North Carolina Protest gegen Polizeigewalt eskaliert

Die Stadt Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina erlebt eine zweite Nacht mit Krawallen. Hunderte Menschen protestierten zunächst friedlich gegen Polizeigewalt, dann eskalierte die Situation. Der Gouverneur erklärte den Ausnahmezustand.


Die zweite Nacht in Folge sind in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina Hunderte Menschen auf die Straße gegangen, um gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Der Protest begann friedlich, dann eskalierte die Situation.

Laut Darstellung der "Washington Post" soll eine Gruppe Demonstranten versucht haben, Polizisten in die Lobby des "Omni"-Hotels in der Innenstadt zu folgen. Die Polizei habe daraufhin Tränengas eingesetzt.

Dann seien Schüsse gefallen, ein Mann sei zu Boden gegangen.

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Proteste in Charlotte: Nacht der Gewalt

Gegen 21 Uhr Ortszeit meldete die Polizei per Twitter, dass ein Mann während der Proteste angeschossen worden sei, er sei wenig später im Krankenhaus gestorben. Der Mann sei nicht von den Einsatzkräften angeschossen worden, es habe sich um eine "Konfrontation zwischen Zivilisten" gehandelt.

Gegen 23 Uhr Ortszeit korrigierte die Polizei per Twitter ihre Angaben. Der angeschossene Mann sei nicht tot, sein Zustand vielmehr kritisch.

Nähere Informationen über den Vorfall gab es zunächst nicht.

An verschiedenen Stellen der Stadt soll es im Lauf des Abends zu Randale und Plünderungen gekommen sein, berichtet der TV-Sender CNN.

Am Ritz Carlton Hotel, so die "Washington Post", seien Scheiben mit Stühlen eingeworfen worden, das Hotel habe daraufhin seinen Eingang verbarrikadiert.

Das Fernsehen übertrug die chaotischen Szenen live: Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse gegen Demonstranten ein. Immer wieder waren Rufe wie "Stop shooting us" zu hören ("Hört auf, uns abzuknallen"), das Motto, mit dem die "Black Lives Matter"-Bewegung in den USA tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze anprangert.

Der Gouverneur des Bundesstaates erklärte noch in der Nacht den Ausnahmezustand.

Die Bürgermeisterin von Charlotte, Jennifer Roberts, rief die Menschen im Fernsehen auf, zu Hause zu bleiben, nicht auf die Straße zu gehen.

Die Proteste in Charlotte wurden ausgelöst durch tödliche Schüsse auf Afroamerikaner durch die Polizei.

Am Dienstag war in Charlotte der 43-jährige Schwarze Keith L. Scott von Polizisten erschossen worden, laut Darstellung der Polizeibehörde war er bewaffnet. Die Familie des Toten dagegen sagt, er habe ein Buch in der Hand gehalten.

Am Freitag war ebenfalls ein Afroamerikaner in Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma von der Polizei erschossen worden, der unbewaffnet war und seine Hände erhoben hatte. Am Montag war ein Video von diesem Einsatz veröffentlicht worden:

AP/ Tulsa Police Department

pad/AP/Reuters



insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
olli118 22.09.2016
1. Was soll man dazu noch grossartig sagen....
Wieder einmal sind vermutlich vollkommen unschuldige Menschen zu Tode gekommen, wieder einmal Schwarze. Wenn Trump die Wahlen gewinnt, werden der Rassismus und der tägliche Wahnsinn in den USA noch zunehmen. Warum man sich in den USA Sorgen macht um islamistische Attentäter, ist mir ein Rätsel. Der bis zu den Zähnen bewaffnete, patriotische Amerikaner ist ein viel grösseres Risiko für Leib und Leben.
grafheini2 22.09.2016
2. Der Vollständigkeit halber
sollte man aber auch erwähnen, dass Polizisten in den USA auch selber häufiger Opfer tödlicher Gewalt werden. Da in den USA Schusswaffen sehr verbreitet sind, reagieren die Cops dort eben immer etwas nervöser, wenn sie einen Verdächtigen kontrollieren.
Peletua 22.09.2016
3. Partner
Im Gegensatz zu Demonstranten gegen dieses himmelschreiende Unrecht werden die Mörder in der US-Polizei offenbar nie bestraft - habe ich da gerade etwas von Polizeistaat gehört? Und warum zum Teufel hängt Deutschland mit einem solchen 'Partnerstaat' herum und schließt ein demokratiefeindliches Abkommen nach dem anderen mit ihm? Schließlich noch: Wetten, dass Trump, der als 'geistiger' (na ja…) Brandstifter sicherlich mitverantwortlich ist für die rassistische Mordserie der US-Polizei, die Proteste von Charlotte in seinem Sinne ausschlachten wird?
jadehase 22.09.2016
4. Zusatzinformation
Schüsse sind durch nichts zu rechtfertigen - weder auf der "einen", noch auf der "anderen" Seite. Die Sache könnte komplizierter sein, als hier der Eindruck erweckt wird und sie ist mit gut-vs.-böse Darstellungen nicht hinreichend erfasst. Die "Welt" berichtet ergänzend in ihrem Artikel: "Polizeichef Kerr Putney berichtete am Mittwoch, Polizisten hätten am Dienstag einen Verdächtigen gesucht. Dabei hätten sie auf einem Parkplatz einen Bewaffneten in einem Auto angetroffen und ihn mehrfach aufgefordert, auszusteigen. Das habe er schließlich getan, allerdings mit der Waffe. Er habe die Polizisten bedroht, daraufhin habe einer von ihnen geschossen. Der Schütze und der getötete Familienvater (43) sind Afroamerikaner."
Phil2302 22.09.2016
5.
Im anderen Artikel steht, dass 23 % der Erschossenen schwarz sind. Endlich ist diese Zahl auch hier einmal zu lesen, es klingt ja zumeist so, als würden nur Schwarze erschossen werden. Ja, der Anteil ist erstaunlich hoch, wenn nur 13 % der Bevölkerung schwarz ist. Aber: Die Gewalt unter Schwarzen ist (natürlich aus Armutsgründen, nicht weil sie schwarz sind, um dem Vorwurf des Rassismus mal direkt entgegenzutreten) deutlich höher: "Insgesamt verhafteten die US-Behörden 2007 10067 mutmaßliche Täter wegen Mordes oder Totschlags. Etwas mehr als die Hälfte von ihnen (5078) waren Schwarze, die aber nur 13,4 Prozent der Bevölkerung ausmachen." Gibt einem zu denken. Und dazu möchte ich noch einen ganz wichtigen Punkt ansprechen: Im Zusammenhang mit Schwarzen hört man in den USA nie das Wort Integration. Trotzdem macht es mir Sorgen, zu sehen, dass es zwischen den Weißen und Schwarzen in den USA auch noch nach 50 Jahren solche Unterschiede gibt. Das mag (da bin ich mir sogar sicher) auf zumindest unterschwelligen Rassismus zurückzuführen sein. Nur: Gibt es eigentlich ein Beispiel in jüngerer Geschichte (
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