Weiberfastnacht Tausende Narren stürmen Rathäuser

Die närrischen Hochburgen feiern Weiberfastnacht: Pünktlich um 11.11 Uhr fiel der Startschuss zum Straßenkarneval - seitdem haben die Frauen unter anderem in Düsseldorf, Köln und Bonn die Macht übernommen.

DPA

Köln/Düsseldorf - "Petrus muss ne Kölsche sein" - oder ein Düsseldorfer oder Mainzer: Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen haben Hunderttausende Jecken und Narren am Donnerstag in den rheinischen Karnevalshochburgen den Beginn des Straßenkarnevals gefeiert. Als "Zeichen der Weiberherrschaft" wurden den Männern mit der Schere die Krawatten abgeschnitten. Die Jecken stürmten die Rathäuser, um dort bis Aschermittwoch (9. März) zu regieren.

Alleine in der Kölner Altstadt waren Tausende Menschen dabei, als um Punkt 11.11 Uhr Oberbürgermeister Jürgen Roters dem Dreigestirn aus Prinz, Jungfrau und Bauer für die närrischen Tage den Schlüssel zum Rathaus übergab. In Düsseldorf nahmen die Möhnen den Bürgermeister gefangen. In Bonn griffen die Waschweiber an.

In Köln gaben Frauen den Takt an, die als Hexen, Hippies, Polizistinnen oder aufwendig gestaltete Elfen kostümiert waren. Eine Gruppe Jecken hatte sich als falsche "Guttenbergs" ins Treiben gestürzt. "Wir studieren alle, da bietet sich das Kostüm an", sagte einer aus der Gruppe.

Steinmeier vor Narrengericht

Im Südwesten stand am "Schmotzigen Dunschtig" (Schmutziger Donnerstag) SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier vor dem "Stockacher Narrengericht". Er wurde zu einer "Strafe" von viereinhalb Eimern Wein zu je 60 Litern verdonnert. Das Narrengericht sprach den 55-Jährigen unter anderem des "Verrats an der linken Sache" schuldig, da die SPD in manchen Umfragen von den Grünen überholt werde.

Steinmeier konterte, die Anklage sei steinzeitlich, das hohe Gericht in seiner "Narrenburka" erinnere ihn an "vorgermanische Häuptlinge" und der Ankläger an einen "badischen Westentaschen-Mudschahid". So abgelegene Orte wie Stockach seien ihm nicht einmal in seiner Zeit als Außenminister untergekommen.

"Das hohe grobgünstige Narrengericht zu Stocken" geht zurück auf den Hofnarren Hans Kuony des Habsburger Herzogs Leopold I. Als Dank für gute Ratschläge erhielt Kuony 1351 das Privileg, jedes Jahr ein Narrengericht abhalten zu dürfen. Auf der Anklagebank saßen seit den sechziger Jahren unter anderem Franz Josef Strauß, Hans-Dietrich Genscher, Joschka Fischer, Guido Westerwelle und Angela Merkel.

Höhepunkt der "fünften Jahreszeit" sind die großen Karnevalszüge am Rosenmontag, zu denen in zahlreichen deutschen Städten mehrere Millionen Zuschauer erwartet werden. Es gibt in Deutschland viele regionale Eigenheiten, was die Traditionen, Bezeichnungen und Veranstaltungen des Karnevals betrifft. So wird etwa unterschieden zwischen dem rheinischen Karneval, der Fastnacht in Mainz, der schwäbisch-alemannischen Fasnet und der Bezeichnung Fasching, die sich vor allem im bayerischen und österreichischen Raum findet.

wit/AFP/dpa/dapd

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
ky3 03.03.2011
1. Karneval ist doch ganz anders
Ich bin ein grosser Fan des rheinischen Karneval und werde gleich meine Koffer packen. Doch ich würde den rheinischen Karneval verachten wäre er so wie man ihn aus den Medien kennt. Jenseits von sBütten-Reden, Rosenmontagsumzügen, Bombonwerfen und Taataaa gibt es so viel mehr und hintergründig Exzessives was ich nie mehr missen will. Ich verstehe nicht das eine Medienstadt wie Köln stets die selben Einstellungen, die immer gleichen altbackensten Traditionen und Promi-Karnevalisten zeigt anstatt in die Welt zu tragen was es sonst noch alles gibt und das der Karneval keineswegs von humorlosen Beamten abgehalten wird. Wirklich seltsam das ganze, das nicht berichtet wird wie es ist, sondern nur wie es im Katalog steht.
plasmopompas 03.03.2011
2. ...
"Weiberfastnacht: Tausende Narren stürmen Rathäuser" Huch! Revolution nicht nur im vorderen Orient, sondern auch im Rheinland. Wer hätte das gedacht.
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