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14. April 2017, 07:32 Uhr

Christliches Fest

Warum wird Ostern gefeiert?

Was bedeutet Karfreitag? Wie wird Ostern terminiert? Und was war noch gleich der Emmaus-Gang? Fragen und Antworten zum wichtigsten christlichen Fest.

Gründonnerstag - Tag des letzten Abendmahls

Gründonnerstag gedenken Christen des letzten Mahls, das Jesus am Abend vor seinem Tod mit seinen Jüngern hielt. Nach Überlieferung in der Bibel wird Christus danach von Judas verraten und gefangengenommen. Der Tag symbolisiert die Vereinigung von Christus mit den Gläubigen. Mit dem Tag beginnt das Leiden und Sterben Jesu, die Passion. Nach der Messe werden daher häufig Blumen, Schmuck und Kerzen aus der Kirche entfernt. Ob das "Grün" im Namen tatsächlich auf das mittelhochdeutsche Wort "greinen" (wehklagen) zurückgeht, ist umstritten.

Die Osterfeiertage gelten für die Tourismusindustrie als erste Hauptsaison des Jahres. Für viele Deutsche ist Gründonnerstag bereits ein Reisetag, etliche brechen zu Kurztrips oder Familienbesuchen auf. Sie stehen dann häufig spätestens ab nachmittags im Stau oder quetschen sich in volle Züge.

Karfreitag - Tag der Buße und des Gebets

Am Karfreitag gedenken Christen der Leidenszeit und des Todes Jesu. Der biblischen Überlieferung nach wurde der Sohn Gottes an diesem Tag in Jerusalem wegen Aufruhr und Gotteslästerung verurteilt und auf dem Hügel Golgatha gekreuzigt. Schon seit dem frühen Christentum wird der Freitag vor Ostern als stiller Tag der Buße, des Fastens und des Gebets begangen. Der Name leitet sich vom althochdeutschen Wort "kara" ab, das Trauer oder Wehklage bedeutet.

Karfreitag gilt in Deutschland als sogenannter stiller Feiertag. Märkte, Sport- und Musikveranstaltungen sind eingeschränkt. Für einige Feierfreudige ist das ärgerlich, herrscht mancherorts doch sogar ein Tanzverbot.

Karsamstag - Tag der Grabesruhe

Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe Christi. Er wird oft auch als Ostersamstag bezeichnet. Karsamstag gilt als Tag der stillen Trauer und Ruhe. Kirchenglocken sind kaum zu hören. Dafür sind die Schlangen in den Supermärkten umso länger. Denn Karsamstag ist kein gesetzlicher Feiertag, viele Menschen nutzen die Gelegenheit zum Einkauf.

Abends beginnen dann die ersten Osterfeierlichkeiten mit Gottesdiensten und Osterfeuern. Die Feuer haben auch eine heidnische Tradition: Sie sollten den Winter vertreiben. Mit der Christianisierung Mitteleuropas wurde der Kult von der Kirche umgedeutet. Die Feuer stehen demnach für die Freude über die Auferstehung.

Ostersonntag - Fest der Auferstehung Christi

Ostern ist das wichtigste christliche Fest. An Ostersonntag überwand Jesus den Tod und erfüllte damit seinen göttlichen Erlösungsauftrag auf Erden. Den Termin legte das Konzil von Nicäa im Jahr 325 so fest, dass Ostern immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond fällt. Ostern schließt die 40-tägige Fastenzeit (Passionszeit) ab. Zu Beginn der Feier werden Osterfeuer und Kerzen als Lichtsymbole für das Leben gesegnet.

Ostermontag - Tag des Emmaus-Gangs

Laut dem biblischen Lukasevangelium begegneten zwei Jünger auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus einem Unbekannten. Erst als der Fremde mit ihnen an einem Tisch das Brot teilte, erkannten sie ihn als Jesus Christus. Theologen lesen aus der Geschichte, dass Glaube eine Herausforderung sei, denn erst diese Begegnung habe die Jünger vom göttlichen Wunder überzeugt. Sie kehrten nach Jerusalem zurück und verbreiteten dort die Botschaft von der Auferstehung des Herrn. Daraus entwickelte sich am zweiten Osterfeiertag der Brauch des Emmaus-Ganges, der auch zum weltlichen Osterspaziergang wurde.

Traditionell wird um die Osterzeit nicht nur spaziert, sondern auch demonstriert: beim Ostermarsch. Seine Wurzeln liegen im Protest gegen das atomare Wettrüsten während des Kalten Krieges. 1968 und 1983 kamen Hunderttausende zu den Märschen. In den Jahren danach verlor die Bewegung an Zulauf.

aci/cvn/dpa

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