Wechsel im Vatikan Papst-Sprecher tritt überraschend zurück

Kurz vor dem Jahreswechsel gibt es im Vatikan einen völlig unerwarteten Abgang: Greg Burke, der Sprecher des Papstes, tritt zurück. Grund sollen Reibereien im Kommunikationsapparat sein.

Papst Franziskus im Juni 2016 mit seinem damaligen Sprecher Greg Burke
DPA

Papst Franziskus im Juni 2016 mit seinem damaligen Sprecher Greg Burke


"Neues Jahr, neue Abenteuer." So knapp kommentierte Greg Burke via Twitter seinen Rücktritt als Sprecher von Papst Franziskus. Zusammen mit seiner Stellvertreterin Paloma García Ovejero gibt Burke mit Beginn des neuen Jahres seinen Posten ab.

"Paloma und ich treten zum 1. Januar zurück. Wir denken, es ist das beste, dass der Heilige Vater zu diesem Zeitpunkt des Wandels in der vatikanischen Kommunikation komplett frei ist, ein neues Team zusammenzustellen", twitterte der 59-jährige Burke. Die Zeit als Vatikan-Sprecher sei "eine faszinierende Erfahrung gewesen, um das Mindeste zu sagen", fügte er hinzu.

Der Pontifex habe den Rücktritt Burkes und seiner Stellvertreterin akzeptiert, teilte der Vatikan mit. Gründe für den Abgang wurden nicht genannt. Interimschef werde der bisherige Social-Media-Koordinator der Kommunikationsabteilung, der Italiener Alessandro Gisotti.

Der Vatikan arbeitet seit längerem an der Umstrukturierung seiner Kommunikationsabteilung, um seine Medienarbeit zu modernisieren. Doch Burkes Abgang als Vatikansprecher kommt überraschend.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte eine Quelle aus dem Vatikan, wonach Burke und Ovejero gegenüber dem Dikasterium für Kommunikation mehr Freiraum eingefordert hatten. Dieser Behörde untersteht die gesamte Öffentlichkeitsarbeit des Vatikans. Behördenchef Paolo Ruffini sprach angesichts des Rücktritts von Burke und Ovejero von einer autonomen und freien Entscheidung der beiden Sprecher.

Papst Benedikt XVI. hatte den damaligen US-Journalisten Burke 2012 als Medienberater in den Vatikan geholt. Beobachter schreiben es Burke mit zu, dass zuerst Papst Benedikt ab 2012 über den Account @Pontifex auf Twitter aktiv wurde und Papst Franziskus dies fortführte. Während seiner Zeit im Vatikan wurden die Medien des Kirchenstaats reformiert. Im August 2016 beförderte Franziskus Burke zum Sprecher des Heiligen Stuhls.

Aufgeschlossen und zugleich konservativ

Bevor er selbst Teil des Vatikan-Apparates wurde, hatte Burke 20 Jahre lang für den konservativen US-Sender Fox und davor unter anderem für die Zeitschrift "Time" aus dem Kirchenstaat berichtet.

Beobachter beschreiben den US-Amerikaner einerseits als aufgeschlossen für Neues, andererseits gilt er aber auch als konservativer Katholik.

Zusammen mit Burke kam 2016 seine Stellvertreterin Paloma García Ovejero an die Spitze der "Sala Stampa", des Presseamts des Vatikan. Sie war die erste Frau in dieser Position. Zu den Aufgaben des Duos gehörte es unter anderem, Pressekonferenzen im Vatikan zu leiten. Burke begleitete Franziskus auch auf Auslandsreisen.

Paloma Garcia Ovejero, Papst Franziskus und Greg Burke;
REUTERS

Paloma Garcia Ovejero, Papst Franziskus und Greg Burke;

Burke, der aus St. Louis stammt, war Jesuitenschüler, gehört der umstrittenen und gerüchteumwobenen katholischen Glaubensbewegung Opus Dei an und lebt Berichten zufolge zölibatär.

Der Abtritt von Burke und Ovejero kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Die katholische Kirche steht vor allem wegen Missbrauchsskandalen in verschiedenen Ländern in der Kritik. Dem Papst selbst wird vorgeworfen, nicht genug gegen pädophile Geistliche zu tun. Im Februar findet ein Gipfel zum Thema Missbrauch in Rom statt, der als "historisch" angesehen wird. Der internationale Medienansturm und die Erwartungen werden groß sein - die erste Herausforderung für Burkes Nachfolger.

mmq/dpa/Reuters

insgesamt 4 Beiträge
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sven2016 31.12.2018
1. Ein netter Jesuit und
Opus-Dei-Angehöriger, der freiwillig im Zölibat lebt? Ah, stimmt. Das ist das 21. Jahrhundert.
k.ockenga 31.12.2018
2. #popemetoo
Nicht nur der Sprecher tritt zurück, ganz Australien ist nach der Verurteilung des Kardinals verunsichert. In Deutschland sind -noch- die Kirchensteuer und Bayern die wichtigsten Stützen. In den USA wackelt alles und die Kirche unter der moralischen Last und der Befriedungsgelder. Dort müßte es jetzt lauten: #popemetoo . Weltweit wackeln in den Pfarrhäusern die katholischen Betten. Reformieren kann man nur was lebt, nicht was leblos ist. Das habt ihr nun von den Reformen! Ach wären wir doch ohne Aufklärung geblieben, dann hätten wir doch auf immer und ewig von und mit den menschlichen Schwächen leben können. Aber so ist das nun mal. Wer ein Fundament erschüttert, sei es noch so faul, der riskiert mutig und willig den Zusammenbruch. Was daraus neu entstehen soll, gleicht auf keinem Fall dem Alten.
vlscout 31.12.2018
3. Hire and fire wie im Weißen Haus
Beim Papst geht's zu wie bei Trump, doch die Presse konzentriert sich wie immer auf ihr Feindbild.
yvowald@freenet.de 01.01.2019
4. OPUS DEI und liberaler Papst?
Der bisherige Pressesprecher des Papstes ist Mitglied der kirchlichen Geheimsekte OPUS DEI. Das läßt tief blicken. Papst Franziskus wird gerne als liberal, tolerant und weltoffen bezeichnet. Wer sich jedoch Leute aus dieser Geheimorganisation ins Haus holt, kann nicht als "Hoffnungsträger" einer Kirche bezeichnet werden, die sich inzwischen ins Abseits manövriert hat, daß sie dort nicht mehr hinauskommt. Da hilft auch kein neuer Pressesprecher. Wenn sich die katholische Kirche nicht an Haupt und gliedern ändert, wird sie zur Großsekte werden, Tendenz schrumpfend. Selbstverschuldet? Na klar! Vielleicht hat ja auch der Teufel die Hand im Spiel, nachdem er den Heiligen Geist wirkungsvoll ausgeschaltet hat. Wer weiß?
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