Trockenheit in Deutschland Waldbrände lodern bereits kurz nach Ostern

Die Böden sind 2019 noch trockener als im vergangenen Frühjahr. Vielerorts haben sich schon Waldbrände entzündet, Landwirte fahren statt Gülle Löschwasser. In einem Landkreis gilt bereits der Katastrophenfall.

Julian Stähle/dpa

In verschiedenen Teilen Deutschlands sind die Feuerwehren zu Wald- und Flächenbränden ausgerückt. Betroffen waren mehrere Bundesländer, darunter Baden-Württemberg, Thüringen, Bayern, Niedersachsen und Hamburg. In Mecklenburg-Vorpommern brannten nahe Weberin östlich von Schwerin zwei Hektar Wald. Als Ursache gilt laut Polizei in Ludwigslust eine gerissene Hochspannungsleitung. Etwa 50 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

Im thüringischen Saale-Orla-Kreis hat Landrat Thomas Fügmann wegen eines nicht zu kontrollierenden Waldbrands den Katastrophenfall ausgerufen. Ein seit zwei Tagen andauernder Großbrand am Heinrichstein ist nach Einschätzung der Einsatzleitung "momentan nicht in den Griff zu bekommen".

Aktuell stünden etwa 13 Hektar Wald in Flammen, Menschen, Wohngebäude oder andere Gebäude seien bislang jedoch nicht in Gefahr. Der Wind fache das Feuer nahe dem Bleiloch-Stausee immer wieder an, Anwohner wurden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Wegen akuter Waldbrandgefahr herrscht in vielen Regionen Deutschlands inzwischen die höchste Warnstufe. Das Umweltministerium in Brandenburg rief am Dienstag flächendeckend die Stufe 5 aus. Der Waldbrandgefahren-Index des Deutschen Wetterdienstes (DWD) markierte darüber hinaus den Süden Mecklenburg-Vorpommerns, das nördliche Sachsen, den Osten Sachsen-Anhalts sowie die Region um das niedersächsische Celle als sehr stark gefährdet.

In Spremberg bei Cottbus standen in der Nacht 4,5 Hektar in Flammen, wie der Waldbrandschutzbeauftragte Raimund Engel sagte. Das Feuer sei am Ostermontag kurz vor Mitternacht gemeldet und in den frühen Morgenstunden gelöscht worden.

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Stufe 5 von 5: Drohende Waldbrände in deutschen Forsten

Die Böden in Deutschland sind in diesem Frühjahr noch einmal deutlich trockener als zu Beginn des vergangenen Jahres, wie der Deutsche Wetterdienst mitteilte. DWD-Experte Udo Busch sagte: "Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden."

Wind und trockene Pflanzenreste aus 2018 heizen Feuer an

Bereits 2018 hatte es in Deutschland eine lang anhaltende schwere Dürre gegeben, die unter anderem Bauern zu schaffen machte und viele Gewässer austrocknen ließ. Vor dem Frühjahr 2018 hatten laut DWD reichhaltige Niederschläge im Herbst und Winter zu Beginn der Vegetationsperiode für einen Puffer gesorgt. Dies sei in diesem Jahr nicht der Fall. Auch tiefer liegende Wasserspeicher im Boden seien deshalb momentan weit weniger gut gefüllt. Dies würde bei anhaltender Trockenheit auch Pflanzen und Bäume betreffen, deren Wurzeln tiefere Bodenschichten erreichen.

Probleme mit Bränden gab es bereits auch in Bayern. In Hersbruck östlich von Nürnberg brannte am Ostermontag ein ein Hektar großes Waldstück. Weil die Fläche schwer zugänglich war, hätten Landwirte ihre Güllefässer für den Wassertransport zur Verfügung gestellt, sagte Kreisbrandrat Norbert Thiel. Zu Ostern mussten wegen Waldbrandgefahr bereits einige Osterfeuer abgesagt werden.

In Niedersachsen ist die Feuerwehr nach zwei großen Moorbränden noch mit Nachlöscharbeiten beschäftigt. Das Feuer in der Nähe von Vechta, das am Ostermontag ausgebrochen war, sei fast vollständig gelöscht, sagte eine Polizeisprecherin. Zum Nachlöschen seien noch rund 150 Feuerwehrleute im Einsatz. Am Vortag waren es bis zu 400 gewesen. Gebrannt hatte es auf mehreren Hektar Fläche.

Im Norden Sachsens dürfen wegen der teils sehr hohen Waldbrandgefahr einige Wälder vorerst nicht mehr betreten werden. Bis einschließlich Ostern fielen in Sachsen laut DWD-Meteorologe Florian Engelmann im Schnitt gerade einmal 2,1 Liter Niederschlag pro Quadratmeter. Das langjährige Mittel für April liegt laut DWD bei 58,4 Liter.

Die Niedersächsischen Landesforsten warnen zudem vor Bränden durch die trockenen Pflanzenreste des vergangenen Jahres. "Das frische Grün kommt erst noch", sagte ein Sprecher. Wie ein Fön trockne der Wind etwa altes Gras und könne auch zu einer raschen Ausbreitung eines Feuers beitragen.

Angesichts der Brandgefahr sei es derzeit mehr als fahrlässig, in den Wäldern zu rauchen oder anders mit offenem Feuer zu hantieren, warnte Aßmann. Aus dem Auto geworfene Zigarettenkippen könnten zu Feuern an Böschungen führen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es, der Saale-Orla-Kreis liege in Sachsen. Tatsächlich liegt er im Freistaat Thüringen. Wir haben den Fehler korrigiert.

apr/dpa/AFP



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