+++ Unwetter-Update +++ Rur-Damm in Ophoven gebrochen

Im Kreis Heinsberg hat ein Damm den Wassermassen nicht mehr standgehalten. In Westdeutschland sind mehr als 100.000 Menschen ohne Strom. Bundespräsident Steinmeier reist nach Erftstadt. Der Überblick.
An der Rurtalsperre wird am Freitagnachmittag Wasser abgelassen. Ein Bersten an dieser Stelle konnte so vermieden werden

An der Rurtalsperre wird am Freitagnachmittag Wasser abgelassen. Ein Bersten an dieser Stelle konnte so vermieden werden

Foto: INA FASSBENDER / AFP

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.

+++ Damm in Ophoven gebrochen +++

23.34 Uhr: Im Kreis Heinsberg ist nach der Unwetterkatastrophe der vergangenen Tage ein Damm der Rur gebrochen. Nach Informationen der Bezirksregierung Köln haben Rettungskräfte damit begonnen, in Wassenberg den Ortsteil Ophoven zu evakuieren.

Betroffen sind laut der Mitteilung via Twitter vom späten Freitagabend rund 700 Einwohner. Wie groß der Schaden durch den Dammbruch ist, ist derzeit noch nicht bekannt. Die Rur hat ihre Quelle in der Eifel und mündet bei Roermond in den Niederlanden in die Maas.

Welche Orte sind betroffen?

Steinbachtalsperre – Grundablass nicht mehr verstopft

21.20 Uhr: Die Lage an der Steinbachtalsperre entspannt sich nach Auskunft des Kreises Euskirchen (Nordrhein-Westfalen) weiter. Nach Informationen der Bezirksregierung Köln ist der bislang nach der Hochwasserkatastrophe verstopfte Grundablass der Talsperre jetzt freigelegt, wie es in einer Mitteilung von Freitagabend hieß. Über diese Öffnung kann jetzt Wasser kontrolliert abgelassen werden, um den Druck auf dem Bauwerk zu senken.

Das Technische Hilfswerk (THW) pumpte zusätzlich Wasser ab. Am Nachmittag hatte der Kreis gemeldet, dass eine Drohne keine kritischen Risse an dem Bauwerk entdeckt hatte. Der Kreis schätzte die Lage aber weiterhin kritisch ein.

Das THW pumpt an der berstend vollen Steinbachtalsperre Wasser ab

Das THW pumpt an der berstend vollen Steinbachtalsperre Wasser ab

Foto: Jonas Güttler / dpa

Die Orte Swisttal und Rheinbach unterhalb der Talsperre an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz bleiben evakuiert. Der Kreis warnte die Bewohner davor, in die Häuser zurückzukehren. »Wenn Sie Ihr Zuhause noch nicht verlassen haben, tun Sie dies unbedingt«, hieß es in der Mitteilung.

Merkel informiert sich per Videoschalte über Lage in NRW

21.05 Uhr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Freitagabend in einer Videokonferenz von der Koordinierungsgruppe des nordrhein-westfälischen Innenministeriums über die aktuelle Lage im Katastrophengebiet informieren lassen. Laut einer Sprecherin der Bundesregierung waren auch Ministerpräsident Armin Laschet und Innenminister Herbert Reul (beide CDU) beim Gespräch mit der Kanzlerin dabei. Merkel sicherte dabei kurz- und langfristige Unterstützung durch den Bund für die betroffenen Menschen in den Hochwassergebieten zu.

Bundespräsident Steinmeier kommt nach Erftstadt

20.22 Uhr Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kommt am Samstag in den von der Unwetterkatastrophe besonders getroffenen Rhein-Erft-Kreis. Nach Angaben der NRW-Staatskanzlei besucht das Staatsoberhaupt am Mittag zusammen mit Ministerpräsident Armin Laschet Erftstadt, wo zahlreiche Häuser und Autos weggespült worden waren.

Steinmeier will sich in der Feuerwehrleitzentrale ein Bild von der aktuellen Lage machen und mit Rettungskräften sprechen. Ein Besuch Steinmeiers in den betroffenen Flutgebieten von Rheinland-Pfalz ist nach Angaben einer Sprecherin der Mainzer Staatskanzlei vom Freitagabend derzeit nicht geplant.

Suche nach RWE-Mitarbeiter »leider ohne Erfolg«

19.12 Uhr: Der Energiekonzern RWE hat die Suche nach einem im Tagebau Inden von Wassermassen mitgerissenen Mitarbeiter vorerst beendet. Alle Anstrengungen, den 58-Jährigen zu finden, »sind leider ohne Erfolg geblieben«, teilte der Konzern mit .

Es könne vermutlich nicht mehr davon ausgegangen werden, dass der Mann noch lebe. In den kommenden Tagen werde weiter versucht, den Mitarbeiter zu bergen.

Die Hochwasser führende Inde hatte bei Lamersdorf in Nordrhein-Westfalen einen Deich überspült und war anschließend in den Tagebau eingedrungen. Der Mann, der bei einer Partnerfirma beschäftigt war, wurde demnach von den Wassermassen mitgerissen.

Am Donnerstag und Freitag sei stundenlang mit Hilfe von Drohnen, einem Polizeihubschrauber, einer Hundestaffel und einem Suchboot nach dem Vermissten gesucht worden. RWE zeigte sich »tief erschüttert über das tragische Geschehen«.

NRW ermöglicht steuerliche Unterstützung für Flutopfer

18.48 Uhr: Nordrhein-Westfalens Finanzverwaltung hat einen Katastrophenerlass in Kraft gesetzt. Laut Mitteilung  sind mit dem Erlass mehr als 30 steuerliche Unterstützungsmaßnahmen für von dem Unwetter betroffene Bürger möglich. So können die Wirtschaft und Privatpersonen Sonderabschreibungsmöglichkeiten für den Wiederaufbau nutzen. Auch die Wiederbeschaffung von Hausrat und Kleidung sowie die Beseitigung von Schäden am selbst genutzten Wohneigentum kann als außergewöhnliche Belastung steuerlich berücksichtigt werden.

Die Finanzämter sollen den betroffenen Steuerzahlern mit Stundungen von Steuern und geminderten Vorauszahlungen entgegenkommen. »Mit den Maßnahmen aus dem Katastrophenerlass können wir schnell und unbürokratisch dort helfen, wo Hilfe dringend benötigt wird. Die unmittelbare Unterstützung für betroffene Bürgerinnen und Bürger steht für uns an erster Stelle«, sagteFinanzminister Lutz Lienenkämper (CDU).

Auch in den Niederlanden fliehen Menschen vor dem Hochwasser

18.35 Uhr: Wegen des Hochwassers verlassen in den Niederlanden Tausende Menschen ihre Häuser im Süden des Landes und bringen sich in Sicherheit. Unter anderem ist die Stadt Venlo mit rund 100.000 Einwohnern von Überschwemmungen betroffen. Am Abend soll ein Teil der Stadt evakuiert werden, teilt die Verwaltung mit.

Zuvor hatten Familien in der Stadt Meerssen und deren Umgebung wegen eines Deichbruchs ihre Häuser verlassen müssen. Notfalldienste warnten, die Wassermassen drohten mehrere Dörfer zu überschwemmen. Ministerpräsident Mark Rutte erklärte das Hochwasser in der Provinz Limburg zu einer nationalen Katastrophe.

Reul ordnet Trauerbeflaggung für Nordrhein-Westfalen an

18.27 Uhr: Zum Gedenken an die Opfer der Unwetterkatastrophe werden die Fahnen an zahlreichen Gebäuden in Nordrhein-Westfalen bis Montag auf Halbmast wehen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) ordnete für alle Dienstgebäude des Landes, der Gemeinden und Gemeindeverbände Trauerbeflaggung an, wie das Innenministerium mitteilte .

Weiterhin mehr als 100.000 Menschen ohne Strom

18.21 Uhr: Im Westen Deutschlands sind noch rund 102.000 Menschen ohne Strom. Das Unwetter und die daraus entstandenen Überflutungen sorgten weiterhin für Ausfälle in der Stromversorgung in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, teilte der zum Eon-Konzern gehörende Energieversorger Westenergie  in Essen mit.

Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, die Stromversorgung wiederherzustellen. Etwa zehn Umspannanlagen des Verteilnetzbetreibers Westnetz seien derzeit aber noch von den Überschwemmungen direkt betroffen. Einzelne Anlagen seien nach wie vor schwer erreichbar, in anderen stehe immer noch das Wasser.

Bevor sie wieder in Betrieb genommen werden könnten, müssten sie geprüft und gereinigt werden. Bei größeren Schäden an den Umspannanlagen werde daran gearbeitet, die Stromversorgung über Umschaltungen aus anderen Anlagen oder durch Notstromaggregate wieder herzustellen.

In der Spitze lag die Zahl der nicht mit Strom versorgten Menschen laut Westenergie sogar bei 200.000. Doch sei es durch die Wiedereinschaltung von Anlagen, Umleitungen und Notstromaggregate mittlerweile gelungen, in zahlreichen Fällen die Stromversorgung wieder herzustellen.

Belgien ruft Staatstrauertag für Dienstag aus

17.42 Uhr: Wegen der verheerenden Unwetter im Osten Belgiens wird am Dienstag ein Staatstrauertag begangen. Das kündigte Ministerpräsident Alexander De Croo auf Twitter an. Er schrieb, es sei »ein Tag zum Gedenken an die zahlreichen verlorenen Menschenleben. Aber auch als Dank für die gelebte Solidarität, Nähe und Verbundenheit.«

Auch in Belgien hatten Starkregen und Überschwemmungen mehr als 20 Todesopfer gefordert und massive Schäden angerichtet.

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Bundesamt für Katastrophenschutz: »Wir können nicht warten, bis wir klimapolitisch erfolgreich sind«

17.12 Uhr: Der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, hat massive Investitionen in die Krisenvorsorge gefordert. »Durch Corona und die jüngsten Unwetter ist in sehr kurzer Zeit sehr klar geworden, dass Fragen der akuten Krisenvorsorge mit der gleichen Priorität behandelt werden müssen wie der Kampf gegen den Klimawandel«, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

»Das Problem des Klimawandels können wir allein ohnehin nicht lösen«, so Schuster. »Und so lange wir keine Lösungen haben, müssen wir mit voller Kraft in Bevölkerungsschutz, Resilienz und Krisenvorsorge investieren.« Dazu brauche es jetzt einen gemeinsamen politischen Willen. »Wir können nicht warten, bis wir klimapolitisch erfolgreich sind.«

Merkel erwägt baldigen Besuch in Katastrophengebiet

17.04 Uhr: Möglicherweise besucht die Bundeskanzlerin bald das Katastrophengebiet in Rheinland-Pfalz. Wie der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, nach der Teilnahme Angela Merkels (CDU) an einer Videokonferenz des Landeskrisenstabs mitteilte, ist die sie mit der Landesregierung darüber im Gespräch.

Merkel habe sich bei Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Vertretern der Einsatzkräfte und Landesministerien über die aktuelle Lage in den Katastrophengebieten und den Stand der Rettungsarbeiten informiert. Die Bundeskanzlerin habe den betroffenen Menschen in Rheinland-Pfalz die kurz- ebenso wie langfristige Unterstützung des Bundes zugesichert.

Luxemburgs Flughafen hat wieder genug Kerosin

16.52 Uhr: Nach schweren Überschwemmungen vom Donnerstag schien dem Flughafen Luxemburg der Sprit auszugehen. Die Pipeline, die den Airport mit Kerosin versorgt, sei unterbrochen, teilte die Regierung mit. Die insgesamt mehr als 5000 Kilometer lange Leitung, das wichtigste derartige Leitungssystem der Nato, funktioniere vermutlich auf deutscher Seite bei Echternacherbrück nicht mehr. Wahrscheinlich sei ein Ventil defekt. Später teilte das Mobilitätsministerium in Luxemburg aber mit: »Die Versorgung wurde am späten Vormittag des 16. Juli 2021 wiederhergestellt.«

Auch der Eifelkreis Bitburg-Prüm gab Entwarnung. Es konnten keine Beschädigungen festgestellt werden, wie die Verwaltung in Bitburg mitteilte. Es komme aber an vielen Flughäfen zu Einschränkungen der Kerosinversorgung, da durch den hochwasserbedingten Stromausfall die Pumpstationen teilweise ausgefallen seien.

Das Ende der 1950er-Jahre von der Nato geschaffene »Central European Pipeline System« (CEPS) versorgt heute auch die zivilen Flughäfen von Amsterdam, Brüssel, Frankfurt, Luxemburg und Zürich mit Treibstoff.

Bonn und Köln vermitteln Unterkünfte für Flutopfer

16.46 Uhr: Die Städte Köln und Bonn haben Unterkünfte für Evakuierte bereitgestellt. Nach einem Hilfeersuchen der Bürgermeisterin von Erftstadt, Carolin Weitzel, habe Köln zum Beispiel 250 Unterbringungsplätze eingerichtet. »Es ist selbstverständlich, dass wir besonders betroffenen Bewohner*innen aus dem Nachbarkreis Rhein-Erft nach diesem Katastrophenfall auf schnellstem Wege helfen und sie unterstützen«, sagte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

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Zahl der Todesopfer in NRW und Rheinland-Pfalz liegt mindestens bei 106

16.31 Uhr: Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD) und der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet (CDU), sprachen von einer Katastrophe historischen Ausmaßes.

Dreyer bezifferte die Zahl der Toten in Rheinland-Pfalz auf mindestens 60, ein Sprecher des Landesinnenministeriums sprach am Freitagnachmittag von mindestens 63 Toten. Darunter waren auch zwölf Bewohner eines Behindertenwohnheims in Sinzig, die nicht mehr evakuiert werden konnten und hilflos ertranken. Laschet bezifferte die Zahl der Toten in Nordrhein-Westfalen auf mindestens 43.

Weitere Niederländer müssen Häuser wegen Hochwassers verlassen

16.27 Uhr: Zum Schutz vor der Hochwasserwelle haben im Süden der Niederlande am Freitag zahlreiche Menschen ihre Häuser und Wohnungen in Orten entlang der Maas verlassen müssen. Nachdem die Fluten ein Loch in den Deich eines Kanals bei Maastricht gerissen hatten, heulten die Sirenen, wie die Behörden mitteilten. In Venlo an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen wurde ein Krankenhaus mit 200 Patienten vorsorglich evakuiert. Soldaten und Einsatzkräfte verstärkten Deiche an der Maas und kleineren Flüssen in der Region mit Sandsäcken. Die zahlreichen Schaulustigen wurden aufgerufen, zu Hause zu bleiben und die Einsatzkräfte nicht zu behindern.

Ein überfluteter Campingplatz im niederländischen Roermond. Der Fluss Maas erreichte ein Rekordhoch

Ein überfluteter Campingplatz im niederländischen Roermond. Der Fluss Maas erreichte ein Rekordhoch

Foto: imago images/ANP

Tausende Einwohner von Maastricht und angrenzenden Orten, die sich am Vorabend bereits in Sicherheit gebracht hatten, konnten am Freitag wieder in ihre Wohnungen zurückkehren. Zwar kam es oft nicht zu den befürchteten verheerenden Überflutungen, die Wassermassen richteten aber Schäden an. Berichte über Verletzte gab es nicht. Zuvor gesperrte Autobahnen wurden meist wieder freigegeben. In der Nacht zum Freitag hatte die Maas unweit der belgischen Grenze ihren höchsten Wasserstand seit Beginn der Aufzeichnungen 1911 erreicht. Am Vormittag sank der Pegelstand dort wieder. In Roermond weiter nördlich wurde der Höchststand am Freitagnachmittag und in Venlo in der Nacht zum Samstag erwartet.

Die Bilder der Flutkatastrophe

16.07 Uhr: Mehr als hundert Personen starben, Dutzende werden noch vermisst, Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz. Der Westen Deutschlands kämpft mit den Folgen der Flutkatastrophe. Die Bilder.

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Die Bilder der Flutkatastrophe

Foto: Sebastian Schmitt / dpa

Mindestens 362 Verletzte bei Unwetterkatastrophe im Kreis Ahrweiler

15.45 Uhr: Bei der Unwetterkatastrophe im Kreis Ahrweiler sind mindestens 362 Menschen verletzt worden. Diese Zahl könne sich aber noch weiter erhöhen, teilte die Polizei am Freitag mit. Dies gelte auch für die Toten, die das Innenministerium zuletzt mit 63 angegeben hatte.

Infolge des Unwetters sind weiterhin die Bundesstraße 257 ab Hönningen bis Ahrbrück sowie mehrere Land- und Kreisstraßen nicht befahrbar. Die Polizei ruft die Bevölkerung auf, die vom Hochwasser betroffenen Ortschaften nicht aufzusuchen, sondern weiträumig zu umfahren, damit Platz für die Rettungskräfte ist.

Bad Neuenahr im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz

Bad Neuenahr im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz

Foto: FRIEDEMANN VOGEL / EPA

In allen Ortschaften seien Tag und Nacht Polizeikräfte für die Menschen präsent und ansprechbar.

»Das große Maß an Solidarität und die vielen Hilfsangebote aus der Bevölkerung beeindrucken uns sehr und zeigen die bundesweite Betroffenheit«, heißt es in der Mitteilung. Die Polizei appellierte an die Menschen im Katastrophengebiet: »Passen Sie auf sich auf und vertrauen Sie auf die Arbeit der Rettungskräfte.«

Baerbock reist ins Katastrophengebiet

15.38 Uhr: Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, ist auf dem Weg ins Katastrophengebiet in Westdeutschland. Das bestätigte eine Parteisprecherin. Baerbock sei wie angekündigt vorzeitig aus ihrem Urlaub zurückgekehrt. »Sie wird sich in der Region in Gesprächen über die Lage informieren und sich ein Bild machen«, sagte die Sprecherin. Ein großes Statement und Pressetermine soll es aber nicht geben.

Geplant ist demnach unter anderem ein Gespräch mit der rheinland-pfälzischen Umweltministerin von den Grünen, Anne Spiegel. Wohin genau Baerbock außerdem unterwegs ist, gab die Partei nicht bekannt. »Diese Termine werden aber ausdrücklich ohne Pressebegleitung stattfinden«, sagte eine Parteisprecherin.

Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock

Die Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock

Foto:

Bernd von Jutrczenka / dpa

Vorstellbar wären Besuche in Bonn oder Wuppertal, wo mit Katja Dörner und Uwe Schneidewind jeweils grüne Bürgermeister regieren, die unmittelbar Verantwortung für Krisenbewältigung tragen.

Baerbocks Konkurrenten um das Kanzleramt, Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) waren bereits gestern in die von Überflutungen schwer betroffenen Gebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gereist. Laschet trägt aber als Ministerpräsident in NRW unmittelbar Verantwortung für die Nothilfe, Scholz als Bundesfinanzminister mittelbar auch.

Welle der Hilfsbereitschaft blockiert offenbar Leitungen der Behörden

15.25 Uhr: Die Bürgermeisterin von Bonn, Katja Dörner (Grüne), hat sich für die große Hilfsbereitschaft bedankt. Zugleich bat sie darum, keine Angebote für Unterkünfte mehr zu melden. »Wir brauchen die Leitungen und unsere Kapazitäten jetzt, damit die Hilfesuchenden uns erreichen und wir sie in die Unterkünfte vermitteln können!«, schrieb sie auf Twitter.

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Auch die Polizei Koblenz  wies darauf hin, dass eine spezielle Telefonhotline nur für Vermisstenanzeigen und Hinweise aus der Bevölkerung gedacht sei.

Sind die extremen Regenfälle Wetterphänomene – oder doch Klima?

15.13 Uhr: Forscher haben die Zunahme solcher Ereignisse schon vor 30 Jahren als Folge von Erderwärmung prognostiziert. Inzwischen belegen Messdaten den Zusammenhang. Das schreibt der Klimaforscher Stefan Rahmstorf in einem Gastbeitrag für den SPIEGEL.

Welchen Anteil die verschiedenen Prozesse am aktuellen Hochwasser haben, könnte erst die weitere wissenschaftliche Analyse zeigen. Doch klar sei: »Extremregen nimmt zu, und wir sind in Deutschland keineswegs vor den Folgen der Erderhitzung gefeit. Man könnte deswegen auch sagen: Klimaschutz ist auch Heimatschutz«, schreibt Rahmstorf.

»Klimaschutz ist auch Heimatschutz«

Rahmstorf ist Klima- und Meeresforscher und leitet die Abteilung Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Seit 2000 ist er zudem Professor für Physik der Ozeane an der Universität Potsdam. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Paläoklimaforschung, Veränderungen von Meeresströmungen und Meeresspiegel sowie Wetterextreme.

Fridays for Future kündigt Klimastreiks in mehr als 40 Orten an

15.09 Uhr: Angesichts der schweren Unwetter im Westen Deutschlands hat die Klimaschutzbewegung Fridays for Future Streiks in mehr als 40 Orten angekündigt. »Das Ausmaß der Zerstörung macht sprachlos«, schrieb die Klimaaktivistin Luisa Neubauer auf Twitter. Die Streiks am Freitag fänden auch in Solidarität mit denen statt, »die so viel verloren haben«.

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»Diese Katastrophen müssen politische Konsequenzen haben«, schrieb Neubauer weiter. Als Reaktion auf die schweren Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit inzwischen mehr als hundert Todesopfern hatten auch Politiker mehrerer Parteien verstärkten Klimaschutz gefordert.

DFB und die Deutsche Fußball Liga wollen Hilfsfonds einrichten

15.04 Uhr: Der Deutsche Fußball-Bund und der Bundesliga-Verband DFL richten einen drei Millionen Euro schweren Hilfsfonds für die Opfer der Flutkatastrophe ein. Wie schon nach dem Hochwasser im Jahr 2013 wolle man gemeinsam einen finanziellen Beitrag zur Flutopferhilfe leisten, teilen der DFB und der Verband der 36 Klubs der 1. Bundesliga und 2. Bundesliga mit. »Dies wird das menschliche Leid nicht mildern können. Wir hoffen aber, damit gemeinsam wenigstens an einigen Stellen unterstützen zu können. Solidarität in dieser Krisensituation halten wir für selbstverständlich«, heißt es in einer Erklärung. Darüber hinaus habe der DFB auch den europäischen Fußballverband Uefa kontaktiert, der ebenfalls Unterstützung zugesagt habe.

Gasleitung im Kreis Erftstadt gerissen

15.03 Uhr: Der Versorger Energienetze Mittelrhein hat die Situation nach der Hochwasserkatastrophe im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz als dramatisch bezeichnet. »Die Gasleitung ist komplett gerissen. Wirklich zerstört«, sagte Unternehmenssprecher Marcelo Peerenboom am Freitag. Mehrere Kilometer Leitung müssten komplett neu gebaut werden. »Das wird leider Wochen oder Monate dauern, bis dort wieder Gasversorgung ist. Das heißt für die Bürger: kaltes Wasser, und wenn die Heizperiode kommt, auch kalte Wohnung.«

Das Unternehmen denke darüber nach, wie den Menschen geholfen werden könne. Derzeit komme der Versorger jedoch nicht einmal an alle Schadensstellen heran. »Eine Gasregelstation zum Beispiel liegt komplett unter Wasser«, sagte Peerenboom. »Da müssen wir warten, bis Monteure an die Anlagen kommen.« Dann könne man sich ein komplettes Bild von der Lage machen. »Bis dahin können Sie nur schätzen.«

Zur Stromversorgung im Kreis Ahrweiler hatte das Unternehmen Westnetz von erheblichen Beschädigungen an den Verteilungsanlagen durch Starkregen und Überschwemmungen gesprochen. Zahlreiche Städte und Ortsgemeinden seien von Stromausfällen betroffen. »Die Arbeiten und Erreichbarkeit der Stromanlagen werden zum Teil durch überflutete Straßen erschwert«, hieß es in einer Mitteilung. Eine Aussage zur Wiederaufnahme der kompletten Versorgung sei vorerst nicht möglich.

Bei den schweren Unwettern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz starben bereits mehr als hundert Menschen. Es handelt sich um eine der größten Unwetterkatastrophen der Nachkriegszeit in Deutschland. Obwohl die Rettungsmaßnahmen noch voll im Gange waren, lag die Zahl der Toten bereits deutlich höher als beim sogenannten Jahrhunderthochwasser des Jahres 2002, bei dem in Deutschland 21 Menschen starben.

Betroffene von Trier-Ehrang sollen nur kurz in ihre Häuser

14.27 Uhr: Trotz abfließenden Wassers sollen die Bewohner von Trier-Ehrang noch nicht in ihre Häuser zurückkehren. Noch könne nicht abschließend beurteilt werden, ob alle von Flutschäden betroffenen Häuser im Ortskern standsicher seien, teilte die Stadt Trier mit. Dies solle zunächst von Statik-Experten geprüft werden. Dennoch: Bürgern werde das kurzfristige Begehen von Wohnungen ermöglicht, um wichtige persönliche Dinge wie Handys oder Geldbeutel herauszuholen.

»Wer nicht unbedingt in sein Haus muss, sollte warten, bis die Lage gesichert ist und die Straßen wieder begehbar sind«, sagte Baudezernent Andreas Ludwig (CDU). Die Polizei sei mit Einsatzkräften vor Ort und achte verstärkt darauf, dass sich nicht Unbefugte Zugang in offen stehende Häuser verschafften.

Wegen akuter Gefahr werde davor gewarnt, mit Sicherungskästen oder anderen elektrischen Geräten in den Häusern zu hantieren. Die Stadtwerke arbeiteten daran, die Stromversorgung im Stadtteil nach und nach wieder herzustellen. »Die Lage bleibt angespannt«, hieß es. Noch stünden Teile des Ortsteils unter Wasser.

In Trier-Ehrang war am Donnerstag die Kyll über die Ufer getreten und hatte große Teile des Stadtteils überschwemmt. Etwa 1000 Einwohner waren nach Angaben der Stadt Trier in Sicherheit gebracht worden. Zudem mussten ein Altenheim und ein Krankenhaus evakuiert werden.

Wie die Zahl von 1300 Vermissten zu erklären ist

14.15 Uhr: Allein 1300 Vermisste in einem Landkreis: In den Katastrophengebieten gelten etliche Menschen als derzeit unauffindbar. Das bedeutet aber wohl nicht, dass die Zahl der Todesopfer derart rapide steigen wird.

Zwar suggeriert diese Zahl ein kaum vorstellbares Ausmaß der Katastrophe – eines, das mit der Realität indes wohl nur wenig zu tun hat. Denn für die Zahl der Vermissten gilt derzeit noch das, was für viele Angaben aus den betroffenen Gebieten gilt: Vieles ist noch unklar, manche Gegenden und Gebäude sind auch nach bald zwei Tagen nur schwer zu erreichen.

So relativierte eine Sprecherin des Landkreises Ahrweiler inzwischen die Angaben: Das Mobilfunknetz sei teilweise lahmgelegt, daher gebe es keinen Handy-Empfang und viele Menschen seien für Freunde und Verwandte nicht erreichbar. Soll heißen: Im Idealfall sind viele der offiziell Vermissten unversehrt, aber telefonisch nicht zu erreichen. »Wir hoffen«, so die Sprecherin, »dass sich das klärt.«

Hinzu kommt, dass es sich vermutlich um deutlich weniger als 1300 Personen handelt. Man gehe davon aus, sagte der Koblenzer Polizeisprecher Ulrich Sopart am Vormittag, dass eine Reihe von Menschen durch besorgte Angehörige mehrfach vermisst gemeldet wurden.

Mesut Özil und andere Fußballspieler bedanken sich bei den Einsatzkräften

14.11 Uhr: Mehrere Fußballprofis haben den betroffenen Menschen der Flutkatastrophe ihr Mitgefühl ausgesprochen. »Meine Gedanken sind bei all den betroffenen und vermissten Menschen der Flutkatastrophe in Deutschland. Haltet durch. Danke an alle Einsatzkräfte vor Ort für den unermüdlichen Einsatz«, schrieb ehemalige Nationalspieler Mesut Özil am Freitag auf Twitter. Der deutsche Weltmeister von 2014 spielt mittlerweile bei Fenerbahçe Istanbul in der Türkei.

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Ebenso meldete sich Ex-Nationalspieler Jérôme Boateng auf Twitter zu Wort und verwies auf eine Spendenaktion des Deutschen Roten Kreuz: »Die Überschwemmungen in NRW und Rheinland-Pfalz bedrohen die Existenzen vieler Menschen, oder haben sie bereits zerstört. Lasst uns helfen, jede Spende hilft!«

Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund hatte zuvor finanzielle Hilfe für die Opfer angekündigt.

Städtetag: Bund muss beim Klimaschutz mutigere Entscheidungen treffen

14.03 Uhr: Der Deutsche Städtetag hat den Bund angesichts der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands aufgefordert, beim Klimaschutz mutigere Entscheidungen zu treffen. Städtetagspräsident Burkhard Jung sagte der Nachrichtenagentur dpa am Freitag: »Wir dürfen keine Zeit verlieren. Wir müssen das Ziel der Klimaneutralität so schnell wie möglich erreichen, um den Schäden durch Extremwetter-Katastrophen besser begegnen zu können.«

Die Unwetter und ihre Folgen seien eine Katastrophe, sagte der Leipziger Oberbürgermeister. »Uns allen geht nahe, dass viele Menschen ihr Leben verloren haben und es immer noch Vermisste gibt.« Das ganze Land und ganz besonders die betroffenen Städte, Gemeinden und Regionen seien schockiert über die dramatischen Folgen der Naturgewalt. Es sei gut, dass der Bund und die betroffenen Länder Hilfe zugesagt hätten. »Die Menschen, die ihre Wohnungen, ihre Existenzen und ihr Hab und Gut verloren haben, werden diese Hilfe dringend brauchen.«

Jung sagte weiter: »Nicht zum ersten Mal erleben wir die Folgen von Starkregen und Hochwasser. Aber diesmal hat es unser Land besonders hart getroffen. Weil der Klimawandel voranschreitet, müssen wir leider damit rechnen, dass Extremwetter-Ereignisse in Zukunft noch häufiger vorkommen werden.« Dazu gehörten auch Dürreperioden oder Stürme. »Klimafolgen wie Hitzewellen, Dürren und Starkregen sind nicht mehr wegzureden. Sie sind Realität.«

NRW-Innenminister Reul: »Ausmaß der Verwüstung nicht zu ermitteln«

13.58 Uhr: Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat noch keinen klaren Überblick über die Lage nach der Unwetter-Katastrophe. Das Ausmaß der Verwüstung sei derzeit noch nicht zu ermitteln, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Freitag nach einer Sondersitzung des Landeskabinetts.

In Blessem, einem Ortsteil von Erftstadt in Nordrhein-Westfalen, liegen Trümmer eingestürzter Häuser

In Blessem, einem Ortsteil von Erftstadt in Nordrhein-Westfalen, liegen Trümmer eingestürzter Häuser

Foto: David Young / dpa

Bislang gebe es allein in NRW mindestens 43 Todesopfer und viele Verletzte. »Die Lage ist sehr unübersichtlich«, sagte Reul. Inzwischen seien schon 25 Städte und Kreise in NRW besonders vom Hochwasser betroffen. 19.000 Einsatzkräfte von Hilfsorganisationen hätten bereits 30 000 Einsätze bewältigt, die Polizei weitere 3200. »Die Lage ist weiterhin enorm schwierig und enorm gefährlich«, sagte Reul. Er appellierte an die Bürger, zu Hause zu bleiben und die Helfer nicht zu stören. »Jetzt ist keine Zeit für Besichtigungen.«

Kirchen rufen zu Spenden für Hochwasseropfer auf

13.54 Uhr: Mehrere kirchliche Organisationen rufen zu Spenden für die Opfer der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz auf. So haben das Diakonische Werk Rheinland-Westfalen-Lippe (Diakonie RWL) und die evangelischen Kirchen im Rheinland und Westfalen ein gemeinsames Spendenkonto eingerichtet.

»Unsere Mitarbeitenden berichten von dramatischen Situationen und verzweifelten Menschen vor Ort. Wir müssen jetzt unkompliziert und pragmatisch jenen helfen, die alles verloren haben«, sagt Thomas Oelkers, Vorstand der Diakonie RWL.

Das Bistum Aachen hat für betroffene Kinder und Familien einen Solidaritätsfonds eingerichtet und ruft ebenfalls zu Spenden auf, um schnell und unbürokratisch helfen zu können.

Bundesregierung: Erderhitzung führt grundsätzlich zu mehr Extremwetterlagen

13.51 Uhr: Welche Rolle spielt der Klimawandel für die Hochwasserkatastrophen? »Der Klimawandel ist da – und er ist spürbar bei uns und in anderen Teilen der Welt«, sagte Vize-Regierungssprecherin Martina Fietz. Sie wies darauf hin, dass »nicht jedes einzelne Wetter« direkt auf den Klimawandel zurückzuführen sei. Richtig sei aber, dass die Erderhitzung grundsätzlich zu einer Zunahme sogenannter Extremwetterlagen führe.

Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte, dass Deutschland sowohl eine gute Strategie zur Anpassung an den Klimawandel als auch guten Katastrophenschutz brauche. Das Thema Klimaschutz nannte der Sprecher eine staatliche Daueraufgabe, die »an der ein oder anderen Stelle engagierter als bisher« bewältigt werden müsse.

Der Sprecher verwies darauf, dass Ministerin Svenja Schulze (SPD) das Thema auch gesetzlich als »Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern« verankern wolle, um für Kommunen eine bessere Finanzgrundlage zu gewährleisten. Aktuell habe der Bund nur die Möglichkeit, den Kommunen über besondere Förderprogramme zu helfen.

Gefahr an Steinbachtalsperre: Evakuierung von Swisttal abgeschlossen

13.44 Uhr: Die Evakuierung von etwa 2000 Menschen in Swisttal im Süden von Nordrhein-Westfalen ist abgeschlossen. Das teilte der Rhein-Sieg-Kreis am Freitag mit. Die Gefahr von Hochwasser durch ein Durchbrechen der Staumauer der Steinbachtalsperre bestehe weiterhin.

Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) lassen Schläuche in die Steinbachtalsperre hinab, um das Wasser abzupumpen

Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) lassen Schläuche in die Steinbachtalsperre hinab, um das Wasser abzupumpen

Foto: Marius Becker / dpa

Im Ortsteil Odendorf seien zwei Seniorenheime evakuiert worden. Mehr als 80 Bewohnerinnen und Bewohner seien in andere Heime oder in Krankenhäuser gebracht worden. Zurzeit werde die Verlegung der rund 2000 betroffenen Menschen aus den Betreuungsstationen in andere Einrichtungen organisiert, in denen ein längerer Aufenthalt möglich ist.

Reul: Drei Häuser und Teil der Burg in Erfstadt eingestürzt

13.35 Uhr: Im besonders schwer von der Unwetterkatastrophe betroffenen Erftstadt-Blessem sind nach aktuellem Stand drei Wohnhäuser und ein Teil der historischen Burg eingestürzt. »Wir gehen von mehreren Toten aus, wissen es aber nicht«, sagte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) in Düsseldorf. Im bisher durchforsteten östlichen Teil des Ortes gebe es keine Todesopfer, alle dort lebenden Menschen seien in Sicherheit. »Aber das ist noch nicht die ganze Stadt.« Die Lage in Erftstadt sei »wegen der Dynamik« zurzeit »ganz besonders kritisch« und noch sehr unübersichtlich.

Überschwemmung: A44 bei Jülich nach Vollsperrung wieder frei

13.06 Uhr: Nach einer Vollsperrung der Autobahn 44 bei Jülich wegen einer überschwemmten Fahrbahn ist die Strecke wieder frei. Das hat die Autobahn GmbH Rheinland mitgeteilt. Die Strecke zwischen den Anschlussstellen Jülich-Ost und Jülich-West war am Freitagmorgen zunächst in beide Richtungen nicht befahrbar.

Teile von A1-Standstreifen brechen ab und stürzen in die Erft

13.00 Uhr: In der Nähe der vom Hochwasser heimgesuchten Ortschaft Erftstadt-Blessem sind Teile der gesperrten Autobahn 1 in den Fluss Erft gestürzt. Dies berichtete ein dpa-Reporter als Augenzeuge. Nach seinen Angaben brachen schätzungsweise mehr als 40 Meter des Standstreifens in mehreren Stücken mit einem Knacken ab und fielen in den Fluss. Auf den Abschnitten hätten sich keine Fahrzeuge befunden. Auch ein Stück Lärmschutzwand sei eingestürzt.

Laschet: »Flutkatastrophe von historischem Ausmaß«

12.55 Uhr: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat die dramatischen Unwetterfolgen als »Flutkatastrophe von historischem Ausmaß« bezeichnet. Mindesten 43 Menschen hätten in NRW ihr Leben verloren, sagte er nach einer Sondersitzung des Landeskabinetts in Düsseldorf. Es stehe zu befürchten, dass die Opferzahlen weiter steigen werden. Besonders dramatisch sei die Situation in Erftstadt. »Die Fluten haben vielen Menschen buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen.« Laschet dankte allen Rettungskräften für ihren Einsatz.

Bundesregierung entscheidet kommende Woche über Hochwasserhilfe

12.51 Uhr: Die Bundesregierung will in der kommenden Woche über Aufbauhilfen für Bürger und Kommunen in den Überschwemmungsgebieten entscheiden. Eine schnelle Lösung sei wichtig, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Deshalb solle das Thema am Mittwoch im Kabinett aufgerufen werden. Zur Höhe möglicher Hilfen machte er keine Angaben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte den Betroffenen bereits am Donnerstag Unterstützung versprochen. »Wir werden sie in dieser schwierigen, schrecklichen Stunde nicht alleinlassen und werden auch helfen, wenn es um den Wiederaufbau geht«, hatte sie gesagt. Auch Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hatte im Namen der Bundesregierung eine solidarische Unterstützung angekündigt. Die Katastrophe sei »eine Angelegenheit von nationaler Bedeutung«. Hilfen müssten den Ländern, den Landkreisen, den Gemeinden und auch den Bürgerinnen und Bürgern zugutekommen.

Rheinland-Pfalz hat bereits als kurzfristige Unterstützung 50 Millionen Euro bereitgestellt, um etwa Schäden an Straßen, Brücken und anderen Bauwerken zu beheben. Auch das nordrhein-westfälische Landeskabinett wollte über schnelle Hilfen beraten.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, viele Menschen hätten über Nacht buchstäblich alles verloren – »bis auf das, was sie am Leibe tragen«, sagte er dem SPIEGEL . Deshalb müsse auf die technische eine finanzielle Hilfe folgen.

Hochwasser in Westdeutschland: »Ich fühl mich ein bisschen alleingelassen hier«

12.45 Uhr: In Erftstadt und an der Ruhrtalsperre ist die Situation weiter dramatisch. Straßen sind zerstört, Häuser drohen einzustürzen. Andernorts versuchen die Menschen, die Trümmer wegzuräumen – so gut es eben geht.

DER SPIEGEL

Dem Luxemburger Flughafen geht der Sprit aus

12.40 Uhr: Nach schweren Überschwemmungen vom Donnerstag droht dem Flughafen Luxemburg der Sprit auszugehen. Die Pipeline, die den Airport mit Kerosin versorgt, sei unterbrochen, teilte die Regierung mit . Die insgesamt mehr als 5000 Kilometer lange Leitung, das wichtigste derartige Leitungssystem der Nato, funktioniere vermutlich auf deutscher Seite bei Echternacherbrück nicht mehr. Wahrscheinlich sei ein Ventil defekt. Experten zufolge hänge dieser Schaden vermutlich mit den Überschwemmungen zusammen, die auch die luxemburgische Stadt Echternach schwer trafen.

Der Flughafen Luxemburg verfüge über einen Spritvorrat, der nur noch für den heutigen Freitag reiche. Die Fluggesellschaften seien darauf hingewiesen worden, dass die Knappheit voraussichtlich noch mehrere Tage lang bestehe. Sie sollten möglichst ausreichend Treibstoff für den Rückflug mitbringen oder sich auf dem Landweg mit Kerosin versorgen lassen.

Das Ende der Fünfzigerjahre von der Nato geschaffene »Central European Pipeline System« (CEPS) versorgt heute auch die zivilen Flughäfen von Amsterdam, Brüssel, Frankfurt, Luxemburg und Zürich mit Treibstoff.

Deutscher Wetterdienst: abnehmende Unwettergefahr am Wochenende

12.30 Uhr: Die Unwettergefahr in Deutschland nimmt nach einer Prognose des Deutschen Wetterdiensts (DWD) dank Hoch »Dana« am Wochenende allmählich ab. Das Sturmtief »Bernd« werde allerdings noch am Freitag und teils auch am Samstag Teile des Landes mit Schauern, Gewittern und örtlichen Unwettern im Griff haben, erklärte der DWD.

Demnach soll in den von Hochwasser betroffenen Regionen »allmählich Entspannung« einziehen. Nur im Südwesten könne es tagsüber erneut Starkregen mit Niederschlagsmengen um 20 Liter pro Quadratmeter und örtlich auch etwas darüber gaben.

Am Wochenende mache sich aber Hoch »Dana« mit Schwerpunkt über den britischen Inseln langsam bemerkbar und bringe von Nordwesten her »zögerlich Wetterbesserung« ins Landesinnere. Mit einer nördlichen Strömung gelange dann »zunehmend stabilere und trockenere Luft« nach Deutschland.

Mit der Verdrängung des Sturmtiefs ziehen die Regenfälle laut DWD-Prognose weiter in die Südosthälfte Deutschlands. An den Alpen sei dafür bis Sonntagabend eine »Dauerregenlage« möglich. Ab Anfang kommender Woche mache sich das Hochdruckgebiet »Dana« auch im Süden bemerkbar – laut DWD wird es deutschlandweit sonnig und sommerlich warm bei 25 bis 28 Grad.

Zahl der Todesopfer steigt auf über 100

12.14 Uhr: Die Zahl der Todesopfer bei der Hochwasserkatastrophe im nördlichen Rheinland-Pfalz ist auf 60 gestiegen. Dies teilte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Freitag nach einer Sondersitzung des Kabinetts in Mainz mit.

In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der Toten auf mindestens 43 gestiegen. Das hat das NRW-Innenministerium am Freitag auf Anfrage mitgeteilt.

Damit sind bei dem Hochwasser mittlerweile über hundert Menschen ums Leben gekommen.

Verteidigungsministerium löst militärischen Katastrophenalarm aus

12.04 Uhr: Das Verteidigungsministerium hat wegen der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands einen militärischen Katastrophenalarm ausgelöst. Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) habe die Entscheidung getroffen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Freitag in Berlin.

»Das bedeutet, dass die Entscheidungsinstanzen weit nach vorn, nämlich genau dorthin verrückt werden, wo sie gebraucht werden. Als Beispiel kann jetzt eine Verbandsführerin vor Ort entscheiden, ob der Bergepanzer, ob der militärische Lkw, ob das Stromaggregat bereitgestellt wird, wenn es denn verfügbar wird«, sagte der Offizier. »Ich denke, bei solchen Lagen ist Dezentralität ganz wichtig und auch für den Erfolg der Maßnahmen ganz ausschlaggebend.«

Die Bilder aus dem Katastrophengebiet erfüllten mit Bestürzung, sagte er. Und: »Die Bundeswehr steht natürlich an der Seite der anderen Helfer, ob das nun THW, Feuerwehr, Polizei oder andere sind.« Es seien 850 Soldaten im Einsatz, und die Zahl steige.

Jugendlicher im Hochwasser aus Gully gerettet

11.58 Uhr: Bei der Hochwasserkatastrophe ist ein Jugendlicher in Baden-Württemberg nach Feuerwehrangaben in einen offenen Gully gesogen worden. Dies sei auf einer vom Wasser gefluteten Straße in Inzlingen im Kreis Lörrach passiert.

Der Vater des Jungen und ein benachbarter Feuerwehrmann hätten den 17-Jährigen in der lebensgefährlichen Lage festhalten können, sagte Feuerwehrkommandant Thomas Muck am Freitag. Weitere Einsatzkräfte hätten geholfen, den Teenager zu retten. Er habe einen Schock erlitten, sei aber nach kurzem Aufenthalt im Krankenhaus wieder von dort entlassen worden. In der Nacht habe die Freiwillige Feuerwehr in Inzlingen 28 Einsätze gehabt, berichtete Muck.

Bundesregierung: Menschen können auf Katastrophenhilfe vertrauen

11.55 Uhr: Die Bundesregierung versichert den Menschen im Katastrophengebiet, dass auch weiterhin alles zur Hilfe in Bewegung gesetzt wird. »Sie können darauf vertrauen, dass die Kräfte unseres Staates alles gemeinsam daran setzen, Leben zu retten«, sagt Vize-Regierungssprecherin Martina Fietz. Die Regierung sei zuversichtlich, dass die Hilfe der bewährten Organisationen greife. Die Bundeswehr ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums mit mehr als 800 Soldaten im Einsatz.

Tote nach Häusereinstürzen in Erftstadt

11.54 Uhr: In Erftstadt-Blessem ist eine Reihe von Häusern ganz oder teilweise eingestürzt. Dabei sind Menschen ums Leben gekommen. »Es gibt Todesopfer«, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung Köln am Freitag. Zu den genauen Umständen konnte sie aber noch keine Angaben machen, weil aktuell kaum Kommunikation mit dem betroffenen Gebiet möglich sei.

Die Ursache für die eingestürzten Häuser seien massive und schnell fortschreitende Unterspülungen gewesen.

Laut der Sprecherin wurde ein Katastrophenschutztrupp losgeschickt, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Aus den Häusern erfolgten demnach immer wieder Notrufe, weil Menschen trotz Warnung zurück ins hochgefährliche Schadensgebiet gekehrt seien oder es nicht verlassen hätten. Menschen könnten derzeit aber nur mit Booten vom Wasser aus gerettet werden.

Der zuständige Landrat des Rhein-Erft-Kreises, Frank Rock (CDU), sagte dem TV-Sender ntv: »Es ist eine katastrophale Lage, wie wir sie hier noch nie hatten.« Die Flut sei sehr schnell gekommen. Senken hätten binnen zehn Minuten unter Wasser gestanden. Es habe kaum Zeit gegeben, die Menschen zu warnen.

Leichte Entspannung bei Hochwasserlage in Rheinland-Pfalz

11.48 Uhr: In Rheinland-Pfalz ist eine leichte Entspannung der Hochwasserlage in Sicht. Das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz meldet in seinem Frühwarnsystem bis Samstagmorgen (7.00 Uhr) für fast das ganze Bundesland eine geringe Hochwassergefährdung.

In Altenahr besteht weiterhin Hochwassergefährdung

In Altenahr besteht weiterhin Hochwassergefährdung

Foto: Thomas Frey / dpa

Nur im Norden des Landes könne es in Teilen der Eifel bei kleinen und mittleren Flüssen rund um Prüm sowie zwischen Andernach und Mayen zu vereinzelten Überflutungen kommen. Eine hohe Hochwassergefährdung besteht demnach nur noch für den Bereich rund um Altenahr: Hier könnten noch Grundstücke und Keller überflutet werden.

Schifffahrt auf dem Rhein bleibt wohl noch tagelang eingestellt

11.41 Uhr: Das anhaltend starke Hochwasser bremst die Schiffe auf dem Rhein nach Einschätzung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Oberrhein noch mehrere Tage lang aus. »Nach derzeitiger Lage ist mit einer Freigabe für die Schifffahrt erst ab Anfang nächster Woche zu rechnen«, teilte die Behörde am Freitag in Freiburg mit. Sie betreut die Wasserstraße zwischen Weil am Rhein an der Grenze zur Schweiz und dem Bereich zwischen Mainz und Ginsheim (Hessen).

Der Rhein bei Köln während des Hochwassers

Der Rhein bei Köln während des Hochwassers

Foto: Ying Tang / imago images/NurPhoto

Nach WSA-Angaben ist die Strecke zwischen Iffezheim und Germersheim bereits seit der Nacht auf Mittwoch für die Rheinschifffahrt gesperrt. Am Donnerstag wurde dieser Bereich bis Mannheim ausgedehnt. Es werde ein weiterer Anstieg der Wasserstände mit einem Scheitelwert am Pegel Maxau voraussichtlich am Samstag und in Speyer in der Nacht zum Sonntag erwartet.

Das Hochwasser will die Verwaltung auch nutzen, um wissenschaftlich voranzukommen. Seit Freitag und bis zum Montag würden Abflüsse und Wasserspiegelhöhen zwischen Iffezheim und Mainz gemessen, teilte das WSA mit. »Die gewonnenen Naturdaten sind die wesentlichste Grundlage für numerische und physikalische Modelle«, erklärte Ines Jörgens vom WSA Oberrhein. Mit diesen Modellen würden zum Beispiel Wasserstandsvorhersagen oder Berechnungen der Wasserspiegel gemacht.

Noch rund 1200 Haushalte in Leverkusen ohne Strom

11.35 Uhr: Im vom Hochwasser getroffenen Leverkusen haben am Freitag die Aufräumarbeiten begonnen. Noch immer seien rund 1200 Haushalte ohne Strom, teilte die Stadt mit. Beim Leerpumpen der unzähligen vollgelaufenen Keller hätten diese Häuser Vorrang, damit die Stromversorgung wieder hergestellt werden könne.

Zur Unterstützung der Feuerwehr würden im Laufe des Tages rund 200 Bundeswehrsoldaten in der Stadt erwartet. Mehrere Straßen und Wege seien noch gesperrt. Einige Brücken seien durch die Überschwemmungen möglicherweise beschädigt und müssten einer Sonderprüfung unterzogen werden, ehe sie wieder freigeben werden könnten.

Erste Aufräumarbeiten in Kordel – Lage aber »weiter kritisch«

11.28 Uhr: In Kordel im Landkreis Trier-Saarburg sind nach dem großen Hochwasser erste Aufräumarbeiten angelaufen. Auch wenn die Pegel sinken: Die Lage sei nach wie vor kritisch, sagte der Sprecher der Kreisverwaltung am Freitag. Noch gebe es Bereiche in dem Ort mit 2000 Einwohnern, die nicht erreichbar seien. Auch wegen Hangrutschgefahr sollten Menschen die Gemeinde meiden.

Im Fokus stehen zunächst Sicherungsarbeiten. Ein Statikteam sei vor Ort, um zu prüfen, ob die Häuser begehbar seien, sagte der Sprecher. »Sobald das geht, wird aufgeräumt.« Zudem werde versucht, die Straßen befahrbar zu machen. Der Ort ist wegen überschwemmter Zufahrtswege weiter zum Großteil abgeschnitten. In weiten Teilen gebe es nach wie vor Stromausfall. Kordel liegt an der Kyll, einem Mosel-Zufluss.

Überlauf aus Bevertalsperre reduziert: Anwohner können zurück

11.20 Uhr: Die Anwohner von Hückeswagen im Bergischen Land können nach den starken Regenfällen wieder zurück in ihre Wohnungen. Die Evakuierung der Häuser, die durch einen drohenden Dammbruch des Beverteiches gefährdet waren, ist aufgehoben, wie die Stadt am Freitagvormittag mitteilte. Das betreffe rund 800 Menschen.

Der Damm sei standsicher und auch der Überlauf aus der Bevertalsperre habe deutlich reduziert werden können. »Der Wasserpegel sinkt daher weiterhin konstant, sodass kein Bruch des Dammes mehr zu befürchten ist«, teilte die Stadt mit. Die Wasserbehörde und der Wupperverband werden demnach den Zustand des Dammes aber weiterhin überprüfen.

Die Menschen hatten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ihre Häuser verlassen müssen. An der nahe gelegenen Bevertalsperre war ein unkontrollierter Überlauf befürchtet worden.

Feuerwehr rettet Haustiere aus gefluteten Häusern

11.15 Uhr: Besondere Evakuierungsaktion in Trier: Die Feuerwehr hat aus dem überschwemmten Stadtteil Ehrang in der Nacht zum Freitag mehr als 60 Haustiere in Sicherheit gebracht. Tierbesitzer, die am Donnerstag wegen der Flut schnell ihre Häuser verlassen mussten, hätten um ihre zurückgelassenen Haustiere gebangt, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Freitag. »Ich kann das total gut nachvollziehen, weil es ein Tier ist, das man einfach gerne hat und das zum Leben gehört.«

Feuerwehrleute helfen im Trier Stadtteil Ehrang

Feuerwehrleute helfen im Trier Stadtteil Ehrang

Foto: Ernst Mettlach / AFP

Feuerwehrleute hätten eine Liste erstellt und seien dann mit Gummistiefeln in die entsprechenden Häuser gegangen, um die Tiere zu holen, sagte der Sprecher der Stadt. Teils sei auch ein Radlader eingesetzt worden. Die Hunde, Katzen und andere Tiere seien nun vorübergehend im Tierheim Trier-Zewen untergebracht. »Es ist schon wichtig für die Menschen, dass sie einfach auch sehen, dass auch auf ihre ganz persönlichen Belange geschaut wird«, sagte die rheinland-pfälzische Regierungschefin zu der Rettungsaktion.

In Trier-Ehrang war am Donnerstag die Kyll über die Ufer getreten und hatte große Teile des Stadtteils überschwemmt. Etwa 1000 Einwohner aus Ehrang waren nach Angaben der Stadt Trier in Sicherheit gebracht worden. Zudem mussten ein Altenheim und ein Krankenhaus evakuiert werden.

Ministerpräsident Weil warnt vor weiteren Unwetterkatastrophen

11.07 Uhr: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat angesichts des Klimawandels vor weiteren Unwetterkatastrophen gewarnt. »Da soll man sich nichts vormachen, wir sind mitten im Klimawandel und was da gerade passiert, ist ein schlimmes Beispiel dafür«, sagte er bei RTL/ntv. »Und ich fürchte, es wird nicht das letzte Beispiel sein«, warnte der SPD-Politiker.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Weil nannte das Vorantreiben des Klimaschutzes »ein unendlich schwieriges Projekt«. Er beklagte, es werde zu lange über Klimaziele geredet. »Aber die Konzepte, die zu den Zielen hinführen, und die das realisieren sollen, das ist der schwierige Teil.« Als Reaktion auf die schweren Unwetter in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mit dutzenden Todesopfern forderten Politiker mehrere Parteien verstärkten Klimaschutz.

Auch der Rückversicherungskonzern Munich Re erwartet eine Zunahme von Unwetterschäden in Deutschland. »Wir beobachten empirisch, dass die Schäden kontinuierlich steigen«, sagte Ernst Rauch, Chef-Klimatologe des Unternehmens, dem SPIEGEL . Es gebe »klare Indizien, dass ein Teil der wachsenden Schäden nicht sozioökonomisch zu erklären, sondern dem Klimawandel zuzuordnen ist«.

Tausende Helfer im Einsatz – Bundeswehr macht eigene Lagebewertung

11.01 Uhr: Nach der Unwetterkatastrophe waren am Freitag Tausende Helfer in Rettungseinsätzen unterwegs. Wegen der Vielzahl der Notsituationen wollte die Bundeswehr nicht mehr nur auf Anträge zur Hilfeleistung warten, sondern sich auch auf eine eigene Lagebewertung stützen, wie ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa sagte. Bereits am Vortag war bei Gefahr für Leib und Leben sogenannte Soforthilfe geleistet worden.

Eine Bundeswehrsoldatin und zwei Bundeswehrsoldaten helfen dabei, ein Krankenhaus in Bad Neuenahr zu evakuieren

Eine Bundeswehrsoldatin und zwei Bundeswehrsoldaten helfen dabei, ein Krankenhaus in Bad Neuenahr zu evakuieren

Foto: CONSTANTIN ZINN / EPA

In Nordrhein-Westfalen unterstützten Soldaten die Einsätze zur Rettung und Bergung mit 495 Männern und Frauen in elf Landkreisen und Städten. In Rheinland-Pfalz waren mehr als 200 Soldaten in neun Landkreisen und Städten im Einsatz. Die Gesamtzahl der Soldaten lag insgesamt aber höher, da Besatzungen von Fahrzeugen teils nicht mitgezählt wurden.

Das Technische Hilfswerk (THW) hatte am Freitag laut Bundesinnenministerium in beiden Bundesländern insgesamt 2065 Helfer im Einsatz. Diese waren nach Angaben eines Sprechers vor allem damit beschäftigt Menschen zu retten, Gebäude zu evakuieren, Kraftstoff zu organisieren und Sandsäcke zu verteilen. Die Bundespolizei beteiligte sich mit 250 Beamten an der Luftrettung und übernahm Schutzaufgaben, auch um mögliche Plünderungen zu verhindern.

Zwölf Tote in Wohnheim für Menschen mit Behinderung

10.56 Uhr:In Sinzig in Rheinland-Pfalz sind infolge des Hochwassers zwölf Menschen in einem Wohnheim für Behinderte gestorben. Das berichteten »t-online«  und »Bild«  übereinstimmend.

Die Flutopfer lebten in einem Haus des Vereins Lebenshilfe Kreisvereinigung Ahrweiler, wie »Bild« berichtet. Demnach handelt es sich bei den Toten um Menschen mit Schwerbehinderung.

Der Pegel der Ahr war in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag stark angestiegen. Das Wasser hatte das Erdgeschoss des Wohnheims geflutet. Die Menschen konnten sich nicht retten. Die Feuerwehr barg die Leichen.

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Menschen in Jülich können in ihre Häuser zurück

10.48 Uhr: Die Menschen in Jülich im Kreis Düren können wieder in ihre Häuser zurück. Die Evakuierung wegen des befürchteten Hochwassers sei aufgehoben worden, teilte die Stadt am Freitagvormittag mit. Nach Rücksprache mit dem Wasserverband Eifel-Rur und dem Kreis Düren sei nicht mehr mit zusätzlichen größeren Wassermengen zu rechnen. Die Hotline zum Hochwasser werde in Kürze abgeschaltet.

Nachdem in der Nacht zu Freitag die Rurtalsperre in der Eifel übergelaufen war, waren in Jülich starke Überschwemmungen erwartet worden. Bereits am Morgen gab es jedoch eine vorsichtige Entwarnung: Der Anstieg des Hochwassers fiel weniger extrem aus als zunächst befürchtet. Wie viele Menschen von der Evakuierung betroffen waren, konnte die Stadt zunächst nicht sagen.

Hunderte DLRG-Retter in Hochwassergebieten im Einsatz

10.40 Uhr: Mehr als 800 ehrenamtliche Helfer der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind in den Hochwassergebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Einsatz. »Die Lage vor Ort ist wahrlich dramatisch. Für unseren Verband ist das eine der größten Herausforderungen in seiner Geschichte«, sagte DLRG-Präsident Achim Haag am Freitag. Die Helfer in den beiden betroffenen Bundesländern würden von Wasserrettungseinheiten aus Niedersachsen, Hessen und dem Saarland unterstützt.

Ein Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist beim Hochwasser in Aachen unterwegs

Ein Boot der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist beim Hochwasser in Aachen unterwegs

Foto: Ralf Roeger / dpa

Die DLRG-Spezialisten retten Menschen aus den – teils strömenden – Gewässern, helfen bei der Evakuierung und sichern Deiche ab. Wenn nötig, könnten weitere Wasserrettungszüge aus anderen Bundesländern angefordert werden, teilte die Organisation mit. Auch die bundesweit auf fünf Standorte verteilten Luftretter, die per Hubschrauber Personen aus überschwemmten Gebieten holen können, seien auf einen möglichen Einsatz vorbereitet.

Zahl der Todesopfer in NRW steigt auf 43

10.31 Uhr: Die Zahl der Unwettertoten ist in Nordrhein-Westfalen auf mindestens 43 gestiegen. Das hat das NRW-Innenministerium am Freitag auf Anfrage mitgeteilt. Bislang war die Zahl auf mindestens 30 beziffert worden.

In Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Toten auf 50 gestiegen. »Die Befürchtung ist, dass es noch mehr werden«, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz. Die Bergungsarbeiten liefen derzeit weiter.

Zahl der Toten nach Unwettern in Belgien auf zwölf gestiegen

10.14 Uhr: Nach den heftigen Unwettern in Belgien ist die Zahl der Toten laut Medienberichten auf zwölf gestiegen. Wie der öffentlich-rechtliche Rundfunksender RTBF am Freitag berichtete, werden fünf weitere Menschen noch vermisst. Der wallonische Regierungschef Elio Di Rupo sagte dem Sender, er befürchte, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen werde.

»Gestern Abend waren noch hunderte Menschen in ihren Häusern eingeschlossen«, sagte Di Rupo am Freitagmorgen. Die Wallonie, eine französischsprachige Region im Süden Belgiens, war besonders stark von den Unwettern betroffen.

Nach Angaben der Bundespolizei blieben dutzende Straßenabschnitte für den Verkehr gesperrt, ebenso wie die meisten Bahnstrecken in der Wallonie. Mehr als 21.000 Menschen in der Region waren ohne Strom, wie der Strom- und Gasanbieter Ores mitteilte. Hunderte Verteilerkästen standen demnach unter Wasser.

In der belgischen Großstadt Lüttich waren die Anwohner der Maas am Donnerstag wegen außergewöhnlich starken Hochwassers aufgerufen worden, schnell ihre Häuser zu verlassen. In der Nacht stieg der Wasserpegel jedoch nicht weiter. Im am stärksten betroffenen Stadtteil sinke er inzwischen »sehr langsam«, teilte die Lütticher Polizei am Freitagmorgen mit.

In die Maas bei Lüttich münden die meisten Flüsse im Süden und Osten Belgiens, unter anderem die Ourthe und die Vesdre. Die an diese Flüsse angrenzenden Gemeinden in den Regionen Lüttich und Verviers sind seit Mittwoch überschwemmt. Allein im östlichen Bezirk Verviers starben laut Medienberichten sechs Menschen.

In Deutschland haben Unwetter und Hochwasser noch deutlich mehr Menschen das Leben gekostet. Aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wurden mindestens 81 Todesopfer gemeldet.

Trinkwasserversorgung in Stolberg ist noch angespannt

10.08 Uhr: In der schwer vom Hochwasser getroffenen Stadt Stolberg bei Aachen ist auch am Freitagvormittag die Trinkwasserversorgung kritisch. Sie sei zurzeit eingeschränkt, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Bürgerinnen und Bürger sollten Trinkwasser vor dem Gebrauch abkochen. Zur Sicherstellung der Versorgung seien in allen Ortsteilen Trinkwasserbehälter aufgestellt worden, wo sich die Betroffenen bedienen könnten. Im Übrigen kümmere sich die Stadt um die Koordination von Geld- und Sachspenden. Nähere Informationen dazu sollten später folgen.

Am Donnerstag wurde aufgrund des Hochwassers das Trinkwassernetz beschädigt, wodurch es zu Druckabfällen im Netz gekommen ist.

Kramp-Karrenbauer: Katastrophenhilfe oberste Priorität für Bundeswehr

10.01 Uhr: Die Bundeswehr soll der Hilfe nach der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands nun Vorrang vor anderen Aufgaben geben. »Jetzt kommt es darauf an, geeignetes Material aus der ganzen Republik bereitzustellen. Hierzu habe ich bereits angeordnet, dass alle anderen Aufträge, die nicht unmittelbar mit den Auslandseinsätzen verbunden sind, hintangestellt werden«, teilte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Freitag mit.

Die »oberste Priorität« liege jetzt bei der Katastrophenhilfe in den betroffenen Städten und Kommunen. »Die Bilder aus den Hochwasserregionen bestürzen uns alle. Die Bundeswehr leistet mit den schnell verfügbaren Kräften vor Ort bereits tatkräftige Hilfe bei Gefahrenabwehr und Räumarbeiten«, so Kramp-Karrenbauer. »Die Amtshilfeverfahren sind durch die Pandemiebekämpfung gut eingespielt und auf sie kann verlässlich zurückgegriffen werden.«

Baden-Württemberg schickt Hunderte Helfer nach Rheinland-Pfalz

9.54 Uhr: Die Landesregierung von Baden-Württemberg unterstützt die Hochwassergebiete in Rheinland-Pfalz mit rund 600 Einsatzkräften von Sanitätsdienst, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk. Derzeit seien hundert Krankenwagen, 15 Hochwasserzüge der Feuerwehr und ein Polizeihelikopter mit Höhenrettern im Einsatz, teilte das Innenministerium am Freitag mit.

Das Hochwasser habe »eine Schneise der Verwüstung hinterlassen«, erklärte Innenminister Thomas Strobl (CDU). In dieser Lage sei es »selbstverständlich, kräftige und entschlossene Hilfe zu leisten«.

Papst Franziskus betet für Opfer der Hochwasserkatastrophe

9.50 Uhr: Papst Franziskus hat nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands sein Mitgefühl ausgedrückt und der Toten gedacht. Das katholische Kirchenoberhaupt habe mit großer Betroffenheit von den schweren Unwettern und Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz erfahren, hieß es in einem von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin unterzeichneten Telegramm vom Donnerstagabend.

Papst Franziskus (Archivbild)

Papst Franziskus (Archivbild)

Foto: Evandro Inetti / imago images/ZUMA Wire

Franziskus gedachte im Gebet der ums Leben gekommenen Menschen und bekundete den Angehörigen seine tief empfundene Anteilnahme. Der 84-Jährige bete auch für die zahlreichen Vermissten, Verletzen und alle, die zu Schaden gekommen seien oder durch die Naturgewalten ihre Lebensgrundlage verloren haben, hieß es weiter.

Überschwemmte Fahrbahn – A1 bei Kreuz Leverkusen gesperrt

9.43 Uhr: Wegen einer überschwemmten Fahrbahn ist die Autobahn 1 bei Leverkusen in beide Richtung voll gesperrt. Betroffen sei die Strecke zwischen der Anschlussstelle Wermelskirchen und dem Autobahnkreuz Leverkusen, teilte die Autobahn GmbH Rheinland am Freitag auf Twitter mit. Die Strecke soll demnach »so schnell wie möglich« wieder freigegeben werden.

Frankreich sichert Deutschland und Belgien Hilfe zu

09.40 Uhr: Frankreich sichert Deutschland und Belgien Solidarität und Unterstützung zu, wie Ministerpräsident Jean Castex auf Twitter erklärte. Ins belgische Lüttich seien 40 Einsatzkräfte des französischen Militärs sowie ein Rettungshubschrauber entsandt worden.

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Bezirksregierung: Todesopfer nach Hauseinstürzen in Erftstadt

09.36 Uhr: Beim Einsturz von Häusern in Erftstadt-Blessem sind Menschen ums Leben gekommen. »Es gibt Todesopfer«, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung Köln am Freitag. In der Ortschaft war es zu massiven und schnell fortschreitenden Unterspülungen von Häusern gekommen.

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Spürhunde und Bausachverständige in der Eifel im Einsatz

09.30 Uhr: In der Hochwasserkatastrophe in der Eifel unterstützen auch Spürhunde und Bausachverständige die Rettungskräfte. »Als gestern in Schuld das Wasser zurückging, war auch eine Spürhundestaffel im Einsatz«, sagte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau im Kreis Ahrweiler, Guido Nisius (CDU), am Freitagmorgen.

In dem besonders vom Hochwasser heimgesuchten Dorf Schuld am Flüsschen Ahr mit sechs eingestürzten und vielen beschädigten Häusern werde weiter mit Hochdruck nach Vermissten gesucht. »Bausachverständige haben in Schuld jedes Gebäude begutachtet, ob es einsturzgefährdet ist«, erklärte Nisius. Falls nicht, seien die Rettungskräfte hineingegangen.

Das Dorf Schuld bei Bad Neuenahr wurde heftig von den Fluten getroffen

Das Dorf Schuld bei Bad Neuenahr wurde heftig von den Fluten getroffen

Foto: BERND LAUTER / AFP

Allein in der Verbandsgemeinde Adenau wurden laut dem Bürgermeister auch am Freitagmorgen noch etwa 30 Bürger vermisst. Zugleich scheine hier das zunächst zusammengebrochene Handynetz wieder halbwegs zu funktionieren. Nisius wusste nach eigener Aussage auch am Freitagmorgen noch nicht, wie viele der für Rheinland-Pfalz gemeldeten mehr als 50 Toten aus seiner Verbandsgemeinde Adenau stammten.

Seehofer kündigt »ein großes Paket« für Flutopfer an

09.20 Uhr: Die Bundesregierung will innerhalb weniger Tage umfangreiche Finanzhilfen für die Hochwasser-Geschädigten vorbereiten. »Das Konzept dafür entwickelt mein Haus gerade noch mit der Bundeskanzlerin und Bundesfinanzminister Olaf Scholz«, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) im SPIEGEL-Interview . »Es soll möglichst schon am Mittwoch ins Kabinett.« Details wolle er nicht nennen, bevor es ein klares Bild vom Ausmaß der Schäden gebe. »Aber Sie können davon ausgehen, dass es ein großes Paket sein wird«, sagte Seehofer.

Beim sogenannten Jahrhunderthochwasser von Elbe und Donau, das 2013 acht Bundesländer betraf, hatte die Bundesregierung einen Fluthilfefonds über acht Milliarden Euro aufgelegt.

A 44 bei Jülich wegen Überschwemmung voll gesperrt

09.15 Uhr: Die Autobahn 44 ist bei Jülich wegen einer überschwemmten Fahrbahn in beiden Fahrtrichtungen voll gesperrt. Das hat die Autobahn GmbH Rheinland am Freitag mitgeteilt. Die Sperrung sei zwischen den Anschlussstellen Jülich-Ost und Jülich-West. Die Strecke soll so schnell wie möglich wieder freigegeben werden.

Schulze fordert langfristige Hilfen für betroffene Kommunen

09.05 Uhr: Angesichts der Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) vor allem für die Kommunen kurzfristige, aber auch langfristige Hilfe gefordert. »Länder und Kommunen wissen am besten, was getan werden muss«, sagte Schulze im Rundfunk Berlin-Brandenburg. Deshalb sei es wichtig, »dafür zu sorgen, dass sie das nötige Geld haben, um zu investieren, jetzt in der Notlage – und später, wenn es um die Vorsorge und den Wiederaufbau geht«.

Schulze mahnte eine rasche Hilfe an: »Bund und Länder müssen schnell eine Lösung finden, wie den Betroffenen dort in den Regionen geholfen werden kann.« Die Umweltministerin forderte zudem mehr Investitionen in Klimaschutz. Die Unwetter zeigten, dass der Klimawandel in Deutschland angekommen sei. »Das sind historische Wassermengen, die wir jetzt sehen.«

Rurtalsperre übergelaufen – keine Einsätze in Düren

08.50 Uhr: Trotz Überlaufens der Rurtalsperre in der Eifel hat sich die Lage in Düren über Nacht leicht entspannt. »In der Nacht gab es nur einen geringen Anstieg der Rur«, sagte ein Sprecher der Feuerwehr Düren. »Aufgrund des Anstiegs ist es zu keinen zusätzlichen Einsätzen gekommen.« Am Freitagmorgen liefen demnach keine Einsätze im Stadtgebiet Düren.

Die Rurtalsperre war in der Nacht zu Freitag »mit einer geringen Dynamik« übergelaufen, wie der Wasserverband Eifel-Rur mitgeteilt hatte. Deshalb wurde damit gerechnet, dass der Unterlauf der Rur überschwemmt und somit Keller und Häuser im Kreis Düren überflutet werden könnten. Das sollte zunächst Obermaubach, dann Düren und schließlich Jülich treffen. Die Rur entspringt in Belgien, durchläuft die Eifel in Nordrhein-Westfalen und mündet in den Niederlanden in die Maas.

Währenddessen bereitete sich die Stadt Jülich am frühen Freitagmorgen weiter auf die nahenden Wassermassen vor. Man rechne mit einem Anstieg des Hochwassers in Jülich ab 8 Uhr, schrieb der Kreis Düren am Freitagmorgen auf seiner Homepage.

Aufgrund vorsichtiger Prognosen falle dieser weniger extrem aus als zunächst angekündigt. »Die Gefahr ist jedoch noch nicht gebannt und die tatsächliche Entwicklung bleibt abzuwarten«, hieß es weiter. Bürger sollten demnach nur in dringenden Notfällen den Notruf wählen, um vollgelaufene Keller könne man sich zurzeit nicht kümmern.

Zugverkehr in NRW und Rheinland-Pfalz weiter massiv eingeschränkt

08.35 Uhr: Der Zugverkehr in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz ist wegen der Überflutungen weiterhin massiv beeinträchtigt. Zahlreiche Strecken seien komplett gesperrt oder nur eingeschränkt befahrbar, teilte die Deutsche Bahn mit. »Die Wassermassen haben Gleise, Weichen Signaltechnik, Bahnhöfe und Stellwerke in vielen Landesteilen von NRW und Rheinland-Pfalz stark beschädigt.« Allein in Nordrhein-Westfalen seien Gleise auf einer Länge von rund 600 Kilometern betroffen. Die Ermittlung der Schäden laufe weiter auf Hochtouren.

Im Nahverkehr verkehren zahlreiche S-Bahn- und Regionallinien weiterhin nicht oder nur eingeschränkt, wie die Bahn mitteilte. Soweit es die Straßenverhältnisse zulassen, seien Ersatzbusse unterwegs.

Ein Zug steht in der Nacht am Bahnhof in Kordel, Rheinland-Pfalz. Ein Teil des Ortes wurde von den Wassermassen der Kyll überflutet.

Ein Zug steht in der Nacht am Bahnhof in Kordel, Rheinland-Pfalz. Ein Teil des Ortes wurde von den Wassermassen der Kyll überflutet.

Foto: Harald Tittel / dpa

Im Fernverkehr ist unter anderem der Abschnitt Köln-Wuppertal-Hagen-Dortmund derzeit den Angaben zufolge nicht befahrbar. Es kommt zu Zug- und Halteausfällen. Dies gilt auch für die Strecke Köln-Koblenz über Bonn Hauptbahnhof. Die Strecke Köln-Düsseldorf-Essen-Dortmund ist nur mit erheblichen Einschränkungen befahrbar.

Auch der internationale Fernverkehr von und nach Brüssel ist immer noch unterbrochen, da in Belgien zahlreiche Strecken gesperrt sind. Für Informationen zur aktuellen Lage im Zugverkehr hat die Bahn eine kostenlose Sonder-Hotline eingerichtet: 08000 99 66 33.

Dreyer sieht Bewältigung der Unwetterfolgen als »langen, teuren Weg«

08.28 Uhr: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) dringt auf Hilfe des Bundes zur Bewältigung der Folgen der Unwetterkatastrophe. »Das Leid ist groß in unserem Bundesland. Unser Bundesland hat so etwas noch nie gesehen«, sagte sie im ZDF. Es sei klar, dass diese Katastrophe nicht allein durch das Bundesland zu stemmen sei, erst Recht nicht durch die Kommunen. »Es ist ein langer Weg. Auch ein teurer Weg.«

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer (SPD) mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz im überfluteten Bad Neuenahr

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer (SPD) mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Olaf Scholz im überfluteten Bad Neuenahr

Foto: WOLFGANG RATTAY / REUTERS

Dreyer nannte es »beruhigend«, dass die Bundesregierung aber bereits Hilfe zugesagt habe. Die SPD-Politikerin verlangte auch mehr Anstrengungen für den Klimaschutz. Diese »Wahnsinnswelle« habe alle Dimensionen gesprengt, dagegen gebe es keinen Schutz. Deshalb müsse nun vor allem die Ursache solch einer Lage beseitigt werden. »Wer jetzt noch nicht begriffen hat, dass der Klimawandel seine Folgen hat, dem ist nicht zu helfen«, sagte sie.

23 Landkreise in NRW von Überschwemmungen betroffen

07.32 Uhr: In Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerung und Katastrophenschutz (BBK) in Bonn 23 Städte und Landkreise von Überschwemmungen betroffen.

Nach Angaben des BBK auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur waren dies (Stand Donnerstagabend):

- Oberbergischer Kreis
- Rhein-Sieg-Kreis
- Mettmann
- Heinsberg
- Düren
- Hochsauerlandkreis
- Rheinisch-Bergischer Kreis
- Wuppertal
- Rhein-Erft-Kreis
- Bochum
- Hagen
- Mülheim an der Ruhr
- Euskirchen
- Essen
- Ennepe-Ruhr-Kreis
- Köln
- Leverkusen
- Solingen
- Märkischer Kreis
- Oberhausen
- Unna
- Düsseldorf
- Bottrop

Zahl der Toten in Rheinland-Pfalz steigt auf 50

06.58 Uhr: Nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Toten auf 50 gestiegen. »Die Befürchtung ist, dass es noch mehr werden«, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz am Donnerstagmorgen. Die Bergungsarbeiten liefen weiter.

Nordrhein-Westfalen meldete zuletzt 30 Tote, damit sind in Deutschland im Zusammenhang mit den Unwettern mindestens 80 Menschen gestorben.

Wie viele Menschen insbesondere in der Region um Bad Neuenahr-Ahrweiler noch vermisst werden, konnte der Sprecher nicht genau sagen. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hatte am Donnerstagabend davon gesprochen, dass das Schicksal von 40 bis 60 Menschen weiterhin ungeklärt sei.

Der Kreis Ahrweiler hatte sogar von 1300 noch vermissten Menschen im Kreisgebiet gesprochen. Eine Sprecherin erklärte das auch mit einem teilweise lahmgelegten Mobilfunknetz. Daher gebe es keinen Handyempfang und viele Menschen seien nicht erreichbar.

Wohngebiet in Wangen im Allgäu überschwemmt

06.23 Uhr: In Wangen im Allgäu im Landkreis Ravensburg ist aufgrund des Starkregens am späten Donnerstagabend ein Wohngebiet überflutet worden. Wie das Polizeipräsidium Ravensburg mitteilte, wurden zunächst zwei Brückendurchflüsse des Epplingser Bachs durch Treibgut blockiert. Dadurch sei das Wasser über das Ufer getreten und hätte das angrenzende Wohngebiet Epplingser Halde überschwemmt.

Nach Angaben der Einsatzkräfte stand das Wasser im Wohngebiet zum Teil kniehoch – zahlreiche Keller und Garagen liefen voll mit Wasser. In einem Blockheizkraftwerk stand das Wasser demnach bis zu 1,60 Meter hoch. Wie viele Häuser von der Überflutung betroffen sind, war zunächst unklar.

Mehrere Straßen rund um das Ahrtal gesperrt

06.22 Uhr: Nach dem Unwetter sind weiterhin mehrere Straßen rund um das Ahrtal gesperrt. Die Autobahn 61 ist zwischen dem Autobahnkreuz Meckenheim und Türnich beidseitig nicht passierbar, wie die Polizei Koblenz mitteilte. Auch die Bundesstraße 9 ist demnach beidseitig zwischen Bad Breisig und Remagen gesperrt. Die Polizei bittet Autofahrer, das Ahrtal weiträumig zu umfahren. Rettungskräfte seien weiterhin im Einsatz.

Rurtalsperre läuft über – Überflutungen befürchtet

04.09 Uhr: Die Rurtalsperre in der Nordeifel läuft seit kurz vor Mitternacht über. Der Wasserverband Eifel-Rur meldet, dass sich die Zuflüsse zu den Talsperren in den vergangenen Stunden reduziert haben und der prognostizierte Überlauf der Rurtalsperre Schwammenauel mit »einer geringen Dynamik« begonnen habe. Gleichzeitig läuft der Überlauf über die Hochwasserentlastung weiter, um den Druck auf die Talsperre zu verringern.

Mit Überschwemmungen im Unterlauf der Rur sei zu rechnen. Überflutungen von Kellern und Häusern seien zu erwarten. Der Kreis Düren hatte bereits vor der Gefahr von Überflutungen in den Städten Heimbach, Nideggen und der Gemeinde Kreuzau gewarnt. Am frühen Freitagmorgen twitterte der Kreis, der Pegel-Anstieg der Rur könnte sich etwa drei Stunden nach dem Überlauf in Obermaubach bemerkbar machen, in Düren nach etwa vier und in Jülich nach 6 bis 7 Stunden.

Der Wasserverband warnte, Menschen sollten sich nicht in Flussnähe aufhalten, da die Gefahr bestehe, mitgerissen zu werden. Auch sollten vollgelaufene Keller nicht betreten werden, weil die Gefahr von Stromschlägen bestehe. Nach Möglichkeit sollte der Strom vorher abgeschaltet werden. An besonders von Hochwasser betroffenen Stellen sei auch mit Evakuierungen zu rechnen. Auch könne es zur Sperrung von Straßen kommen.

Drei Schwerverletzte aus dem Fluss Wurm gerettet

04.05: Die Feuerwehr hat am Donnerstagabend drei Menschen aus dem Fluss Wurm gerettet, die dort zu ertrinken drohten. Wie die Kreispolizeibehörde Heinsberg mitteilte, waren zwei Männer und eine Frau ersten Erkenntnissen nach auf einem Boot bei Übach-Palenberg (Kreis Heinsberg) auf der Wurm unterwegs. Die Einsatzkräfte der Feuerwehr konnten sie in Sicherheit bringen, ein Rettungswagen brachte sie schwer verletzt in ein Krankenhaus.

In der Nähe sei außerdem eine weitere Person aufgefunden worden, die anschließend im Rettungswagen medizinisch behandelt wurde, teilte die Polizei weiter mit. Auch sie war offenbar auf einem Boot auf dem Fluss unterwegs gewesen, wie erste Ermittlungen der Polizei ergaben. Da nicht ausgeschlossen werden könne, dass sich noch weitere Personen auf den Booten befanden, suchten Einsatzkräfte der Feuerwehr und Polizei sowie der Rettungsdienst nach weiteren möglichen Verletzten.

Die Polizei rief ausdrücklich dazu auf, zu Hause zu bleiben und damit die Arbeiten der Rettungskräfte im Kreis Heinsberg zu unterstützen. »Bringen Sie sich nicht selbst und andere Menschen nicht in Gefahr.« Die Flüsse seien durch die Regenfälle so stark angestiegen, dass es lebensgefährlich sei, sich in die Nähe zu begeben oder sie gar mit Booten zu befahren, warnte die Polizei.

Bad Neuenahr-Ahrweiler: Mobilfunknetz lahmgelegt, zahlreiche Vermisste

03.48 Uhr: Im Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) werden rund 1300 Menschen vermisst, wie die Kreisverwaltung am Abend mitteilte. Eine Sprecherin verwies darauf, dass viele Menschen wegen des lahmgelegten Mobilfunknetzes nicht erreichbar seien. »Wir hoffen, dass sich das klärt«, sagte sie zu der hohen Zahl.

Hochwasser-Schäden: Laschet fordert »nationale Kraftanstrengung«

Armin Laschet spricht gestern im nordrhein-westfälischen Hagen zu den Medien

Armin Laschet spricht gestern im nordrhein-westfälischen Hagen zu den Medien

Foto: Martin Meissner / AP

03.01 Uhr: Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung »Maybrit Illner«, es müssten Wege gefunden werden, sehr schnell wieder Straßen, Brücken und andere Infrastruktur in Gang zu setzen. Das Land werde helfen, nötig sei aber auch »eine große nationale Kraftanstrengung, damit schnell die schlimmsten Dinge beseitigt werden«.

Wasserstand an Steinbachtalsperre in NRW sinkt

02.23 Uhr: Im heftig betroffenen Kreis Euskirchen in NRW soll ein Gutachter am Freitag erneut die Steinbachtalsperre unter die Lupe nehmen. Der Wasserstand war am Donnerstagabend durch Abpumpen zwar gesunken. Die Brauchwasser-Talsperre, deren Damm tiefe Furchen aufweist, war von einem Sachverständigen am Vortag als »sehr instabil« eingestuft worden. Deswegen wurden aus Sicherheitsgründen mehrere Ortschaften evakuiert. Betroffen waren rund 4500 Einwohner.

Malteser aus dem Südwesten helfen in Rheinland-Pfalz

Bahngleise wurden in Altenahr vom Hochwasser unterspült

Bahngleise wurden in Altenahr vom Hochwasser unterspült

Foto: Thomas Frey / dpa

00.19 Uhr: Einsatzkräfte des Malteser-Hilfsdienstes aus dem Südwesten unterstützen die Rettungskräfte im besonders schwer vom Hochwasser und Überschwemmungen betroffenen Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Im Auftrag des baden-württembergischen Innenministeriums machten sich die Malteser am Donnerstag mit elf Krankentransportfahrzeugen auf den Weg in das Katastrophengebiet, wie es in einer Mitteilung des Hilfsdienstes hieß.

Die Helfer greifen demnach den Rettungskräften bei der Evakuierung von Krankenhäusern und Pflege- und Altenheimen unter die Arme. »Es ist für uns selbstverständlich, in dieser schwierigen Situation sofort länderübergreifend zu helfen und Solidarität zu zeigen. Unser tiefes Mitgefühl gilt allen Betroffenen«, sagte der Malteser Regionalleiter Karl-Eugen Graf von Neipperg. Das Land Rheinland-Pfalz hatte nach Angaben des Malteser-Hilfsdienstes am Donnerstagnachmittag um überörtliche Hilfe in Form von 100 Krankentransportfahrzeugen für die Patientenverlegung gebeten.

SPD: »Alle Anstrengungen bündeln, um Menschenleben zu retten«

00.03 Uhr: Die SPD-Spitze setzt in der Hochwasser-Katastrophe auf konzentriertes Krisenmanagement und rasche Hilfe. »Jetzt gilt es, alle Anstrengungen zu bündeln, um Menschenleben zu retten und noch größere Schäden zu verhindern«, sagte SPD-Chef Norbert Walter-Borjans der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Walter-Borjans und die Co-Vorsitzende Saskia Esken drückten die Hoffnung aus, »dass die Vermissten unversehrt in den Kreis ihrer Familien zurückkehren«.

Walter-Borjans sagte, die Menschen, die um ihre finanzielle Existenz fürchteten, bräuchten schnell Klarheit. Aufräumarbeiten und Wiederaufbau gelängen nur mit großer Solidarität.

Bundesamt unterstützt Hochwasserregionen mit Satellitenbildern

00.01 Uhr: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) unterstützt die von Hochwasser und Unwetter betroffenen Regionen in Deutschland unter anderem mit Satellitenbildern. »Auf Anfrage der Länder Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen hat das BBK den Copernicus Dienst für Katastrophen- und Krisenmanagement ausgelöst«, sagte Vizepräsident Thomas Herzog dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitag). Copernicus ist das europäische Erdbeobachtungsprogramm.

»Erste Satellitenbilder aus den vom Unwetter betroffenen Gebieten werden seit heute Morgen aufgenommen. Diese Bilder werden, sobald verfügbar, den Beteiligten im Krisenmanagement zur Verfügung gestellt«, sagte Herzog. Zudem würden regelmäßig länderübergreifende Lagebilder erstellt, die den Bundesländern, Hilfsorganisationen und Bundesbehörden für ihr Krisenmanagement zur Verfügung gestellt würden. Das BBK kümmere sich zudem um die Koordinierung von Hilfen, beispielsweise von Helikoptern zur Rettung von Menschen oder Zapfstellen zur Abgabe von Trinkwasser.

Nach Unwettern im Westen Deutschlands sind in den vergangenen Tagen mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz waren besonders betroffen.

bbr/jok/ptz/lau/sol/AFP/dpa/Reuters
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