9/11-Opfer Leichenteile hätten nicht im Müll landen müssen

Die Leichenteile von 9/11-Opfern sind teilweise auf einer Müllkippe entsorgt worden - dabei hätte es Alternativen gegeben. Laut "New York Times" hatte ein Oberst der Luftwaffe seinerzeit eine Seebestattung vorgeschlagen, doch die wurde von seinem Chef abgelehnt.

Trümmer des Pentagon: Geborgene Leichenteile landeten auf der Müllkippe
AFP

Trümmer des Pentagon: Geborgene Leichenteile landeten auf der Müllkippe


Washington - Seit rund einem Monat befindet sich die US-Luftwaffe in großer Erklärungnot: Wie aus Dokumenten des Pentagons hervorgeht, wurden mehr als tausend Leichenteile von Opfern des 11. Septembers 2001 erst verbrannt und schließlich auf einer Müllkippe entsorgt. Ein ausführlicher Bericht zeigt nun auf fast 2000 Seiten, dass es so weit nie hätte kommen müssen.

Demnach hatte ein Oberst der Luftwaffe im August 2002 eine Mail an seinen Vorgesetzten geschickt. Darin schrieb er laut Angaben der "New York Times": "Mir gefällt die Idee, die Asche über dem Meer zu verstreuen." Er schlug vor, die Überreste auf See und im Beisein eines Pfarrers zu bestatten.

Sein Vorgesetzter wiegelte ab. Die Praxis könnte bei den Opferfamilien den Eindruck erwecken, dass man sich "menschlicher Überreste entledige". Stattdessen einigte sich die US-Luftwaffe darauf, die insgesamt 1321 im Pentagon geborgenen Leichenteile wie medizinischen Abfall zu behandeln, einzuäschern und auf eine Müllhalde zu bringen. Die Angehörigen informierten sie nicht.

Pentagon-Staatssekretärin Jo Ann Rooney versuchte das Vorgehen am Freitag auf einer Pressekonferenz zu rechtfertigen. Es habe sich um kleinste Teile gehandelt, die Labore als biologisch eingestuft hatten. Man konnte jedoch nicht einmal sagen, ob es sich um Leichenteile oder Essensreste handelte, erklärte sie laut "New York Times" als Reaktion auf die Vorwürfe. Auch war nicht klar, ob die sterblichen Überreste möglicherweise von den Terroristen stammten.

Im November vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass die US-Luftwaffe auch eingeäscherte Leichenteile von rund 270 bei Auslandseinsätzen getöteten US-Soldaten auf einer Müllkippe entsorgt hat. Im Jahr 2008 hatte das Militär diese Praxis geändert, seither werden die Überreste der Soldaten auf See bestattet.

irb/dapd



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