Vereitelter Anschlag auf Flug 253 "Holt die Feuerlöscher!"

Als "völlig emotionslos" hat David Schilke den mutmaßlichen Terroristen in Erinnerung. Der Amerikaner war Passagier an Bord des Weihnachtsflugs 253, auf den ein Anschlag verübt werden sollte. In einer E-Mail beschreibt er die Minuten und den Täter: "Er hat sich gar nicht bewegt."
Fotostrecke

Vereitelter Anschlag auf US-Flugzeug: Aufregung in Detroit

Foto: REUTERS/ US Marshals Service

Hamburg - "Auf einmal riefen ein paar Leute 'Feuer' und 'Rauch'", schreibt David Schilke, und "sie schrien 'Wasser'". Dann ging alles auf einmal ganz schnell: Keine fünf Minuten später war die Gefahr gebannt, über 270 Reisende auf dem Weg nach Detroit waren knapp einem potentiell verheerenden Attentat entgangen.

Der 49-jährige Schilke war gemeinsam mit seiner Familie an Bord von Flug 253, "diesem Flugzeug", wie er es nennt; in dem der 23-jährige Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab am ersten Weihnachtstag eine explosive Mischung zündete. Zwei Reihen schräg hinter dem mutmaßlichen Terroristen hat Schilke gesessen; gerade nah genug, um den Vorfall im Detail mitbekommen zu haben - und weit genug, um später nur wenige Fragen seines fünfjährigen Sohnes beantworten zu müssen. CNN.com liegt eine E-Mail des Familienvaters vor, die er seinen Kollegen schicken will, wenn er in der kommenden Woche zur Arbeit zurückkehrt.

Darin beschreibt Schilke, wie auch er zunächst dachte, der Knall - die Fehlzündung der Sprengladung - sei von einem geplatzten Ballon gekommen. Von wo das Geräusch kam, habe er erst erkannt, als der Sitznachbar des mutmaßlichen Täters aufsprang und sich entfernte. Den Rauch und die Flammen habe er von seinem Platz, auch stehend, kaum wahrgenommen.

Während seine Frau für einen Moment gefürchtet habe, die Explosion könne ein Loch in die Außenwand des Flugzeuges gerissen haben, habe er zu keinem Zeitpunkt Angst gehabt, schreibt David Schilke. Das wäre vielleicht anders gewesen, "wenn die Flammen höher gewesen wären ... oder der Verdächtige sich gewehrt hätte".

Doch das tat er nicht. Im Gegenteil: Abdulmutallab "hat sich nicht bewegt oder gesprochen", nicht einmal, als er schon in Flammen stand und mehrere Passagiere Wasser auf ihn gossen, heißt es in der E-Mail. "Er hat sich nicht gewehrt. ... Sein Gesichtsausdruck war vollkommen emotionslos."

"Kontrolliertes Chaos"

Und auch die Passagiere seien - da unterscheidet sich Schilkes Wahrnehmung von der anderer Fluggäste - sehr ruhig gewesen. Seine Frau habe zwar zu Protokoll gegeben, Schreie gehört zu haben, doch er habe keine Panik beobachten können, schlimmstenfalls ein bisschen "kontrolliertes Chaos". Ein Grund, sich glücklich zu schätzen, findet der Amerikaner.

Für eine ausgewachsene Panik jedoch ging alles vermutlich viel zu schnell: Die Fluggäste hätten "Feuer", "Wasser" und "Feuerlöscher" gerufen, schreibt Schilke. Wenige Sekunden später hätten auch schon die Ersten Wasser in den Schoß des 23-jährigen Verdächtigen und auf seinen Sitz geschüttet. Noch bevor jemand die Feuerlöscher holen konnte, sei ein Mann vor ihm aufgesprungen und habe Abdulmutallab aus seinem Sitz und zu Boden gerissen.

Die Rede ist von Jasper Schuringa, dem holländischen Passagier, der als Held von Detroit gefeiert wird. Der 32-Jährige hatte nach eigenen Angaben den brennenden Gegenstand zwischen den Beinen des Terroristen gesehen und weggeworfen und den Nigerianer daraufhin zusammen mit einem Flugbegleiter weggebracht. In weniger als einer Minute sei all das geschehen, ist in der E-Mail von Fluggast David Schilke zu lesen. Als Schuringa, der Held, zurück zu seinem Platz ging, sei er von allen Passagieren laut beklatscht worden.

Fehlalarm dank Weihnachtsschmuck

Derweil hat am Freitag harmlose Weihnachtsdekoration für einen Fehlalarm auf einem amerikanischen Inlandflug gesorgt. An Bord einer Maschine der Northwest Airlines von Detroit nach Orlando sei ein "verdächtiges Objekt" gefunden worden, berichtete die Tageszeitung "Orlando Sentinel" unter Berufung auf einen Unternehmenssprecher. Daraufhin habe sich der Pilot entschieden, in Nashville notzulanden. Dort habe sich das Objekt als Weihnachtsbaumschmuck erwiesen.

Der Versuch des Nigerianers Umar Faruk Abdulmutallab, ein Passagierflugzeug derselben Fluglinie beim Landeanflug auf Detroit zu sprengen, hatte vor einer Woche gravierende Sicherheitsmängel und mangelnden Informationsaustausch zwischen den US-Geheimdiensten offenbart. Das deutsche Bundesinnenministerium verschärfte die Sicherheitsvorkehrungen an hiesigen Flughäfen.

can/AFP