Uups! - et orbi Goldenes Kalb nein, Goldesel ja

Der Papst sagt zur Bankenkrise: "Diese Gelder verschwinden, sie sind nichts ..." Natürlich goutiert es der Pontifex nicht, wenn man Goldene Kälber verehrt und dem schnöden Mammon dient. Aber es kann auch nichts schaden, das eigene Portfolio am Verschwinden zu hindern.


Rom - Der Vatikan ist weder Mitglied der OECD noch des Weltwährungsfonds. Er stand niemals auf der schwarzen Liste der "Financial Action Task Force" gegen Steueroasen, und das, obwohl innerhalb der Leonischen Mauern die Maxime herrscht: Es sei netto gleich brutto. Paradiesische Zustände.

Papst Benedikt vor dem Altar im Petersdom: Prunk ist dem Vatikan nicht grundsätzlich wesensfremd
REUTERS

Papst Benedikt vor dem Altar im Petersdom: Prunk ist dem Vatikan nicht grundsätzlich wesensfremd

So konnte Benedikt XVI., der seit Jahren kein Portemonnaie mehr mit sich führt, vor der jüngsten Bischofssynode auch sagen: "Auf Sand baut derjenige, der nur auf die sichtbaren und greifbaren Dinge baut, auf den Erfolg, die Karriere, das Geld. Scheinbar ist dies die wahre Wirklichkeit. Aber dies alles wird eines Tages vorbei sein. Wir sehen das jetzt beim Zusammenbruch der großen Banken: Diese Gelder verschwinden, sie sind nichts. Und so sind all diese Dinge - die als die wahre Wirklichkeit erscheinen, auf die man sich verlassen kann - zweitrangige Wirklichkeiten."

Abgeleitete Konstrukte, Derivate sozusagen. Der Papst ist short in materiellen Werten und Haussier in allem, was sich an der Börse nicht notieren lässt.

Nun hat er aber von seinen rund 264 Vorgängern einen Besitz geerbt. Derzeit etwa eine Tonne Goldbarren im Wert von 19 Millionen Euro, diverse Einnahmen aus Mieten, Titeln und Anleihen, sowie Anlagevermögen, insgesamt gut 1,4 Milliarden Euro. Also etwas mehr als ein Euro pro Katholik, global gesehen.

So steht es in einem 51-seitigen Dokument, das die fürs Zweitrangige zuständige Präfektur allen 4800 Bischöfen und 194 Kardinälen zugeschickt hat - und von dem ein Exemplar auf wundersame Weise in der britischen und katholischen Wochenzeitschrift "The Tablet" landete.

Buchtipp

Alexander Smoltczyk:
"Vatikanistan"
Eine Entdeckungsreise durch den kleinsten Staat der Welt.

Heyne Verlag, 352 Seiten, 17,95 Euro.

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Hier steht zu lesen, dass der Heilige Stuhl neben der Tonne Gold noch 340,6 Millionen Euro in bar hält und circa 520 Millionen in festverzinslichen Papieren und Aktien. Letztere nur zu einem Viertel (über die Zusammensetzung des Aktien-Depots ist nichts bekannt, es sollen sich aber bewährte Dow-Jones-Titel wie IBM und General Motors darunter befinden. Vielleicht auch Volkswagen...).

Damit hat sich der Vatikan, Sand hin, Sand her, als Portfoliomanager durchaus abgebrüht erwiesen und vorausschauender angelegt als die meisten Hedgefonds-Manager auf ihren Kaiman-Inseln. Gold ist stark im Wert gestiegen, und festverzinsliche Staatspapiere sind das Gebot der Stunde. Mit ein wenig Marktglück könnte also das Defizit des letzten Geschäftsjahres von neun Millionen Euro bald wieder ausgeglichen sein.

Während der Krise war übrigens das Gerücht aufgekommen, der Vatikan hätte massiv Aktien abgestoßen und Gold gekauft. Angesichts der Reaktionsschnelligkeit des Kirchenapparates ist das unwahrscheinlich. Wer in Pontifikaten denkt, ist für den Terminhandel nicht zu gebrauchen.


Wieso gibt es im Vatikan ein Standesamt, und warum ist die Kriminalitätsrate dort höher als in São Paulo? Und wie komme ich an der Schweizergarde vorbei? SPIEGEL-ONLINE-Vatikanist Alexander Smoltczyk hat durchs Schlüsselloch des päpstlichen Appartements geblickt und beantwortet gnadenlos alle Fragen, die andere noch nicht einmal zu stellen wagen: "Vatikanistan - Eine Entdeckungsreise durch den kleinsten Staat der Welt" ist jetzt im Buchhandel.



insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
heinrichp 07.11.2008
1. Die Milliarden der Kirche
Kurz vor seinem Märtyrertod am 6. August im Jahre 258 wurde der Heilige Laurentius - der Legende nach - von römischen Christenverfolgern nach den »Schätzen der Kirche« ausgeforscht. Der unerschrockene Heilige, der als Diakon sämtliches Geld der jungen Christengemeinde noch rechtzeitig unter die Habenichtse verteilt hatte, antwortete: Die Schätze der Kirche — das sind die Armen. Über finanzielle Probleme kann die katholische Kirche in Italien nicht klagen - dank Steuerbefreiung, Spendenrekord und Kirchensteuer. Ums Geld kümmern sich Top-Manager. Doch auf Forderungen nach mehr Transparenz reagiert der Vatikan gereizt. Die Katholische Kirche besitzt in Italien rund 10.000 Immobilien. Der Vatikan spart für seine Krankenhäuser, Schulen, Universitäten, Hotels und Altenheime jedes Jahr 400 Millionen Euro Grundsteuer. Es genügt etwa, dass ein Hotel eine Kapelle vorweisen kann, um die Steuer zu umgehen. Die Europäische Union hat die Steuerschlupflöcher mehrfach angeprangert, da dem Vatikan daraus ein Wettbewerbsvorteil entstehe. Erneut hat Brüssel die italienische Regierung zu mehr Transparenz aufgefordert. Es ist das erste Mal in der Geschichte Westeuropas, dass die EU-Kommission mit Nachdruck in die Beziehungen zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl eingreift. http://www.lebedeinbestes.de/13.html
Hovac 07.11.2008
2. Scheinheiligkeit.
Zitat von heinrichpKurz vor seinem Märtyrertod am 6. August im Jahre 258 wurde der Heilige Laurentius - der Legende nach - von römischen Christenverfolgern nach den »Schätzen der Kirche« ausgeforscht. Der unerschrockene Heilige, der als Diakon sämtliches Geld der jungen Christengemeinde noch rechtzeitig unter die Habenichtse verteilt hatte, antwortete: Die Schätze der Kirche — das sind die Armen. Über finanzielle Probleme kann die katholische Kirche in Italien nicht klagen - dank Steuerbefreiung, Spendenrekord und Kirchensteuer. Ums Geld kümmern sich Top-Manager. Doch auf Forderungen nach mehr Transparenz reagiert der Vatikan gereizt. Die Katholische Kirche besitzt in Italien rund 10.000 Immobilien. Der Vatikan spart für seine Krankenhäuser, Schulen, Universitäten, Hotels und Altenheime jedes Jahr 400 Millionen Euro Grundsteuer. Es genügt etwa, dass ein Hotel eine Kapelle vorweisen kann, um die Steuer zu umgehen. Die Europäische Union hat die Steuerschlupflöcher mehrfach angeprangert, da dem Vatikan daraus ein Wettbewerbsvorteil entstehe. Erneut hat Brüssel die italienische Regierung zu mehr Transparenz aufgefordert. Es ist das erste Mal in der Geschichte Westeuropas, dass die EU-Kommission mit Nachdruck in die Beziehungen zwischen Italien und dem Heiligen Stuhl eingreift. http://www.lebedeinbestes.de/13.html
Wäre ja auch blöd wenn Nichtgläubige nicht für die Kirche mitbezahlen würden! Die Lobbyarbeit scheint massiv genung zu sein, dass sich noch kein Politiker, selbst der Linken, getraut hat das Unrechtsystem der beiden offensichtlichsten Formen zu beenden. 1. Staatliche Kirchesteuerabrechnung 2. Bezahlung der Kirchensteuer von arbeitslosen Kirchenmitgliedern ohne es diesen im Vergleich zu arbeitslosen Nichtmitgliedern abzuziehen. Säkularisierung ? Da ist es in God's own Country ja besser.
Volker_Detering 07.11.2008
3. Unermesslicher Immobilienwert
Der Immobilienbesitz wird in der Studie offenbar voellig ignoriert. Die katholische Kirche besitzt weltweit Grundstuecke und Gebaeude in den besten Lagen. Deren Wert ist unermesslich.
GregorWasserstein 07.11.2008
4. Aber auch unverkäuflich
Zitat von Volker_DeteringDer Immobilienbesitz wird in der Studie offenbar voellig ignoriert. Die katholische Kirche besitzt weltweit Grundstuecke und Gebaeude in den besten Lagen. Deren Wert ist unermesslich.
Aber auch unverkäuflich. Die Kirchen in der Welt sind kein "freies Vermögen".
alice_42 07.11.2008
5. Kirche zu verkaufen ...
Zitat von GregorWassersteinAber auch unverkäuflich. Die Kirchen in der Welt sind kein "freies Vermögen".
Mangels Masse - sowohl an Gläubigen als auch an Barschaft - werden doch gerade jede Menge Gotteshäuser versilbert. In guten Lagen sind Kirchen durchaus nicht unverkäuflich. Und in USA werden katholische Kirchen verkauft, um die Entschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer leisten zu können.
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