Fotostrecke

Mediziner und Soldat: Wiedersehen in Vietnam

Foto: AP/ Sam Axelrad

Nach 47 Jahren US-Arzt gibt Vietcong-Soldat amputierten Arm zurück

Der eine wurde im Vietnamkrieg angeschossen, der andere amputierte ihm den verletzten rechten Arm: Seit einer Operation sind die Leben von US-Mediziner Sam Axelrad und Ex-Vietcong Nguyen Quang Hung verbunden. Nun trafen sie sich wieder.

Hanoi - Mit seiner Vergangenheit wollte Sam Axelrad jahrzehntelang nichts zu tun haben. Der Urologe aus Houston im US-Bundesstaat Texas hatte als Militärarzt im Vietnam-Krieg gedient und wollte, so sagte er der Nachrichtenagentur AP, die Erinnerung nicht wieder aufleben lassen. Eine Tasche mit Andenken ließ er daher lange unbeachtet in seinem Kleiderschrank.

2011 guckte er sich die Tasche schließlich noch einmal genauer an. "Es hat mich einfach umgehauen, was alles drin war", sagt Axelrad. Mit Sicherheit das ungewöhnlichste Erinnerungsstück war das Skelett eines rechten Armes.

Die Knochen gehörtem einem früheren Patienten von Axelrad: Nguyen Quang Hung kämpfte 1966 auf Seiten der Vietcong gegen die Amerikaner. Bei einer US-Offensive in An Khe im Hochland wurde er von einer Kugel in den rechten Arm getroffen. Hung versteckte sich drei Tage lang in einem Lagerhaus, ehe er vom US-Militär gefunden und in ein Lazarett gebracht wurde. Die Wunde am Arm hatte sich entzündet.

"Es war klar, dass er operiert werden musste, aber wir konnten ihn nirgends hinschicken", erinnert sich Axelrad. Er amputierte den Arm. Das Pflegerteam bewahrte ihn auf, kochte das Fleisch ab, bastelte die Knochen mit Draht wieder zusammen und übergab sie dem Arzt. Er habe den Arm als Erinnerung an eine gute Tat mit nach Hause in die USA genommen, sagt Axelrad.

Als er die Knochen in seiner Armeetasche wiederfand, wuchs der Wunsch, nach Vietnam zurückzukehren und die Knochen zurückzugeben. Schon vergangenen Sommer reiste er nach Hanoi. Eine vietnamesische Journalistin griff den Fall auf, Verwandte des 73-jährigen Hung wurden aufmerksam und stellten den Kontakt her.

Nun haben sich der Arzt und sein früherer Patient zum ersten Mal wiedergesehen. In An Khe übergab Axelrad die Knochen. "Ich bin sehr froh, ihn wiederzusehen und einen Teil meines Körpers wiederzuhaben", sagte Hung nach dem Treffen. Die beiden Männer trafen auch die Kinder des jeweils anderen, sie scherzten, wer damals besser ausgesehen habe, als der Krieg ihre Leben zusammenführte.

"Ich bin stolz, mein Blut für die Wiedervereinigung meines Landes gegeben zu haben", sagte Hung. Er habe im Vergleich zu seinen getöteten Kameraden sehr viel Glück gehabt. "Er dachte wahrscheinlich, dass wir ihn in ein Gefangenenlager stecken", sagt Axelrad. "Er war sicher überrascht, dass wir uns einfach um ihn kümmerten."

Nach der Amputation brauchte Hung acht Monate, um sich zu erholen. Anschließend ging er den US-Medizinern in ihrem Lazarett sechs Monate lang zur Hand. Nach dem Krieg arbeitete er als Beamter in der Regionalregierung, ehe er sich auf einer kleinen Reisfarm zur Ruhe setzte.

"Es ist Zeit, abzuschließen", hatte Axelrad am Sonntag gesagt, kurz nach Landung in Hanoi. Mission erfüllt.

hut/dpa
Mehr lesen über