Prozess in den USA 80-jährige Nonne unterschlägt 800.000 Dollar Schulgeld – und haut es auf den Kopf

In den USA hat eine Ordensschwester Schulgeld unterschlagen und verzockt. Auch ihre Reue schützte sie nicht vor einer Gefängnisstrafe.
Katholische Schule in Torrance: Kindern Angst eingeflößt?

Katholische Schule in Torrance: Kindern Angst eingeflößt?

Foto: PATRICK T. FALLON / AFP

In ihrer ewigen Profess verpflichten sich Ordensleute lebenslang zu Armut, eheloser Keuschheit und Gehorsam. Eine ältere Nonne aus den USA hatte zumindest von der Armut offenbar jedoch irgendwann genug – und hat dabei auch noch gegen das siebte Gebot verstoßen: »Du sollst nicht stehlen«.

Die heute 80-Jährige unterschlug mehr als 800.000 Dollar aus der Kasse einer Schule und verzockte sie, unter anderem beim Glücksspiel und um ihrer Vorliebe für Luxusurlaube in Las Vegas und Lake Tahoe zu frönen. »Ich habe gesündigt, ich habe gegen das Gesetz verstoßen, und ich habe keine Entschuldigung«, sagte die Ordensfrau vor Gericht, wie die »Los Angeles Times « berichtete. Ein US-Gericht verurteilte sie wegen der Taten nun zu einem Jahr und einen Tag Gefängnis.

Schwester verwies auf höheres Gehalt der Priester

Die Nonne war jahrelang Leiterin einer katholischen Privatschule in Torrance im US-Bundesstaat Kalifornien, ihr Eintritt in den Orden der Schwestern des heiligen Josef von Carondelet liegt mehr als 60 Jahre zurück. Der Betrug war bei einer Rechnungsprüfung aufgedeckt worden. Die Schulleiterin hatte versucht, ihn zu vertuschen, indem sie ihre Untergebenen angewiesen hatte, belastende Dokumente zu vernichten.

Als die Erzdiözese Los Angeles von ihr Rechenschaft verlangte, erwiderte sie laut Zeitungsbericht, dass Priester besser bezahlt würden als Nonnen und dass sie der Meinung sei, eine Gehaltserhöhung zu verdienen. Der Anwalt der Nonne plädierte auf Glücksspielsucht und forderte, dass seine Mandantin ihre Strafe in dem Kloster verbüßen dürfe, in dem sie seit der Aufdeckung des Betrugs im Jahr 2018 lebt.

Ehemalige Schüler hatten laut »LA Times« dagegen Haft für die Nonne verlangt. Eine habe von der Angst berichtet, die die Klerikerin den Kindern einflößte, wenn sie sich danebenbenahmen.

Der zuständige Richter, der in seinem Leben von einer Nonne inspiriert wurde, tat sich laut »LA Times« dennoch schwer, das angemessene Strafmaß für die Frau zu finden. »Ich habe seit Gott weiß wie langer Zeit nicht mehr gut geschlafen«, sagte er demnach. Die Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer zweijährigen Haftstrafe lehnte er ab, sagte laut Bericht aber: »Nonnen sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie allein dadurch, dass sie ihr Leben so leben, wie sie es tun, und Menschen so behandeln, wie sie es tun, Kinder für den Rest ihres Lebens beeinflussen.«

Laut Staatsanwaltschaft hätte das gestohlene Geld ausgereicht, um ein Jahrzehnt lang das Schulgeld für 14 Schüler an der Schule zu bezahlen.

apr/AFP
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