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19. November 2006, 16:26 Uhr

Von Banane bis BRD

Darüber lachte der Osten

Historiker und Germanisten adeln den Ostwitz zum akademischen Studienobjekt. Doch studieren kann man ihn auch anders: Live und in Aktion, zum Beispiel. SPIEGEL ONLINE hat Beispiele für Ost-, Ossi- und Wessiwitze gesammelt - und setzt darauf, dass Sie davon noch mehr zu bieten haben.

Witze über Walter Ulbricht oder Erich Honnecker, über Bananenmangel und BRD-Borniertheit: Die trotzige Humor-Produktion des Ostens hat es dem Germanisten Karl-Heinz Borchardt angetan. Seit Jahren erforscht er an der Uni Greifswald den sehr spezifischen Ost-Witz und ist damit nicht allein. Vierzig Jahre Humor-Tradition drohen mittelfristig unterzugehen: Eine erste Generation, die die deutsche Teilung nie erlebt hat, nähert sich dem Erwachsenenalter.

Wahre, sozialistische Liebe: Erich Honnecker (rechts) beim innigen Bruderküschen mit Leonid Breschnew
AP

Wahre, sozialistische Liebe: Erich Honnecker (rechts) beim innigen Bruderküschen mit Leonid Breschnew

Noch aber lebt der Ostwitz, noch hallen die Lacher über das Leben mit den Tücken des real existierenden Sozialismus nach, noch sind die Pointen ohne große Erklärungen verständlich.

Wie frech und trocken dieser Osthumor dem Frust ein Ventil gab - für den Witzeerzähler mitunter durchaus mit Risiken verbunden - wollen wir im folgenden mit einer kleinen Sammlung zeigen. Gespannt sind wir aber vor allem auf Ihre Ostwitze: Die besten wollen wir an dieser Stelle in den nächsten Wochen veröffentlichen. E-Mail genügt, spon_panorama@spiegel.de ist die Adresse - und bitte das Stichwort nicht vergessen: "Ostwitz".

pat


Die Kunst, sich selbst hopp zu nehmen

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IM auf der Straße: "Wie beurteilen Sie die politische Lage?"
Passant: "Ich denke ..."
IM: "Das genügt - Sie sind verhaftet!"

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Erich Honecker besucht einen Kindergarten in Karl-Marx-Stadt. Eifrig haben sich die Kleinen darauf vorbereitet. Nun fragt Erich den kleinen Hans: "Na mein Kleiner, wer ist denn dein Vater?" "Du, Onkel Erich!"
Erich freut sich und fragt weiter. "Nun sag mir doch mal, wer ist denn deine Mutter?"
"Das ist die DDR, Onkel Erich!"
Wieder freut sich Erich und fragt weiter. "Und was möchtest du denn mal werden mein Kleiner?"
"Vollwaise, Onkel Erich!"

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Wird einer von der Volkspolizei angehalten: "Können Sie sich ausweisen?"
Staunt der : "Kann man das jetzt selbst?"

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Warum laufen eigentlich seit Neustem so viele alte Leute mit Rucksäcken rum?
Im Zuge der Energieverknappung wurden die Herzschrittmacher auf Braunkohlebetrieb umgestellt...

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Warum klebten die Ulbricht-Briefmarken immer so schlecht? Die Leute spuckten alle auf die falsche Seite.

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Der Lehrer fragt in der Schule: "Was ist das wichtigste im Sozialismus?" Die Schüler überlegen und Fritzchen meldet sich: "Das Wichtigste im Sozialismus ist der Mensch!"
Der Lehrer: "Das ist eine gute Antwort, Fritzchen. Ich gebe dir eine Zwei."
Fritzchen ist unzufrieden und meldet sich nachdrücklich: "Würden Sie mir vielleicht eine Eins geben, wenn ich Ihnen sage, wie der Mensch heißt?"

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Aus dem Programm des Parteitages der SED:
1. Hereintragen des Präsidiums.
2. Synchronisieren der Herzschrittmacher.
3. Absingen des Liedes: "Wir sind die junge Garde des Proletariats."

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Im zweiten Teil: Mehr schräger Ost-Humor - und ein schmackhafter Videoclip. Weiter...

Was passiert wenn die Sahara sozialistisch wird? Die ersten zehn Jahre passiert gar nichts, aber dann wird der Sand allmählich knapp.

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Welcher Nationalität waren Adam und Eva? Natürlich waren sie Russen: Sie hatten nichts anzuziehen. Sie hatten kein Haus. Und sie glaubten sich im Paradies.

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Jeden Morgen kauft ein Mann am Kiosk das Neue Deutschland, guckt auf die erste Seite und wirft die Zeitung dann in den Papierkorb. Eines Tages spricht die Zeitungsfrau ihn an. "Ich versteh sie nicht", sagt sie, "Sie werfen nicht mal einen Blick auf die Lokalseite oder die Sportberichte warum kaufen sie die Zeitung überhaupt?"
"Wegen der Todesanzeigen."
"Aber die stehen doch auf der letzten Seite."
"Die mich interessieren, stehen auf der ersten Seite."

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Walter Ulbricht und Mao Tse-tung unterhalten sich über Innenpolitik. "Und wie viele politische Feinde", fragt Walter Ulbricht, "haben Sie in der Volksrepublik China?"
"Es werden so ungefähr siebzehn Millionen sein", antwortet Mao Tse-tung.
"Ju", sagt da Ulbricht, "das ist ungefähr wie bei uns."

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Der Parteisekretär beginnt feierlich seine Rede zur Parteiversammlung: "Unsere großen Erfolge..."
Da ruft ein Mann aus der letzten Reihe: "Und was ist mit dem Klopapier"?
Der Parteisekretär spricht weiter: "Unsere großen Erfolge bei der Versorgung..."
Wieder wird er unterbrochen: "Und was ist mit dem Klopapier"?
Der Parteisekretär fährt fort, wird aber bei jedem Satz durch den Rufer unterbrochen. Endlich reicht es ihm und er brüllt zurück: "Du kannst mich mal am A.... lecken, Genosse"!
Darauf der Zwischenrufer: "Das kann aber auch nur eine vorübergehende Lösung sein"

Noch nicht genug? Sehr gut: Im dritten Teil gibt es mehr Ost-Humor. Weiter...

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Erich Honecker hält eine Rede zur Entwicklung des Sozialismus. "Liebe Genossinnen und Genossen", verkündet er lautstark, "die Entwicklung des Sozialismus ist nicht aufzuhalten! Schon heute bedeckt der Sozialismus ein Fünftel unserer Erde! Und schon bald wird es ein Sechstel, ein Siebtel, ein Achtel, ein Neuntel und ein Zehntel sein!"

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Was kommt heraus, wenn man einen Wessi mit einem Ossi kreuzt? Ein arroganter Arbeitsloser.

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Was er denn so in seiner Freizeit mache, soll Walter Ulbricht einmal John F. Kennedy gefragt haben. Er sammle Witze, die die Leute über ihn machten, antwortete der amerikanische Präsident locker. Darauf Ulbricht im schönsten Sächsisch: "Na, da simmer doch fast eener Meenung: Ich sammle die Leide, die Witze über misch machen!"

"Honni"-Dekoration eines Karnevals-Wagens in Berlin: Aus dem einst gefürchteten Staatsratsvorsitzenden ist eine Figur der Popkultur geworden
DPA

"Honni"-Dekoration eines Karnevals-Wagens in Berlin: Aus dem einst gefürchteten Staatsratsvorsitzenden ist eine Figur der Popkultur geworden

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Honeckers Lieblingssportart? Bobfahren! Wieso? Links 'ne Mauer. Rechts 'ne Mauer. Und immer bergab!

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Erich Honecker, der Regierungschef der DDR, möchte bei einer Treibjagd ein Wildschwein haben. Er schickt seine Männer los, um eins zu schießen. Doch sie kommen ohne Wildschwein zurück. Honecker möchte das überprüfen lassen und holt zwei Männer von der Stasi. Nach einer Weile kommen die Stasi-Leute mit einem Hasen wieder. Honecker regt sich auf und fragt, was der Quatsch soll. Da sagt ein Stasi-Mann: "Wir haben so lange ein Kreuzverhör mit ihm gemacht, bis er zugab, dass er mal ein Wildschwein war!"

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Enttäuscht spricht Ossi: Wessi, Sie haben Ihr Versprechen gebrochen. Dieser tröstend: Macht nichts, Sie bekommen ein Neues.

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Ein hoher SED-Führer, der betrunken zwei DDR-Bürger angefahren hat, fragt den Richter verängstigt nach seiner zu erwartenden Strafe. "Du bekommst natürlich keine, Genosse! Der Mann, der durch die Scheibe deines Autos flog, wird wegen Einbruchs verurteilt. Und der andere, der 15 Meter durch die Luft flog, wird wegen Unfallflucht bestraft."

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Ulbricht stirbt und kommt natürlich in die Hölle. Der Teufel fragt Ulbricht: "Wo möchtest du hin, in die kapitalistische oder die sozialistische Hölle?"
Darauf antwortet Ulbricht: "Den Sozialismus kenne ich ja nun schon, zeige mir doch einmal den Kapitalismus!"
Der Teufel öffnet eine Tür und Ulbricht schaut hinein. Er sieht ein paar Gestallten, die auf Nagelbrettern sitzen und liegen.
"Nein", sagt Ulbricht, "da möchte ich nicht hin, den ganzen Tag auf diesen Nägeln, das tut doch weh. Ich gehe lieber wieder in den Sozialismus."
Der Teufel schloss die Tür, ging zur nächsten und öffnete diese. Da saßen Gestalten in der Mitte des Raumes und diskutierten. Ulbricht trat ein und fragte: "Was macht ihr denn da?"
Eine Gestalt erhob sich und sagte: "Na was wohl? Haben wir Bretter, haben wir keine Nägel. Haben wir Nägel, haben wir keine Bretter. Haben wir beides, machen wir erstmal eine Arbeitsversammlung mit anschließender Arbeitsschutzbelehrung!"

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Sie kennen mehr, bessere, neuere, frechere Ost-Witze? Immer her damit: E-Mail an spon_panorama@spiegel.de genügt, Stichwort "Ostwitz". Wir sind gespannt!

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