Vorwürfe gegen Victoria's Secret Engel in der Hölle

Mehrere Models berichten in der "New York Times" von Fällen sexueller Belästigung bei der US-Dessous-Marke Victoria's Secret.
Backstage: Supermodel Miranda Kerr bereitet sich auf die Victoria's Secret Show 2012 vor

Backstage: Supermodel Miranda Kerr bereitet sich auf die Victoria's Secret Show 2012 vor

Foto: CARLO ALLEGRI/ REUTERS

Für viele Models war es die Krönung ihrer Karriere, einmal als "Engel" für die Unterwäschemarke Victoria's Secret über den Laufsteg zu schweben. Doch die Zeiten haben sich geändert, spätestens seit der #MeToo-Bewegung steht die Marke für ihr Frauenbild in der Kritik. Inzwischen mischen moderne, feministische Start-ups die Branche auf. Die jüngste Modenschau der US-amerikanischen Dessous-Marke im Jahr 2019 wurde abgesagt, die Aktie fiel seit 2015 um 75 Prozent.

Eine Recherche der "New York Times"  hat nun zahlreiche Vorwürfe gegenüber Verantwortlichen der Firma aufgeworfen. Victoria's Secret stehe für eine "tief verwurzelte Kultur voller Frauenfeindlichkeit, Mobbing und Belästigung", heißt es in dem Bericht, für den das Team der "New York Times" mit mehr als 30 Models, aktuellen und ehemaligen Führungskräften, Angestellten sowie Auftragnehmern des Unternehmens gesprochen und Gerichtsunterlagen ausgewertet hat. Das Unternehmen reagierte mit "Bedauern" auf die detaillierten Anschuldigungen.

Die Männer hinter Victoria's Secret: Leslie Wexner und Ed Razek posieren bei einer Veranstaltung im Jahr 2016 für die Kameras

Die Männer hinter Victoria's Secret: Leslie Wexner und Ed Razek posieren bei einer Veranstaltung im Jahr 2016 für die Kameras

Foto: Astrid Stawiarz/ Getty Images North America

Vor allem zwei Männer an der Spitze des Unternehmens stehen im Fokus der Berichterstattung: Leslie Wexner, Gründer und CEO von L-Brands, Muttergesellschaft von Victoria's Secret. Sowie sein enger Vertrauter Ed Razek, der jahrzehntelang als Marketingchef der erfolgreichen Marke fungierte und intern als nahezu unantastbar galt.

Wexner hatte Victoria's Secret im Jahr 1982 für eine Million US-Dollar erworben und zu einer Weltmarke aufgebaut. Der Firmenchef stand in engem Kontakt mit dem New Yorker Investor Jeffrey Epstein. Dieser soll sich viele Jahre lang um die Anlage von Wexners Milliardeneinkünften aus dem Geschäft mit sexy BHs und Tangas gekümmert haben. Epstein wurde beschuldigt, Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Laut Anklageschrift hatte der Multimillionär zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen Missbrauchsring aufgebaut, immer wieder soll Epstein Mädchen mit dem Versprechen gelockt haben, er könne Ihnen einen Job als Model bei Victoria' Secret besorgen.

Der aktuelle Bericht der "New York Times" zitiert unter anderem die Aussage einer Frau, die in einer Anhörung vor dem Bundesgericht im Fall Epstein verlesen wurde: "Ich hatte mein ganzes Erspartes für Dessous von Victoria's Secret ausgegeben, um mein Vorsprechen vorzubereiten", heißt es darin. Doch statt eines Auftritts als Engel erschien ihr der Termin "wie ein Casting-Aufruf zur Prostitution. Ich fühlte mich wie in der Hölle". Jeffrey Epstein war im August 2019 in einer New Yorker Gefängniszelle gestorben, nach Angaben der Gerichtsmedizin beging der 66-Jährige Suizid.

Der ehemalige Marketingchef Ed Razek schied erst im August 2019 bei Victoria's Secret aus. Bei der Personalabteilung soll es mehrere Beschwerden von Models und Mitarbeiterinnen in Bezug auf Razek gegeben haben. Alyssa Miller, die mehrfach für Victoria's Secret gemodelt hat, beschreibt Razek als jemanden, der eine "toxische Männlichkeit" ausgestrahlt haben soll. Den "New York Times"-Recherchen zufolge soll Razek mehrfach Models in Unterwäsche bei Castings nach ihrer Telefonnummer gefragt und sie gebeten haben, sich auf seinen Schoss zu setzen. Zwei Models berichteten von privaten Essenseinladungen von Razek.

Das Mannequin Andi Muise berichtet, wie sie mehrfach Reiseeinladungen Razeks abgelehnt habe und danach nicht mehr für die Victoria's Secret Show ausgewählt worden sei. Einer weiteren Frau soll er laut Zeugen bei einer Anprobe in den Schritt gefasst haben.

Auf Anfrage der "New York Times" weigerte sich Razek, auf die verschiedenen Vorwürfe im Detail einzugehen, erklärte aber, die Anschuldigungen seien "kategorisch unwahr, falsch ausgelegt oder aus dem Zusammenhang gerissen".

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