Untersuchungen in Polen Vertuschungsvorwürfe gegen früheren Vertrauten von Johannes Paul II.

Zum Schutz von persönlichen Bekannten und wichtigen Geldgebern soll der frühere Sekretär von Johannes Paul II. Missbrauchsfälle verschleiert haben. Jetzt untersucht der Vatikan die Vorwürfe.
Stanislaw Dziwisz (links) mit Johannes Paul II. im November 2003 im Vatikan

Stanislaw Dziwisz (links) mit Johannes Paul II. im November 2003 im Vatikan

Foto: PATRICK HERTZOG/ AFP

Im Vatikan werden derzeit Vertuschungsvorwürfe gegen den langjährigen Sekretär des verstorbenen Papstes Johannes Paul II., Kardinal Stanislaw Dziwisz, untersucht. Auf Bitten des Heiligen Stuhls habe sich der emeritierte Erzbischof von Genua, Angelo Bagnasco, zehn Tage in Polen aufgehalten, dort Dokumente eingesehen und Gespräche geführt, teilte die päpstliche Nuntiatur in Polen am Samstag in einer kurzen Erklärung  mit.

Das Ziel der Visite war demnach »die Überprüfung der auch öffentlich signalisierten Vorwürfe der Vernachlässigung durch Kardinal Dziwisz während seiner Amtszeit als Erzbischof von Krakau von 2005 bis 2016«, heißt es.

Im vergangenen November war der 82-jährige Dziwisz durch eine Dokumentation im polnischen Fernsehen schwer belastet worden. In dem 80-minütigen Film »Don Stanislao« des Senders TVN24 kamen Missbrauchsopfer, Priester, Kirchenexperten und investigative Journalisten zu Wort.

Sie warfen Dziwisz vor, als Vertrauter und Sekretär des polnischen Papstes Johannes Paul II. zwischen 1978 und 2005 Vorwürfe über kirchliche Würdenträger wegen sexuellen Missbrauchs weltweit unter den Teppich gekehrt zu haben – teils wegen persönlicher Bekanntschaften, teils aber auch, weil die mutmaßlichen Täter der Kirche große Geldspenden eingebracht hätten. Dziwisz hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Er sprach von »verleumderischen Anschuldigungen«.

Der Vorsitzende der polnischen Bischofskonferenz, Erzbischof Stanislaw Gadecki, hatte nach der Ausstrahlung des Films gesagt, er hoffe, dass alle Fragwürdigkeiten, die in der Reportage dargestellt würden, von einer Kommission des Vatikans aufgeklärt würden.

him/dpa
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