Allgemeinverfügung für Walldorf-Süd Kreis verhängt monatelange Ausgangssperre für Katzen – zum Schutz der Haubenlerche

Die vom Aussterben bedrohte Haubenlerche muss in der Stadt Walldorf unter Todesangst brüten. In ihrem Gebiet sind zu viele Katzen unterwegs. Doch die dürfen nun bis Ende August nicht vor die Tür – mit wenigen Ausnahmen.
Katze (noch) im Garten: Bis August kein Freigang mehr

Katze (noch) im Garten: Bis August kein Freigang mehr

Foto: Michael Breuer / IMAGO

Das war es mit dem Leben als Freigänger: Katzen im Süden der baden-württembergischen Stadt Walldorf dürfen ab sofort bis zum 31. August nicht mehr das Haus verlassen. Der Grund: Der Rhein-Neckar-Kreis will die vom Aussterben bedrohte Haubenlerche während ihrer Brutzeit besser schützen.

Am heutigen Dienstag trat die Allgemeinverfügung  der Unteren Naturschutzbehörde Rhein-Neckar-Kreis in Kraft. Dort heißt es unter Verweis auf den Geltungsbereich Walldorf Süd: »Ab sofort bis einschließlich 31. August, und danach – bis zum Jahr 2025 – im Zeitraum vom 01. April bis einschließlich 31. August, ist der Freigang von Katzen, die im Geltungsbereich dieser Allgemeinverfügung gehalten werden, durch deren Halter*innen zu unterbinden.« Zwischen April und August brütet die Haubenlerche.

Lassen Katzenbesitzer ihre Freigänger trotz der Verfügung vor die Tür, droht ein Bußgeld von 500 Euro. Verletzt oder tötet eine Hauskatze eine Haubenlerche, könnte das sogar eine Geldbuße von 50.000 Euro nach sich ziehen.

Das Opfer: Die Haubenlerche will in Ruhe brüten

Das Opfer: Die Haubenlerche will in Ruhe brüten

Foto: IMAGO

Jeder Jungvogel zählt

Zur Begründung heißt es, die Haubenlerche sei vom Aussterben bedroht. In Walldorf gebe es nur noch drei Brutpaare, für die lokalen Populationen bestehe ein »sehr hohes Aussterberisiko«. Trotz Maßnahmen in den vergangenen Jahren seien die Haubenlerchen nicht ausreichend geschützt. Die hohe Dichte an frei laufenden Katzen in dem Gebiet ist der Verfügung zufolge eine Gefahr für die Vögel. Insbesondere flugunfähige Jungvögel würden immer wieder Katzen zum Opfer fallen. Es komme aber »für den Fortbestand der Art auf das Überleben jedes einzelnen Jungvogels an«.

Die Tiere sollen nun durch den Hausarrest für Katzen sicherer sein. Ausnahmen oder Alternativen könnte es für manche Katzen aber geben:

  • Können Halterinnen oder Halter nachweisen, dass ihre Katze zwar im Geltungsbereich lebt, aber nicht durch das Brutgebiet der Haubenlerchen läuft, dürfen sie eine Erlaubnis zum Freigang beantragen.

  • Möglich ist der Verfügung zufolge auch, die Katze an einer kurzen Leine spazieren zu führen.

  • Die »Rhein-Neckar-Zeitung«  berichtet, der Kreis schlage vor, Katzen bis zum 31. August zu Freunden oder Verwandten zu bringen, die nicht im Gebiet des Katzenverbots wohnen.

Bürgermeister setzt sich für Katzen ein

Die Stadt Walldorf kann offenbar nichts gegen die Verfügung tun. »Uns sind da die Hände gebunden«, sagte Bürgermeister Matthias Renschler (FDP) der »Rhein-Neckar-Zeitung«. Er habe Verständnis für die Katzenbesitzer, er wisse, was es bedeutet, wenn die Katze mal zwei Tage eingesperrt werden muss: »Die gehen an die Tapete oder ans Sofa, sie über mehrere Monate einzusperren, halte ich für realitätsfremd.«

Fraglich ist auch noch, wie die Ausgangssperre kontrolliert wird. Der Zeitung zufolge sagte ein Kreissprecher, Mitarbeiter eines Fachbüros kontrollierten den Bestand der Haubenlerchen. Sie sollten dann auch Ausschau nach Katzen halten und möglicherweise nachverfolgen, woher die Vierbeiner kämen.

ptz
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