Medienbericht Jede/r Vierte misstraut Medien – viele glauben an einflussreiche Geheimorganisationen

Politiker und Journalisten küngeln, Geheimbünde bestimmen die Ordnung: Forscher haben untersucht, wie mächtig Verschwörungsideologien sind – und welche Rolle klassische Medien noch spielen.
Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

Viele Menschen in Deutschland haben erhebliches Misstrauen gegenüber journalistischen Medien. Das ist laut »Rheinischer Post«  das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft. Demnach stimmt insgesamt ein Viertel der Befragten der Behauptung eher oder voll und ganz zu, dass Politik und Medien »unter einer Decke stecken«

Der Umfrage zufolge denken zudem 23 Prozent der Befragten, dass es geheime Organisationen mit großem Einfluss auf politische Entscheidungen gibt. Bei einer deutschlandweiten Befragung von Ende März hätten dieser Verschwörungserzählung mit acht Prozent noch deutlich weniger Menschen Glauben geschenkt.

Informationen bei YouTube

70 Prozent der Befragten unter 30 Jahren gaben laut Bericht an, sich auf der Videoplattform YouTube über Politik zu informieren. Somit nehme die Plattform einen höheren Stellenwert ein als Lokalfernsehen, Radio oder überregionale Zeitungen.

Für die Erhebung des IW und der Ruhr-Universität Bochum wurden im August und im September laut »Rheinischer Post« etwa 1100 Menschen befragt. Die Meinungsforscher leiteten von der Zustimmung zu bestimmten Aussagen ab, wie empfänglich die Befragten für Verschwörungserzählungen sind.

Fakten zur Methode der Studie

Für die Studie wurden den Autorinnen zufolge  im August und September 2020 genau 1.099 Menschen aus ganz Deutschland befragt. Die zugrundeliegende Stichprobe des Online-Access-Panels der respondi AG bildet die Bevölkerung Deutschlands ab 15 Jahren gemäß der Merkmale Bundesland, Geschlecht, Alter und Bildungsstand gemäß vorgegebener Quotierungen ab. Das Durchschnittsalter betrug 49 Jahre, das Sample setzt sich aus 51 Prozent Frauen und 49 Prozent Männern zusammen. Knapp je ein Drittel der Befragten gaben an, einen Haupt- oder Volksschulabschluss (33 Prozent), die Mittlere Reife (31 Prozent) oder Abitur (34 Prozent) zu haben. 81 Prozent der Befragten kommen aus einem westdeutschen und 19 Prozent aus einem ostdeutschen Bundesland.

Die Aussagen lauteten zum Beispiel: »Die Politik und die Medien stecken unter einer Decke«. Oder: »Es gibt geheime Organisationen, die großen Einfluss auf politische Entscheidungen haben.«

Traditionelle Medien am häufigsten genutzt

Dennoch geht laut »Rheinischer Post« aus der Studie hervor, dass traditionelle Medien wie öffentliche-rechtliche Sender und Tageszeitungen von allen Altersklassen weiterhin am häufigsten genutzt werden und als glaubwürdiger gelten als die sozialen Medien.

Eine Studie von Infratest dimap im Auftrag des WDR  hatte im vergangenen Oktober ergeben: 67 Prozent der Deutschen halten die Informationen in deutschen Medien für glaubwürdig. Das ist ein Höchstwert der 2015 gestarteten jährlichen Befragung.

mxw/jpz/AFP