Ebay-Debakel Versteigerung von 101 Jahre alter Flaschenpost gescheitert

Die Versteigerung der vermutlich ältesten Flaschenpost der Welt ist in letzter Minute gestoppt worden. Beim Stand von 3600 Euro brach Ebay die Auktion vorzeitig ab. Die Enkelin des Empfängers reagierte erfreut.

DPA

Kiel - Die Spannung war groß am Montagvormittag, als die wohl älteste Flaschenpost der Welt bei Ebay versteigert werden sollte. Das Geschäft ließ sich gut an: In kürzester Zeit war das höchste Gebot auf mehr als 3600 Euro geklettert. Doch kurz vor dem Zuschlag kam das unerwartete Aus: Ebay brach die Auktion ab - wegen Verstoßes gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen, wie es hieß.

Demnach hatte der Verkäufer in der Artikelbeschreibung angegeben, dass die 101 Jahre alte Flasche noch bis Januar 2015 im Internationalen Maritimen Museum Hamburg ausgestellt werde. Verkäufer müssten aber grundsätzlich in der Lage sein, angebotene Artikel unverzüglich nach Auktionsende an den Käufer zu übergeben, sagte ein Unternehmenssprecher.

Der Verkäufer Konrad Fischer aus Heikendorf bei Kiel hatte zunächst vermutet, die Enkelin des ursprünglichen Empfängers könnte Ansprüche geltend gemacht haben. Angela Erdmann hatte sich entsetzt über die Versteigerung gezeigt, einen Anwalt kontaktiert und sich sogar zur Ebay-Zentrale in Berlin aufgemacht. "Ich dachte, ich sehe nicht richtig", sagte sie. "Die ganze Familie war total traurig und entsetzt."

Verkäufer Fischer habe hinter ihrem Rücken gehandelt, bemängelte Erdmann. "Das fanden wir unfair." Ein Ahnenforscher hatte sie im Frühjahr als Nachfahrin ausfindig gemacht.

Dass Ebay die Versteigerung letztlich aus formalen Gründen beendete, freut Erdmann sehr. Sie hoffe nun auf eine einvernehmliche Lösung, sagte sie. Demnach wäre es das Beste, wenn die Flasche dem Museum geschenkt würde.

Der Berufsfischer hatte die Flasche mit einer Postkarte aus dem Jahr 1913 im März aus der Kieler Förde gezogen. Auf der Postkarte hatte der Absender darum gebeten, die Flaschenpost an ihn zurückzuschicken. Im April 2014 erreichte die Postkarte dann die Enkelin des Absenders in Berlin.

Erdmann berichtete SPIEGEL ONLINE im Interview, ihr Großvater sei Schriftsteller gewesen und habe in der Reichskulturkammer gearbeitet. Er habe von 1892 bis 1946 gelebt und sei ein reiselustiger Mann gewesen. "Der Fund hat unsere ganze Familie näher zusammengebracht", sagte sie.

Die 101 Jahre alte Flaschenpost wird noch bis Januar 2015 im Internationalen Maritimen Museum Hamburg zu sehen sein. Anschließend stehe einer Versteigerung bei Ebay nichts im Wege, sagte der Unternehmenssprecher.

ala/dpa



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
stelzenlaeufer 28.07.2014
1. Ja ja
Weil die Enkelin nicht mit kassiert hätte macht sie jetzt einen Aufstand. Sowas von klar...
noalk 28.07.2014
2. Ebay-Debakel
Was an dieser Sache ist jetzt das Debakel?
schlawiano 28.07.2014
3.
Ich weiß gar nicht warum sich die Enkelin so aufführt. Ohne den Ahnenforscher, hätte sie von der Existenz der Flaschenpost nicht ein mal mehr gewusst. Herr Fischer verheimlichte nichts. Die Flasche wäre bis 2015 im Museum geblieben. Frau Erdmann hat doch nun die Gelegenheit mitzubieten ;-)
stevie76 28.07.2014
4.
kann er jetzt finderlohn von ihr fordern?
Hajojunge 28.07.2014
5. Der Fischer ist und bleibt rechtmäßiger Eigentümer
Zitat von sysopDPADie Versteigerung der vermutlich ältesten Flaschenpost der Welt ist in letzter Minute gestoppt worden. Beim Stand von 3600 Euro brach Ebay die Auktion vorzeitig ab. Die Enkelin des Empfängers reagierte erfreut. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/versteigerung-von-101-jahre-alter-flaschenpost-auf-ebay-gescheitert-a-983278.html
Den Nachkommen der Familie bleibt es aber unbenommen, dem Finder eine kleine Anerkennung zukommen zu lassen. Oder der Fischer stellt sich die Buddel ins Regal. Wenn jemand eine Flaschenpost aufgibt, die blumenreiche deutsche Sprache drückt es auch für unsere Post so zutreffend aus, muß nun einmal damit rechnen, dass sie leicht verspätet auftaucht und in fremde Hände gerät.
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