US-Bundesstaat Utah Erschießungskommando exekutiert Doppelmörder

Ronnie Lee Gardner ist in Utah erschossen worden. Ein Erschießungskommando tötete den verurteilten Doppelmörder im Staatsgefängnis von Draper. Wenige Stunden zuvor hatten der Gouverneur des US-Bundesstaates und das Oberste Gericht sein Gnadengesuch abgelehnt.

AP

Salt Lake City - Zum ersten Mal seit 14 Jahren ist im US-Bundesstaat Utah ein Verurteilter durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden. Der 49-jährige Ronnie Lee Gardner starb Agenturberichten zufolge um 0.20 Uhr Ortszeit im Staatsgefängnis von Draper durch einen Schuss ins Herz - nach 25 Jahren in der Todeszelle.

Fünf Schützen feuerten gleichzeitig auf das mit einem Stück Tuch gekennzeichnete Herz des Häftlings, der zuvor auf einem Stuhl festgeschnallt worden war. Eines der Gewehre war mit einer Platzpatrone geladen. Damit bleibt offen, wessen Schuss tödlich war.

Neben der Vollstreckungsart und der inhumanen Verfahrenszeit von einem Vierteljahrhundert sorgte der Fall Gardner auch deshalb für wütende Proteste, weil fraglich ist, ob der wegen Doppelmordes Verurteilte je einen fairen Prozess hatte. Seine Verteidiger führten an, die Biografie Gardners - seine geistige Behinderung, der schwere Missbrauch in seiner Kindheit - seien gutachterisch im Verfahren nicht in Betracht gezogen worden.

Wenige Stunden vor der Hinrichtung hatten Utahs Gouverneur Gary Herbert und der Oberste Gerichtshof den Einspruch von Gardner abgelehnt. Es gebe "nichts, was nicht schon berücksichtigt" worden sei, antwortete Herbert dem Sender CNN zufolge auf das Schreiben der Anwälte des Verurteilten. Dieser habe eine "faire Gelegenheit" erhalten, seinen Fall vor verschiedenen Tribunalen vorzubringen.

"Ich bin froh, dass es vorbei ist"

Die letzten Stunden verbrachte Gardner der Zeitung "Deseret News" zufolge "entspannt". Er habe vom Nachmittag an alle Teile der Fantasy-Trilogie "Herr der Ringe" gesehen. Kurz vor der Hinrichtung traf er sich dann noch mit einem Mormonen-Priester.

Angehörige von Gardner hatten sich unterdessen vor dem Gefängnis versammelt. Gegen Mitternacht suchten sie beieinander Halt, spielten den Song "Free Bird" und sangen dazu. "Ich bin froh, dass es vorbei ist, dass er frei ist", sagte Ronnies Bruder Randy Gardner nach der Hinrichtung der "Salt Lake Tribune".

Gardner war 1985 zum Tode verurteilt worden, weil er bei einem Fluchtversuch in einem Gericht einen Anwalt erschossen hatte. Damals wurde wegen eines weiteren Mordes gegen ihn ermittelt.

Gardner selbst hatte sich für Erschießung entschieden

Seine Anwälte argumentieren bis zum Schluss, Gardner - der damals von Pflichtverteidigern vertreten worden war - habe einen unfairen Prozess gehabt. Drei der Geschworenen haben sich seither von ihrem Spruch distanziert. Doch Gardners Berufungen scheiterten in allen Instanzen, selbst Appelle der Opferfamilien bewirkten nichts.

Gardner selbst hatte die Art seiner Hinrichtung gewählt, eine Methode, die eigentlich von allen 35 US-Staaten, in denen die Todesstrafe noch gilt, längst als zu barbarisch verboten wurde. Auch Utah schaffte Erschießungskommandos 2004 ab. Das Gesetz galt jedoch nicht rückwirkend - weshalb dem 1985 Verurteilten diese Option weiter vorbehalten blieb.

Seinem Anwalt soll Gardner gesagt haben, dass er sich für ein Erschießungskommando entschieden habe, weil er dies bevorzugte - nicht um eine öffentliche Diskussion anzustoßen und damit die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Gardners Exekution, die Hunderte Reporter aus aller Welt nach Salt Lake City gelockt hatte, ließ die Diskussion um die Todesstrafe, die in den USA immer mehr Ächtung erfährt, neu aufflammen.

siu/dpa/AP

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