Energiekrise Venezuelas Frauen sollen aufs Föhnen verzichten

Erst erklärte er Freitage zu Feiertagen, nun sollen Frauen ihre Haare nicht mehr föhnen. Weil Strom knapp ist, ruft Venezuelas Präsident Maduro zum Energiesparen auf.

Venezolanische Miss Universe 2013, Gabriela Isler: Soll künftig auf den Föhn verzichten
REUTERS

Venezolanische Miss Universe 2013, Gabriela Isler: Soll künftig auf den Föhn verzichten


Im sozialistisch regierten Venezuela ist der Strom knapp. Die Lage ist so ernst, dass Präsident Nicolas Maduro Frauen nun dazu aufgerufen hat, auf das Föhnen ihrer Haare zu verzichten. Damit wolle er schmerzhafte Rationierungen vermeiden, berichtet unter anderem der britische "Independent".

Maduro hoffe darauf, dass die Frauen mitmachen. Dem Bericht zufolge ergänzte er mit einem Lächeln: "Ich habe immer empfunden, dass Frauen hübscher sind, wenn sie ihr Haar mit den Fingern bürsten und an der Luft trocknen." Selbst kleine Verhaltensänderungen könnten demnach helfen, darunter auch, Wäscheleinen statt elektrischer Trockner zu verwenden.

Wegen des notorischen Strommangels hatte Venezuela vor wenigen Tagen bereits alle Freitage der nächsten beiden Monate zu Feiertagen erklärt. Das Vorhaben ist Teil eines 60-Tage-Plans, mit dem das Land, das in einer Wirtschaftskrise steckt, Stromausfälle verhindern will. "Wir werden lange Wochenenden haben", sagte Maduro dazu.

Mobilfunkanbieter wollen Auslandsverbindungen kappen

Mit diesen und weiteren ungewöhnlichen Maßnahmen will das 53-Jährige Staatsoberhaupt einem Bericht von "USA Today" zufolge den Stromverbrauch Venezuelas, bei dem es sich um den proportional höchsten in ganz Lateinamerika handle, um bis zu 20 Prozent senken.

Die Stromversorgung in dem südamerikanischen Ölförderland hängt zu 60 Prozent von Wasserkraftwerken ab. Aktuell gibt es aber eine schwere Dürre. Der Regierung wird außerdem vorgeworfen, zu wenig für Ausbau und Wartung der Energie-Infrastruktur auszugeben. Bereits Maduros Vorgänger Hugo Chávez konnte diese Aufgabe nicht erfüllen.

Zudem steckt das Land derzeit in einer Wirtschaftskrise: Lebensmittel und Medikamente sind knapp, es herrscht extreme Inflation. Venezuelas größte Mobilfunk-Anbieter Movistar und Telefonica haben nun nach Angaben der Nachrichtenagentur AP auch noch angekündigt, künftig keine internationalen Gespräche mehr aus dem Land anzubieten, da die Rechnungen nicht bezahlt würden. Zahlreiche Fluglinien haben ihre Routen bereits eingestellt, auch Post wird nur unregelmäßig zugestellt.

Die Opposition kritisierte die Sparpläne des 2013 mit knapper Mehrheit gewählten Präsidenten stark. Angesichts der Krise dürfe etwa unter keinen Umständen eine Vier-Tage-Woche verordnet werden. Die Maduro-Regierung hatte die Mehrheit im Parlament bereits im Dezember an die konservative Opposition verloren, doch die Amtszeit des Präsidenten läuft noch bis 2019.

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro
REUTERS

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro

apr/AP



insgesamt 29 Beiträge
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Baal 11.04.2016
1. Ist doch echt paradox:
Dem zweitgrößten Ölförderland in Südamerika bleibt der Saft weg. Und das alles ohne nennenswerte Industrie.
kayakclc 11.04.2016
2. Energiekrise in Venezuela?
Das kann nur ein verspäteter Aprilscherz sein, oder eben das Eingeständnis, dass da Regierungen ein eigentliche reiches Land durch eine völlig verfehler Politik wirtschaftlich ruiniert haben: sie haben nicht auf Nachhaltigkeit gesetzt, sondern Ideologie über die Vernunft gestellt.
five-oceans-buccaneer, 11.04.2016
3. Das nennt man eben
SOZIALISMUS, gell? Die wenigen Reichen und Privilegierte bleiben auf ihrem Status, die Armen werden noch ärmer und müssen sich noch mehr einschränken... Bin gespannt ob die Frau von Maduros auf den föhn verzichtet... :-))))))
thrashmail 11.04.2016
4.
Zitat von BaalDem zweitgrößten Ölförderland in Südamerika bleibt der Saft weg. Und das alles ohne nennenswerte Industrie.
Schuld hat doch der Yankee Imperialista. Ansonsten würde Venezuela doch da stehen modern und brilliant wie Dubai. :-)
Knuffelbeest 11.04.2016
5. Sozialismus ...
... funktioniert eben nicht. Das Land steht leider kurz vor dem Zerfall.
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