Hochwasser Vier Tote bei Unwetter in Niederbayern

Die Wassermassen haben in Niederbayern weite Landstriche verwüstet. Vier Menschen kamen ums Leben, Tausende Haushalte sind ohne Strom.


Die Überschwemmungen in Niederbayern haben mindestens vier Menschen das Leben gekostet. Taucher hätten in Simbach am Inn drei Leichen geborgen, teilte der Landrat von Rottal-Inn, Michael Fahmüller, am Mittwochabend mit. Später wurde nach Angaben der Polizei ein viertes Todesopfer gefunden. Die Leiche einer Frau wurde demnach bei Julbach an einem Bach entdeckt.

Die drei Toten in Simbach befanden sich in einem überschwemmten Haus. Nähere Angaben etwa zum Alter und zum Geschlecht der Toten machten die Behörden zunächst nicht. Landrat Fahmüller zeigte sich tief betroffen. Er sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Nach den heftigen Unwettern in Niederbayern, bei dem Flüsse und Bäche über die Ufer traten, bleibt die Lage vielerorts dramatisch. Das Hochwasser im bayerischen Landkreis Rottal-Inn hat 9000 Haushalte vom Strom abgeschnitten. Hunderte Schüler waren von ihrem Heimweg abgeschnitten, erst am Mittwochabend konnten die meisten nach Hause. Eine Schneise der Verwüstung zieht sich durch den Landstrich.

Immerhin: "Die Pegel gehen etwas zurück", sagt der stellvertretende Sprecher des Landratsamts, Robert Kubitschek, am Mittwochabend. Jedoch seien die Verwüstungen groß. "Brücken sind eingestürzt oder unbefahrbar. Straßen sind unterspült."

Amateurvideos zeigen das Hochwasser in Niederbayern:

Facebook/Wolfgang Staudacher

"Von da oben ist das Wasser gekommen", berichtet ein Mann in Simbach am Inn, einer der Orte, die es besonders hart getroffen hat, und zeigt fassungslos die Straße hinauf. "Das war, als wenn ein Staudamm gebrochen wäre."

In Simbach rauschte eine braune Flutwelle durch den Ort Richtung Tal. Autos, Bäume, Möbel und Kleinkram - alles wurde mitgerissen. Im tiefer gelegenen Teil des Ortes sammelt sich die schmutzige Brühe. Während weiter oben schon die Aufräumarbeiten beginnen, ist weiter unten am Mittwochabend immer noch alles von den Wassermassen eingeschlossen.

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Wassermassen in Niederbayern: Schneise der Verwüstung

So wie in Simbach sieht es auch in anderen Gemeinden im Landkreis Rottal-Inn aus. In Triftern stehen Häuser bis in den ersten Stock unter Wasser. Hubschrauber befreien Menschen, die inmitten der Wassermassen gefangen sind. Sie schweben an Sicherungsseilen mit den Helikoptern aufs Trockene. Andere warten noch in den oberen Stockwerken ihrer Häuser auf Hilfe, manche sind aufs Dach geklettert. Und es hört nicht auf zu regnen.

Vorerst kein Strom

Die Fluten verhinderten vielerorts den Zugang zu Trafostationen oder Umspannwerken, teilt der Energienetzbetreiber Bayernwerk am Mittwochabend mit. Tausende Haushalte sollten auch über Nacht ohne Stromversorgung sein.

Da es keinen detaillierten Überblick über die Hochwassersituation gebe, müsse der Strom vielfach abgeschaltet bleiben. Sicherheit habe absoluten Vorrang. "Wir schalten nur dann, wenn wir einen klaren Überblick über die lokale Lage haben", erklärte Jürgen Graml, der beim Bayernwerk den Netzbetrieb Niederbayern verantwortet. Mitarbeiter seien unterwegs, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Schulen bleiben geschlossen

Mehrere Schulen bleiben am Donnerstag geschlossen. Die Abiturprüfungen an der Fachoberschule und an der Beruflichen Oberschule in Pfarrkirchen fänden aber statt, sagte Kubitschek. Schüler, die wegen der Überschwemmungen nicht zur Prüfung kommen könnten, bekämen schnell einen Nachholtermin.

Andere Schüler konnten ihre Schule lange nicht verlassen: In Simbach richteten sich die 350 Schüler sogar auf eine Übernachtung in ihrer Schule ein - die Zufahrtswege waren bis zum Abend nicht passierbar. Auch in Triftern konnten 250 eingeschlossene Kinder das Schulgebäude lange Zeit nicht verlassen. Mittlerweile konnten die meisten den Heimweg antreten, rund 50 Kinder saßen aber auch noch am späten Mittwochabend fest.

Passau ruft Katastrophenfall aus

Auch in Passau - rund 50 Kilometer nordöstlich der besonders hart getroffenen Gemeinden Triftern, Simbach und Tann - wurde mittlerweile der Katastrophenfall als Vorstufe zu einem möglichen Katastrophenalarm ausgerufen. Denn auch hier hört es nicht auf zu regnen.

Die Bevölkerung sei aufgerufen, auf unnötige Autofahrten zu verzichten, nach Möglichkeit im Haus zu bleiben und Kellerräume zu meiden. "Die anhaltenden Regenfälle im südlichen Landkreis und die zu erwartenden Hochwasserstände an Rott und Wolfach geben keinen Anlass, von einer Entspannung der Situation auszugehen."

Überschwemmungen auch in NRW, Sachsen und Niedersachsen

Starkregen machte den Menschen auch in Hannover zu schaffen - die Feuerwehr musste zu mehr als hundert Einsätzen ausrücken. Auch in Leipzig standen einige Straßen unter Wasser.

In Nordrhein-Westfalen steckte bei Xanten ein Regionalzug zeitweise im Schlamm auf den Gleisen fest, wie die Feuerwehr berichtete. Ebenfalls im Raum Xanten saßen Schüler auf einem Bauernhof fest, weil die Wassermassen die Zufahrtsstraßen unpassierbar gemacht hatte. "Die Schüler sind aber nicht in Gefahr. Sie sitzen trocken in einer Scheune und sind versorgt", sagte der Feuerwehrsprecher.

In Düsseldorf liefen mehrere Straßentunnel voll Wasser. Die Autobahn 46 musste dort gesperrt werden. Auch viele innerstädtische Straßen wurden überflutet. Bis in die Nacht zum Donnerstag habe es rund 420 Einsätze gegeben, teilte die Feuerwehr mit. Etwa 240 Mann seien ausgerückt.

Schäden in zweistelliger Millionenhöhe

In Niederbayern sind nach ersten Erkenntnissen Schäden in mindestens zweistelliger Millionenhöhe entstanden. Bayerns Finanzminister Markus Söder versprach in einem Gespräch mit der "Passauer Neuen Presse", man werde "schnell und unbürokratisch" bei der Beseitigung der Schäden helfen.

sun/dpa

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