Heroinsüchtige Mutter über erschütterndes Foto "Ich war am Tiefpunkt meines Lebens"

Eine Spritze in der Hand, bewusstlos: Vor drei Jahren ging ein Bild von Erika Hurt im Heroinrausch viral. Jetzt gibt es ein neues Foto mit einer ganz anderen Botschaft.


Im Oktober 2016 fuhr Erika Hurt im US-Bundesstaat Indiana auf den Parkplatz eines Ein-Dollar-Ladens. Sie war auf dem Weg zu ihrer Mutter. Sie nahm sich eine Spritze und setzte sich in ihrem Wagen einen Schuss Heroin. Ihr Sohn, zehn Monate alt, sah zu.

Polizisten fanden die damals 25 Jahre alte Frau bewusstlos auf, die Spritze lag noch in ihrer Hand, wie die "Washington Post" schreibt. Ein Bild aus der Bodycam eines der Polizisten wurde später von der Wache der Kleinstadt Hope veröffentlicht - und Hunderttausende Male im Netz geteilt. Das Bild der jungen, bewusstlosen Frau wurde zu einem Symbol der Drogenkrise in den Vereinigten Staaten (lesen Sie hier mehr darüber).

"Ich war am Tiefpunkt meines Lebens", sagt Hurt nun, drei Jahre später, der "Washington Post". Heute ist sie 28 - und nach eigenen Angaben seit drei Jahren clean.

Als sie gesehen habe, wie oft das Polizeifoto im Netz geteilt worden sei, habe sie sich unglaublich geschämt und bloßgestellt gefühlt. "Ich hatte Angst davor, meinen Sohn zu verlieren, und ich fragte mich, ob ich jemals clean sein kann."

Jetzt wird ein neues Foto der 28-Jährigen auf Facebook weiterverbreitet: Es zeigt sie mit ihrem Sohn, lachend. Dazu hat Hurt geschrieben: Millionen Menschen hätten sie nach einer Überdosis gesehen. "Keiner von ihnen hatte offenbar Zeit, nach mir zu fragen, also hier ein Update: Heute habe ich gefeiert, dass ich seit drei Jahren clean bin und mein Sohn seine Mutter zurück hat." Das sei doch mal ein Post, der viral gehen solle.

Und es kam tatsächlich dazu: Der Beitrag wurde inzwischen hunderttausendmal geteilt. Sie habe, sagte Hurt der "Post", Tausende ermunternde Nachrichten bekommen.

Nach ihrer Überdosis habe sie zwei Monate im Gefängnis verbracht und dann sechs Monate in einer Entzugsklinik. Ihr Sohn habe in dieser Zeit bei ihrer Mutter gelebt.

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Nach jedem Besuch habe sie geweint: Ihr Sohn habe sie nicht erkannt, weil er sie so selten gesehen habe. Sie habe viele wichtige Schritte in seiner Entwicklung verpasst: Seinen ersten Worte, seine ersten Gehversuche, den ersten Geburtstag. "Ich habe das alles nicht miterlebt, weil ich eingesperrt war."

Inzwischen hilft Hurt Drogensüchtigen: Sie arbeitet nach einer Ausbildung als Suchtberaterin. Eines Tages wolle sie ihrem Sohn das Bild ihres Absturzes zeigen. Sie erhoffe sich, dass er daraus lernen werde.

jpz

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