Volksentscheid Malteser stimmen für Scheidungsrecht

Für Malta ist es eine kleine Revolution: In einem Referendum hat sich die Bevölkerung dafür ausgesprochen, in dem katholischen Inselstaat künftig Ehescheidungen zu erlauben. Jetzt ist das Parlament am Zug.

Pärchen in Valletta: Die Bischöfe sind gescheitert
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Pärchen in Valletta: Die Bischöfe sind gescheitert


Valletta - Die Gegner kämpften bis zuletzt, warnten sogar, dass Jesus in der Wahlkabine dabei sei. Dennoch hat sich eine knappe Mehrheit der Malteser in einem Referendum dafür ausgesprochen, dass zerrüttete Ehen künftig geschieden werden dürfen. Etwa 52 Prozent votierten für ein gesetzliches Scheidungsrecht. Das teilte die Regierung des Zwergstaats am Sonntag in Valletta mit. Die Wahlbeteiligung in dem 400.000-Einwohner-Staat lag bei 72 Prozent.

Als einziger EU-Staat und weltweit einziges Land neben den Philippinen hatte das streng katholische Malta Scheidungen bislang untersagt. Der Abstimmung war ein langer Schlagabtausch zwischen der katholischen Kirche und Befürwortern eines Scheidungsrechts vorausgegangen. Auch Regierungschef Lawrence Gonzi gehörte zu den Gegnern.

"Das ist nicht das Ergebnis, das ich mir gewünscht hätte", sagte Gonzi. "Aber der Wille der Bevölkerung muss respektiert werden." Das Parlament werde jetzt ein Gesetz zur Einführung von Scheidungen erarbeiten und dann darüber abstimmen. Das Referendum ist für die Abgeordneten nicht bindend. Beobachter gehen aber davon aus, dass sie dem Votum der Bevölkerung folgen werden.

In Malta ist der Katholizismus Staatsreligion. 98 Prozent der Malteser sind katholisch, Abtreibungen sind verboten. Papst Benedikt XVI. hatte die Bevölkerung noch bei einem Besuch im vergangenen Jahr für ihre konservative Haltung gelobt. Das Referendum kam jedoch trotz des Widerstands der maltesischen Bischöfe und von Regierungschef Gonzi zustande. Viele Malteser sahen in der Entscheidung mehr als die Scheidungsfrage - es ging auch darum, welche Rolle und welchen Einfluss die Kirche in der Gesellschaft künftig haben soll.

Von jetzt auf gleich dürfen sich Malteser aber auch nach den nun gebilligten Regeln nicht scheiden lassen: Laut dem Referendumsvorschlag soll eine Scheidung künftig möglich sein, wenn die Ex-Partner mindestens vier Jahre getrennt gelebt haben und keine Aussicht auf Versöhnung mehr besteht.

dab/dpa/AFP

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insgesamt 38 Beiträge
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Mutige 29.05.2011
1. endlich
es wurde auch Zeit, dass es sich dort ändert
kyon 29.05.2011
2. der Himmel weint wohl
Zitat von sysopFür Malta ist es eine kleine Revolution: In einem Referendum hat sich die Bevölkerung dafür ausgesprochen,*in dem katholischen Inselstaat künftig Ehescheidungen zu erlauben. Jetzt ist das Parlament am Zug. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,765543,00.html
Jetzt wird es wohl bald auf Malta regnen, da der Vater und der Sohn und die Gottesmutter im Himmel untröstlich weinen werden. Nun ja, der Flora und Fauna auf Malta wird es gut tun.
Zeitkind 29.05.2011
3. Mittelalter
Erinnert mich an die Schweiz und das Frauenwahlrecht. Erstaunlich, daß man so lange im Mittelalter verbleiben kann. Und wir schimpfen über islamistische Staaten, obwohl weltfremdes aus der Abteilung Fundamentalismus noch im ach so fortschrittlichen Europa zu finden ist.
Andreas Rolfes 29.05.2011
4. Statistik?
Mich würde mal interessieren, wie hoch das durchschnittliche Heiratsalter bei den Maltesern ist und wie viele Paare überhaupt heiraten, wenn es keine Exit-Option gibt.
Student5 29.05.2011
5. Unterhaltsrecht.
Viel wichtiger als die Frage der Scheidung ist die des nachehelichen Unterhalts. Anders gesagt: Es geht darum, ob sich die Scheidung jetzt "lohnt". Falls ja, dann enstünden Verhältnisse wie bei uns. Die Scheidung an sich ist ja vielleicht noch akzeptabel, wenn sich irgendwann herausstellt, daß eine falsche Wahl getroffen worden war. Aber bei uns werden ja Scheidungen vor Allem von den Vertretern desjenigen Geschlechts eingereicht, das sich hinterher finanzielle Vorteile ausrechnen kann, besonders, wenn es Kinder gibt. Und gerade für diese ist die Scheidung dann eine Katastrophe. Dabei sollten wir auch die Kausalität bedenken: Ehen werden nicht umbedingt geschieden, weil die Liebe erloschen ist, sondern sie erlischt, weil der begünstigte Teil sich ausrechnet, daß - bei mindestens einem Kind - der Geldsegen winkt.
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