetz ausgefallen ist, hat die Polizei in Rheinland-Pfalz eine Hotline eingerichtet: Angehörige, Freunde oder Bekannte, die jemanden vermissen, können sich unter der Rufnummer 0800 6565651 melden. Die Hotline sei rund um die Uhr erreichbar und nehme jeden Hinweis entgegen.

Die Polizei war in der Nacht nach Angaben des Präsidiums mit vielen Einsatzkräften in den betroffenen Ortslagen im Einsatz. Durch das Unwetter seien viele Straßen im Ahrtal weiterhin gesperrt oder nicht mehr befahrbar. Die Polizei bittet darum, das Ahrtal weiträumig zu umfahren. Rettungswege müssen für Rettungskräfte frei gehalten werden.

Weiterhin örtliche Gewitter möglich

7.01 Uhr: Laut Frühwarnprognose des Landesamts für Umwelt Rheinland-Pfalz verringerte sich die Hochwassergefahr zuletzt. Die Wetterlage hat sich entspannt. Es bleibt aber wechselhaft, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte. Daher könne es auch weiter zu örtlichen Gewittern mit Starkregen kommen. Erst am Wochenende sollen die Niederschläge aufhören.

Generalinspekteur der Bundeswehr: »Solche Zerstörungen noch nicht gesehen.«

6.49 Uhr: »Die Verwüstung nach den Unwettern raubt selbst erfahrenen Soldaten den Atem«, sagte Eberhard Zorn dem SPIEGEL. Der Generalinspekteur der Bundeswehr begleitete den ganzen Freitag lang mit dem Helikopter den Rettungseinsatz seiner Soldaten. Aus der Luft beobachtete der Viersterne-General zum Beispiel in Altenahr, wie Soldaten mit drei NH90-Helikoptern und geländegängigen Lastern die Bewohner eines Altenheims vor den Fluten rettete, anders war das Gebäude nicht mehr zu erreichen.

Fahrzeuge der Bundeswehr rücken in Altenahr an, um die Rettungsdienste zu unterstützen

Fahrzeuge der Bundeswehr rücken in Altenahr an, um die Rettungsdienste zu unterstützen

Foto: Thomas Frey / dpa

Von den Schäden war Zorn regelrecht schockiert. »Meine Soldaten und ich haben solche Zerstörungen noch nicht gesehen, selbst bei den Auslandseinsätzen nicht«, sagte der General dem SPIEGEL am Freitagabend. Den betroffenen Gebieten versprach der ranghöchste deutsche Soldat weitere Hilfe der Truppe. »Wir werden so lange da sein, wie wir gebraucht werden«, sagte Zorn. In den kommenden Tagen sollen dazu vor allem Pionierkräfte mobilisiert werden, um die vielen von den Wassermassen zerstörten Brücken mit Provisorien zu ersetzen.

Polizei befürchtet weitere Todesopfer im Kreis Ahrweiler

6.20 Uhr: Nach der Hochwasserkatastrophe im Großraum Ahrweiler ist die Zahl der Todesopfer bis Samstagmorgen nach Polizeiangaben auf über 90 gestiegen. Es sei zu befürchten, dass noch weitere Todesopfer hinzukommen, teilte die Polizei am Samstagmorgen mit. Insgesamt liege dem Polizeipräsidium die Meldung über insgesamt 618 Verletzte vor. Auch diese Zahl könne sich noch weiter erhöhen. Mehr als zwei Tage nach dem Unglück werden noch Menschen vermisst. In vielen Ortschaften gebe es immer noch kein Strom oder Telefon. Eine Vielzahl der Straßen im Ahrtal seien gesperrt oder nicht befahrbar.

tfb/slü/dpa/Reuters/AFP
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