US-Studie Hunderte Piloten kämpfen mit Depressionen

Piloten tragen viel Verantwortung. Was ist, wenn sie selbst Hilfe benötigen? Seit dem Germanwings-Absturz ist die Sensibilität für diese Frage gestiegen - jetzt haben Forscher eine anonyme Umfrage gemacht.

Pilot im Cockpit
Getty Images

Pilot im Cockpit


Hunderte Piloten weltweit könnten einer neuen Studie zufolge an einer Depression leiden, aber aus Angst vor Problemen im Job keine Hilfe suchen. In einer anonymen Onlinebefragung zeigten mehr als zehn Prozent der teilnehmenden Piloten Anzeichen für eine Depression, berichten US-amerikanische Forscher der US-Eliteuni Harvard im Fachjournal "Environmental Health" .

"Wir haben herausgefunden, dass viele Piloten, die derzeit fliegen, mit depressiven Symptomen kämpfen und es könnte sein, dass sie keine Hilfe suchen, weil sie Angst vor negativen Auswirkungen auf ihre Karriere haben", sagt Joseph Allen von der Harvard T.H. Chan School of Public Health. Es gebe einen Schleier der Verschwiegenheit um psychische Probleme im Cockpit.

An der anonymen Onlinestudie nahmen rund 3500 Piloten aus mehr als 50 Ländern teil, darunter auch einige Deutsche. Rund die Hälfte der Teilnehmer beantwortete auch die Fragen zu ihrer psychischen Verfassung. Davon zeigten knapp 13 Prozent Zeichen von Depression, rund vier Prozent berichteten von Selbsttötungsgedanken innerhalb der vergangenen zwei Wochen. Der Anteil war höher unter denjenigen die häufiger Schlafmittel nahmen und unter jenen, die sexuell oder verbal belästigt worden waren.

Keine repräsentativen Zahlen

Die Befragung kann keine repräsentativen Zahlen dazu liefern, welcher Anteil der Piloten unter einer Depression leidet oder Suizidgedanken hat. Sicherstellen konnten die Wissenschaftler aber, dass sie nur die Antworten von Piloten ausgewertet haben, die sie unter anderen mithilfe von Gewerkschaften auf die Befragung aufmerksam gemacht hatten. Im Fragebogen gab es Fachfragen, die diese leicht beantworten konnten, die Laien aber Probleme bereitet hätten.

Weil es sich um eine anonyme Befragung handelte, konnten die Forscher auch nicht in späteren Gesprächen überprüfen, ob Teilnehmer tatsächlich unter einer Depression litten, bei denen das Befragungsergebnis darauf hindeutete. Die Wissenschaftler entschieden sich für diese Form der Befragung, damit die Teilnehmer ohne Angst um ihren Job ehrlich antworten konnten.

Trotz aller Einschränkungen lässt das Ergebnis darauf schließen, dass ein relevanter Anteil der Piloten mit Depressionen zu kämpfen hat. Die Wissenschaftler fordern, dass Fluggesellschaften und Verbände die Hilfsangebote für die Betroffenen verbessern.

Sie erwähnen in ihrem Fachartikel auch den Germanwings-Absturzvon 2015, der laut Abschlussbericht der französischen Untersuchungskommission absichtlich vom Co-Piloten ausgelöst worden war.


Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hier finden Sie - auch anonyme - Hilfsangebote in vermeintlich ausweglosen Lebenslagen. Per Telefon, Chat, E-Mail oder im persönlichen Gespräch .

wbr/sms/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.