Familiensynode im Vatikan Bischöfe sehen "positive Aspekte" gleichgeschlechtlicher Liebe

Ändert die katholische Kirche unter Papst Franziskus ihre Haltung zu Homosexuellen? In einem Papier zur Familiensynode schlagen die Bischöfe nun ungewohnte Töne an.
Kardinal Peter Erdö: "Mutige pastorale Entscheidungen"

Kardinal Peter Erdö: "Mutige pastorale Entscheidungen"

Foto: Claudio Peri/ dpa

Rom - Rund 200 Bischöfe aus aller Welt beraten seit gut einer Woche im Vatikan über Ehe, Familie und Sexualmoral. Zur Halbzeit der Synode haben sie sich offen für neue Wege gezeigt. "Es klang klar die Notwendigkeit für mutige pastorale Entscheidungen an", steht in dem Zwischenbericht von Kardinal Peter Erdö.

Homosexuelle könnten die christliche Gemeinschaft bereichern, heißt es in dem Dokument. Erstmals wird darin die Frage aufgeworfen, ob die Kirche diese Menschen willkommen heiße und ihnen einen "brüderlichen Platz" in den Gemeinden anbieten könne, ohne die katholischen Vorstellungen von Ehe und Familie zu verletzen.

Die römisch-katholische Kirche verurteilt homosexuelle Handlungen und lehnt die gleichgeschlechtliche Ehe ab. In dem Bericht gibt es zwar keine Hinweise, dass sie von dieser Haltung abrückt. Doch erstmals ist nun auch von "positiven Aspekten" gleichgeschlechtlicher Beziehungen die Rede. Die Kirche könne ihre Partnerschaft nicht als Ehe sehen, möglicherweise aber ihre Gaben und Qualitäten anerkennen, heißt es. Die Formulierungen heben sich deutlich von früheren Erklärungen ab, die unter den Vorgängern von Papst Franziskus veröffentlicht wurden.

Abschlussbericht wird für Samstag erwartet

Das Dokument zeige, dass Franziskus beim Thema Ehe und Familie die Barmherzigkeit in den Vordergrund rücke, analysierte der Vatikan-Experte John Thavis. Die Formulierungen lassen vermuten, dass sich unter den Bischöfen gemäßigtere Kräfte durchgesetzt haben.

Auch über den Umgang der katholischen Kirche mit Geschiedenen, die erneut geheiratet haben, ist laut Beobachtern in der ersten Synodenwoche intensiv diskutiert worden. Die Teilnehmer hätten die Dringlichkeit für neue Wege erkannt, schreibt Erdö, es könne jedoch nicht eine allgemeine Lösung geben. Am Montag ging die Arbeit der Teilnehmer, zu denen auch beratende Laien gehören, an einzelnen Themen in Kleingruppen weiter.

Seit vergangenem Sonntag diskutieren die Teilnehmer über - für die katholische Kirche - heikle Themen wie Scheidung, die Homo-Ehe oder Verhütung. Die Synode endet am Sonntag mit der Seligsprechung von Papst Paul VI., das abschließende Dokument des zweiwöchigen Treffens soll am Samstag veröffentlicht werden. Es dürfte als Basis für die Synode im Jahr 2015 dienen, die vom 4. bis 25. Oktober stattfinden wird.

wit/dpa/Reuters