Schäden durch Orkantief »Zeynep« spült Strand von Wangerooge fast vollständig weg

Das Orkantief hat die ostfriesischen Inseln schwer getroffen: Wangerooge büßte im Sturm etwa 90 Prozent ihres Badestrandes ein. Auch andernorts traf die Nordsee mit Wucht an Land.
Strand der Nordseeinsel Wangerooge am Samstag: »Auf einer Länge von einem Kilometer gibt es kaum noch Sand«

Strand der Nordseeinsel Wangerooge am Samstag: »Auf einer Länge von einem Kilometer gibt es kaum noch Sand«

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Peter Kuchenbuch-Hanken / dpa

Orkantief »Zeynep« hat die Nordseeinsel Wangerooge schwer getroffen. Sie habe im Sturm etwa 90 Prozent ihres Badestrands eingebüßt, berichtete die Nachrichtenagentur dpa. »Auf einer Länge von einem Kilometer gibt es kaum noch Sand«, sagte Wangerooges Inselbürgermeister Marcel Fangohr. Die Schutzdünen vor dem Trinkwasserschutzgebiet hätten kein Deckwerk mehr, dies müsse wie der Strand neu aufgeschüttet werden. Dennoch sei der Sturm glimpflich ausgegangen.

Der Wasserstand habe etwa zwei Meter über dem normalen Stand gelegen, das sei weit von den Höchstständen entfernt, erklärte Fangohr. 2013 habe der Wasserstand bei 9,17 Metern gelegen, in der Nacht zum Samstag seien es 8,50 Meter gewesen. Glück im Unglück sei es gewesen, dass der starke Wind eher aus westlicher Richtung kam – nicht aus nordwestlicher. Neben dem weggespülten Strand seien Mülleimer umgekippt, eine Satellitenschüssel sei von einem Dach geflogen und Zäune umgefallen. Fangohr: »Wir haben Glück gehabt.«

Orkanböe mit 143,3 km/h in Schleswig-Holstein gemessen

Mindestens sechs Wochen werde es dauern, den Strand wieder aufzuschütten, sagte Fangohr. Der Sand dafür komme von einer Sandbank vor der Insel. Schon nach den vergangenen Stürmen seien etwa 60 Prozent des Strandes weggespült worden , nun sei stellenweise überhaupt kein Sand mehr da.

Das Orkantief forderte europaweit mindestens acht Todesopfer, darunter auch mehrere in Deutschland. Es soll nun am Samstag über das Baltikum nach Russland weiterziehen, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte.

Vorübergehend soll es ruhiger werden, bis am Sonntag vor allem im Süden und in der Mitte noch mal stärkere Böen erwartet werden – verbreitet mit bis zu 60 Kilometern pro Stunde, auf höheren Bergen auch teils schwere Sturmböen bis 100 Kilometer pro Stunde. Am Freitagabend war in Büsum eine Orkanböe mit 143,3 Kilometer pro Stunde gemessen worden.

»Zeynep« sorgte außer auf Wangerooge auch andernorts an der Nordseeküste für eine schwere Sturmflut. In Hamburg erreichte die Elbe am Pegel St. Pauli am Samstagmorgen gegen 5.30 Uhr 3,75 Meter über dem mittleren Hochwasser, wie das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie mitteilte.

Hamburger Feuerwehrleute retten Autofahrer

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Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Damit erreichte die Hansestadt erstmals seit 2013 wieder eine sehr schwere Sturmflut mit mehr als 3,5 Metern über dem mittleren Hochwasser. In der überfluteten Speicherstadt rettete die Feuerwehr am frühen Samstagmorgen zwei Männer, die mit ihrem Auto eingeschlossen waren. Laut Polizei waren die Männer stark unterkühlt und wurden vorsorglich in ein Krankenhaus gebracht.

Am Morgen hob der DWD seine Warnung vor extremen Orkanböen an der Nordsee auf.

apr/dpa