Land unter in Lagunenstadt Rekordhochwasser überschwemmt Venedig

Erst wateten Touristen noch in Gummistiefeln über den Markusplatz - später fuhr nur noch die Polizei in Booten: Venedig ruft wegen extremen Hochwassers den Notstand aus.

Überschwemmte Räume in Venedig: Kitas und Schulen bleiben ganz zu
Marco BERTORELLO/ AFP

Überschwemmte Räume in Venedig: Kitas und Schulen bleiben ganz zu


Mit Wasser kennen sich die Bürger in Venedig ob der Lage der Lagunenstadt aus. Doch die Massen der vergangenen Tage bringen auch sie an ihre Grenzen. Der Ort meldet ein Rekordhochwasser. Bürgermeister Luigi Brugnaro sprach von einer "Katastrophe" und mobilisierte am späten Dienstagabend alle Einsatzkräfte.

Am Mittwoch werde der Notstand ausgerufen, kündigte Brugnaro in einem Video auf Facebook an. Er machte den Klimawandel für die immer häufigeren Überschwemmungen verantwortlich. "Wir rufen die Regierung auf, uns zu helfen, die Kosten werden hoch sein."

Um kurz vor Mitternacht stieg das Wasser - angetrieben durch starken Wind - auf 187 cm über dem Meeresspiegel. Das sei der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 cm erreicht wurden, teilte die Kommune mit. Auch 190 cm scheinen laut den Behörden möglich. Danach sollte das Wasser wieder etwas sinken.

Sicherheitskräfte in Venedig: Der Rekordwert aus den Sechzigerjahren wackelt
Marco Bertorello/ AFP

Sicherheitskräfte in Venedig: Der Rekordwert aus den Sechzigerjahren wackelt

Der Markusplatz in der Unesco-Welterbestadt war vollkommen überflutet. Touristen und Einheimische wateten zunächst noch in Gummistiefeln über den Platz, am Abend fuhr nur noch die Polizei mit Booten. Auch in den Markusdom drang das Wasser ein. Es habe unter anderem Schäden am Mauerwerk angerichtet, berichteten italienische Medien. "Wir versuchen, den Schaden in Grenzen zu halten", sagte der Ingenieur der Basilika, Pierpaolo Campostrini, der Nachrichtenagentur Ansa.

Kitas bleiben zu, Schulen ebenso

Wegen der außergewöhnlich hohen Wasserstände wurden in der Lagunenstadt Kindertagesstätten und Grundschulen geschlossen, teilte die Kommune mit. Am Mittwoch ist kaum Wetterbesserung in Sicht, in ganz Italien ist wie schon seit Tagen Regen angesagt.

Venedig wird wegen seiner Lage in der Lagune immer wieder von Hochwasser geplagt, die Lage verschärft sich aber zunehmend. Die Stadt will seit Langem ein Flutschutzsystem installieren, da der Anstieg des Meeresspiegels immer häufiger zu Überflutungen führt.

jok/dpa



insgesamt 46 Beiträge
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bernteone 13.11.2019
1. Früher oder später
Wird es keine Alternative zur Aufgabe der Stadt geben . Besser wäre bei Zeiten darüber nachzudenken.anstatt Unsummen in Hochwasserschutz und Schadensbeseitigung zu stecken . Der Mensch wird sich nicht ändern und damit wird der Meeresspiegel weiter steigen. Venedig ist nicht die einzige Stadt die davon betroffen ist, vielle Städte am Meer werden in naher Zukunft unter Wasser stehen . Ingenieure haben eine interessante Idee , die Strasse von Gibraltar zu einem Schleusentor umzubauen und die Wasserhöhe im Mittelmeer abzusenken . Der gesamte Mittelmeerraum könnte davon profitieren .
teijin 13.11.2019
2. Läge Venedig in den Niederlanden oder in einem von zwei Dutzend
anderen Ländern, wäre es schon seit Jahrzehnten gegen Hochwasser gesichert. Pech gehabt, Venedig liegt in Italien.
räbbi 13.11.2019
3.
OK, der Hochwasserschutz von 2019 reicht nicht, um mit dem Rekordstand von 1966 klar zu kommen? OK...ja dann wird's wohl der Klimawandel gewesen sein.
brain_user 13.11.2019
4. Venezia
Traurig! Touristenschwämme, Kreuzfahrtschiffe und jetzt Extremhochwasser. Es ist zu Kotzen und die Politik pennt weiter.
bullermännchen 13.11.2019
5.
Ja funktioniert Moses denn nicht? Da bauen die Italiener seit Jahrzehnten am Schleusensystem und am Ende bewegt sich nichts? Dank Berlusconi wurden enorme Summen an die beteiligten Firmen ausgeschüttet. Warum funktioniert dann nichts? Ach, ein Schelm der böses dabei denkt.
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