Visavergabe für Weltjugendtag Pilger unerwünscht

Bei deutschen Katholiken sorgt die Visavergabe des Auswärtigen Amtes für Missstimmung: In aller Welt warten immer noch Pilger darauf, nach Deutschland zum Weltjugendtag einreisen zu dürfen – aber es fehlen die notwendigen Papiere.

Von Roman Heflik


Mitglieder der Limburger Diözese protestieren gegen strikte Visaverfahren: "Die Leute sind sauer"
DPA

Mitglieder der Limburger Diözese protestieren gegen strikte Visaverfahren: "Die Leute sind sauer"

Hamburg - Franz Kamphaus ist sauer. Ein "Skandal" sei es, wie das Auswärtige Amt mit ausländischen Besuchern des Weltjugendtages umgehe, wetterte der Limburger Bischof. Und mal wieder werde Afrika als ärmster Kontinent getroffen. Die Wut des Kirchenoberen richtet sich gegen die Beamten der deutschen Botschaft in Kamerun. Per E-Mail hatte das Amt den Bischof darüber informiert, dass zwölf Kamerunern keine Visa erteilt werden könnten - weder zum Besuch des Weltjugendtages in Köln, noch zur Teilnahme an einem Partnerschaftsprogramm von Kamphaus' Diözese.

Dabei hatte der Bischof noch im vergangenen Oktober in Kamerun zum großen Gläubigen-Treffen an den Rhein geladen. Doch nach Angaben des Bistums Limburg wurde der Gruppe nun die Einreise verweigert, weil sie als Jugendliche zu wenig verdienten und noch nie gereist seien. Was bleibt, ist die Enttäuschung - und 7000 Euro Stornokosten für die im letzten Moment abgesagten Flüge.

Groß angelegte Menschenschleusungen vermutet

Eine ähnliche Enttäuschung wie das Bistum Limburg erlebte auch die Diözese Erfurt. Das Bistum hatte Pilger verschiedener Nationen nach Deutschland eingeladen, darunter 188 Philippiner, 23 Kameruner und 9 Nigerianer. Doch sechs Tage vor Beginn der Massenveranstaltung haben die deutschen Behörden nach Angaben der Diözese erst 3 Nigerianern und 28 Philippinern ein Visum ausgestellt. Die deutsche Botschaft hatte per Fax lapidar mitgeteilt, dass es in vielen Fällen "ernsthafte Zweifel an der Rückkehrabsicht" gegeben habe. Es gebe Grund zu der Annahme, dass es sich um einen groß angelegten Versuch der Menschenschleusung handele.

Limburger Bischof Franz Kamphaus: "Ein Skandal!"
AP

Limburger Bischof Franz Kamphaus: "Ein Skandal!"

Auch die Jugendkommission der katholischen Kirche auf den Philippinen teilte mit, dass die deutschen Behörden mindestens 50 philippinischen Jugendlichen die notwendigen Einreisepapiere verweigert hätten. Man sei "sehr enttäuscht" über diese Entscheidung, sagte ein Vertreter der katholischen Kirche auf den Philippinen. Alle abgelehnten Bewerber stammten aus der muslimisch geprägten Unruheregion Mindanao und von den Visaya-Inseln. "Wir finden es sehr merkwürdig, dass diese jungen Menschen von der deutschen Regierung ausgeschlossen wurden", sagte der Kirchenvertreter. Trotz mehrerer Anfragen habe die philippinische Kirche keine Begründung erhalten.

35.000 Pilger wollen einreisen

Das Auswärtige Amt wies die Kritik des Limburger Bischofs zurück. Das Ministerium arbeite seit Jahresbeginn mit den Organisatoren des Weltjugendtags zusammen, um die Visa-Vergabe möglichst reibungslos zu gestalten. Deutschland wolle sich schließlich bei dem Ereignis, das vom 16. bis 21. August dauert, als weltoffener Gastgeber präsentieren.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes räumt jedoch gegenüber SPIEGEL ONLINE ein: "Wir befinden uns in einem Spannungsverhältnis." Auf der einen Seite habe man zusammen mit der Leitung des Weltjugendtags beschlossen, das Visaverfahren zu erleichtern. Andererseits müssten die Auslandsvertretungen jeden Einreisenden daraufhin überprüfen, ob der Besuch des Weltjugendtages möglicherweise nur ein Vorwand sei, um in Deutschland unterzutauchen. Keine leichte Aufgabe: Mehr als 800.000 Besucher erwartet die Leitung des Pilgertreffens, rund 35.000 davon stammen aus Ländern, in denen man zum Besuch der Bundesrepublik ein Visum benötigt. Bei früheren Weltjugendtagen wie in Rom oder Toronto waren Hunderte Gäste untergetaucht oder hatten Asyl beantragt.

Für den Weltjugendtag in Köln hätte eigentlich alles ganz leicht und unbürokratisch ablaufen sollen: "Das Ganze war so gedacht, dass sich die Pilgergruppen frühzeitig mit Listen anmelden sollten und der jeweilige Bischof vor Ort ihre Teilnahme absegnete", berichtet der Sprecher. Nach dieser Bestätigung übernimmt der Weltjugendtag eine pauschale Verpflichtungserklärung für alle registrierten visapflichtigen Besucher, der zufolge er für ihre Unterkunft, Verpflegung und notfalls auch ihre Rückführung aufkommt. Auch die Gebühr für ein zeitlich begrenztes Visum entfällt für die Pilger.

Kerzen mit Papstbildnis für den Weltjugendtag: 800.000 Gläubige erwartet
DDP

Kerzen mit Papstbildnis für den Weltjugendtag: 800.000 Gläubige erwartet

"Trotzdem muss der Kollege in der Botschaft prüfen: Ist der Visa-Antragsteller wirklich der auf der Liste? Handelt es sich eventuell um einen Trittbrettfahrer, der bloß nach Deutschland einreisen will?" Oft würden sich mutmaßliche Pilger um ein Visum bemühen, die in keiner der Listen stünden. Einige der Jugendlichen könnten auch keine Zustimmung der Sorgeberechtigten zu der Auslandsreise vorlegen, andere würden sich als Schüler bezeichnen, könnten aber keine Schulbescheinigung vorlegen. In einem solchen Fall versuche der Beamte dann herauszufinden, ob der Jugendliche wirtschaftlich und familiär in seinem Land verwurzelt sei. Dazu gehöre beispielsweise die Frage, ob der Antragsteller einen festen Arbeitsplatz habe oder seine Familie Land besitze. Zusätzlich würden routinemäßig die Daten des Einreisewilligen mit dem Ausländerzentralregister des Innenministeriums abgeglichen, um "sicherheitskritische Personen" auszufiltern.

Die Zahl derer, denen das Visum verweigert werde, sei im Verhältnis zu der Gesamtzahl der visapflichtigen Pilger sehr gering, heißt es im Auswärtigen Amt. Schätzungen gehen von etwa fünf Prozent aus. Der Außenamtssprecher gibt sich zuversichtlich: "Die Auslandsvertretungen arbeiten noch heute an dem Problem, obwohl das Vorprogramm des Weltjugendtages bereits morgen beginnt."

Michael Wittekind beschwichtigt das nicht. Der Sprecher des Limburger Bistums hat kaum noch Hoffnungen, dass die Kirchendelegation der zwölf Kameruner noch nach Deutschland kommen darf. Die Enttäuschung bei den Gastfamilien sei groß, berichtet Wittekind: "Die Leute sind richtig sauer."

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.