Schwuler Priester schreibt an Papst "Homophober Hass"

Der polnische Prälat Krzystof Charamsa verlor sein Amt im Vatikan, weil er sich als schwul outete. In einem Brief an Papst Franziskus wirft er der Kirche vor, sie mache Homosexuellen das Leben "zur Hölle".

Coming-out in Rom: Krzystof Charamsa
DPA

Coming-out in Rom: Krzystof Charamsa


Es war ein Spektakel, das weltweit ein großes Echo fand: Anfang Oktober lud der katholische Priester Krzystof Charamsa in Rom zur Pressekonferenz und verkündete, er sei schwul. Just einen Tag vor Beginn der mehrwöchigen Familiensynode im Vatikan.

Mehrere Jahre hatte Prälat Charamsa in der Glaubenskongregation gearbeitet, in der die obersten Sittenwächter der Kirche versammelt sind. Nun provozierte der 43-Jährige seinen Arbeitgeber auf das Äußerste: Nicht nur er liebe Männer, sondern der überwiegende Teil des Klerus.

Brief an den Papst

Zum selben Zeitpunkt sandte Charamsa einen Brief an Papst Franziskus, dessen Inhalt jetzt bekannt wird. Darin wirft Charamsa der Kirche vor, sie mache Millionen homosexuellen Gläubigen das Leben "zur Hölle". Diese Menschen würden stigmatisiert, verfolgt, die Kirche füge ihnen "unermessliches Leid" zu, so zitiert die "BBC" aus einer Kopie des Schreibens.

Im Vatikan herrsche "homophober Hass", Homosexuellen würden Menschenrechte verweigert. Auch sie hätten ein Recht auf Familie, "auch wenn die Kirche sie nicht segnen will". Charamsa unterstrich in dem Brief auch seine Behauptung, der Klerus sei "voll von Homosexuellen".

Der Pole dankte Franziskus zwar auch für einige mitmenschliche Worte für Homosexuelle in jüngster Zeit. Diese Gesten seien aber nur wertvoll, wenn der Heilige Stuhl seine aggressiven Stellungnahmen aus der Vergangenheit zurücknehme. So solle der Vatikan eine Entscheidung von Franziskus-Vorgänger Benedikt aufheben, die es homosexuell veranlagten Männern generell verbietet, Priester zu werden.

Nachdem der Vatikan Charamsa Anfang Oktober schasste, entließ ihn vor wenigen Tagen seine polnische Heimatkirche aus dem Priesteramt. Wenn er seine Lebensweise ändere, dürfe er zurückkehren. Franziskus hat auf Charamsas Brief nach "BBC"-Angaben bisher nicht geantwortet.

Krzystof Charamsa im Video: "Das Zölibat ist unmenschlich"

Angel Garcia / Der Spiegel

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