Gig hinter Gittern Melissa Etheridge singt im Frauengefängnis

Singen statt sitzen: Melissa Etheridge geht ins Gefängnis. Für die Insassen einer Justizvollzugsanstalt im US-Bundesstaat Ohio gab die Rockerin ein außergewöhnliches Konzert.

Rockstar Melissa Etheridge: "Musik kann die Welt verändern"
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Rockstar Melissa Etheridge: "Musik kann die Welt verändern"


"There's a little bit of you in a little bit of me" - Die Liedzeile der US-amerikanischen Rocksängerin Melissa Etheridge trifft die Stimmung genau: Bei einem Konzert im Frauengefängnis Marysville im US-Bundesstaat Ohio hat die 54-Jährige den Song "A Little Bit of Me" zusammen mit Dutzenden Insassen performt.

Für die Oscar- und Grammy-Gewinnerin war es ein ganz besonderer Auftritt. "Ich glaube, Musik kann die Welt verändern und ich bin dankbar, daran mitwirken zu dürfen", sagte Etheridge am Rande des Auftritts in einem Video-Interview mit dem "Columbus Dispatch". "Es ist mir eine Ehre, hier zu sein", sagte sie.

Melissa Etheridge mit Gitarre, Mikro, Musikanlage: Mehr braucht es nicht
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Melissa Etheridge mit Gitarre, Mikro, Musikanlage: Mehr braucht es nicht

Das provisorische Konzert, bei dem der Rockstar auf einer Lkw-Pritsche Gitarre spielte und sang, geht auf die Initiative von Häftlingen zurück. "Vor zwei Jahren schickten sie ihr ein Video, vor einem halben Jahr skypten sie mit ihr und sangen vor der Kamera für sie, schließlich können sie hier ja nicht weg", berichtet David Brown vom Harmony Project, in dem die Frauen seit Jahren gemeinsam singen, dem "Dispatch".

Von der Aktion des Chors war Melissa Etheridge offenbar so berührt, dass es zum gemeinsamen Auftritt kam: "Eine der Frauen checkte die Tourdaten und lud sie ein", so Brown weiter. Auf einer kleinen Rasenfläche, umgeben von hohen Mauern, stieg schließlich das Konzert, bei dem die Häftlinge zusammen mit Etheridge auch den Song "A Little Bit of Me" sangen.

Inhaftierte Sängerinnen: Willkommene Abwechslung
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Inhaftierte Sängerinnen: Willkommene Abwechslung

"Es war großartig, sie hat mein Herz berührt und sie hat mir viel Hoffnung gegeben", sagte eine der Gefangenen nach dem Auftritt, bei dem die Häftlinge auf der Wiese saßen und der Sängerin zujubelten. "Ich bin so froh, dass ich daran teilnehmen darf", sagte die wegen der Herstellung von Methamphetamin verurteilte Frau.

Auch Etheridge war von den singenden Frauen und ihrer Begeisterung beeindruckt. In einem Schlafsaal der Anstalt mit 2300 Plätzen hinterließ sie mit Farbe ihre Handabdrücke und ermunterte die Gefangenen, sich nach ihrer Entlassung wieder bei ihr zu melden. Auf Twitter schrieb sie zu dem Gig hinter Gittern: "Ich kann noch nicht mal damit beginnen, meine Dankbarkeit für das auszudrücken, was ich heute sehen durfte."

Den Tweet versah Melissa Etheridge mit dem Hashtag "JusticeReformNow" ("JustizReformJetzt"), einer Initiative, die sich dafür einsetzt, die Anzahl Gefangener in den USA zu senken. In dem Land sitzen 2,2 Millionen Menschen hinter Gittern - das sind 25 Prozent der Häftlinge auf der gesamten Welt. Aus Kostengrüngen hatten US-Behörden jüngst entschieden, Tausende Häftlinge vorzeitig zu entlassen.

apr/AP

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insgesamt 7 Beiträge
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Sam_Dicamillo 08.10.2015
1. Authenticjazzman
So what? Johnny Cash sang im Knast, da war sie noch nicht auf Erden.
j.w.pepper 08.10.2015
2. Doch...
Zitat von Sam_DicamilloSo what? Johnny Cash sang im Knast, da war sie noch nicht auf Erden.
...auf Erden war sie schon, wenn auch erst knapp 7 (Folsom) bzw. 8 Jahre alt (San Quentin). Na und? Irgendwie scheint das ja seit über 45 Jahren niemand mehr gemacht zu haben, und wenn, dann offenbar nicht in einem Frauenknast.
crewmitglied27 08.10.2015
3. Interessant, dass
SPon über die vielen deutschen Musiker und Bands, die immer mal wieder im Knast spielen, keinen Bohai macht. Es gibt Vereine, die das organisieren. Im Männerknast wird Hardrock bevorzugt, die Mädels mögen es etwas weicher. Es ist übrigens eine beklemmende Erfahrung, mal einen Knast von innen zu sehen. Ach ja, es gibt nicht nur Musik, sondern auch andere Kulturveranstaltungen in den Knästen. Aber wir sind ja hier nicht Amerika, dann ist das auch keine Zeile wert.
tobo5824-09 08.10.2015
4. Gute Sache
Zitat von Sam_DicamilloSo what? Johnny Cash sang im Knast, da war sie noch nicht auf Erden.
Richtig, aber macht das ihr Engagement kleiner? Für Inhaftierte bedeutet es unendlich viel, wenn sie besucht werden. Und wenn dann gar noch jemand kommt und auch noch richtig gute Musik macht, dann ist das schon ein Festtag. Man sollte nicht meinen, in den Vollzugsanstalten ginge es so unterhaltsam zu wie in "Orange ist the New Black". Leonard Cohen sang mal in "First we take Manhattan": "They sentenced me to twenty years of boredom". Und genau das, gähnende Langeweile und nervtötende Einförmigkeit, bestimmt den Alltag hinter Gittern. Hut ab vor jedem, der etwas dagegen tut. Eine rundherum gute Sache.
Linaritblauer 08.10.2015
5.
Ich habe Melissa dieses Jahr auf ihrer kurzen Deutschland Tour gesehen und sie hatte erkennbar Spaß an dem was sie tut. Ich finde es super, dass sie auch an Benachteiligte denkt und sich hier engagiert. Macht sie noch sympathischer. Eine tolle Künstlerin, die nach schwerer Erkrankung auch anderen Mut macht.
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