Rassismusvorwurf gegen TV-Kommentator "Gorilla-Effekt" oder "Guerilla-Effekt"?

"Eine entsetzliche Sache": Ein amerikanischer TV-Kommentator steht wegen einer Aussage über Venus Williams in der Kritik. Er sei falsch verstanden worden, verteidigt sich der frühere Tennisprofi.

Getty Images

Es läuft das Match zwischen Venus Williams und Stefanie Vögele in der zweiten Runde der Australian Open. Vögele schlägt auf. Wenn sie den ersten Aufschlag nicht trifft, wird Venus voll angreifen, sagt TV-Kommentator Doug Adler. Der erste Aufschlag landet im Aus, Williams bewegt sich tatsächlich einen Schritt nach vorne, um den zweiten, schwächeren Aufschlag aggressiver zu returnieren. "Wir sehen Venus nach vorne kommen", sagt Adler - und dann hört es sich an, als sagt er: "Sie setzt den Gorilla-Effekt ein".

"Gorilla-Effekt"? Es dauerte nicht lang, bis im Netz Rassismusvorwürfe gegen Adler laut wurden. "Das ist eine entsetzliche Sache", schrieb etwa Ben Rothenberg, ein bekannter Sportjournalist, der für die "New York Times" über Tennis berichtet. Es sei erschreckend, dass die Williams-Schwestern 2017 noch so etwas ausgesetzt seien.

Mit Verweis auf mehrere unsägliche Kommentare auf seinen Tweet fügte Rothenberg hinzu: "Genau darum ist es so problematisch. Selbst wenn es sich um ein Versehen handelt - es muss viel, viel mehr Sensibilität und Achtsamkeit geben."

Adler hat sich inzwischen entschuldigt. Er habe Venus Williams nicht mit einem Gorilla verglichen, sondern ihren aggressiven Stil als "Guerrilla Taktik" beschrieben. Tatsächlich ist das Wort nicht eindeutig zu verstehen.

Er habe einfach versehentlich das falsche Wort gewählt, um die Strategie von Williams zu beschreiben, so Adler.

Die Aufregung ist auch dadurch zu erklären, dass die Williams-Schwestern in ihrer Karriere mehrfach Rassismus erlebten. Venus und ihre jüngere Schwester Serena, die mit 22 Grand-Slam-Titeln so viele gewann wie vor ihr in der Profi-Ära nur Steffi Graf, gehören seit Jahren zu den besten Tennis-Spielerinnen der Welt. In ihrer Heimat boykottierte Serena Williams 13 Jahre lang das Turnier von Indian Wells, weil sie 2001 im Finale dort rassistisch beschimpft worden sei. 2015 kehrte sie zurück, 2016 trat auch Venus dort zum ersten Mal wieder an.

hut/AP

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